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Picknick mit Shakespeare: "Elfen und Irrtümer" in Salzburg | BR24

© Tobias Witzgall/Salzburger Landestheater
Bildrechte: Tobias Witzgall/Salzburger Landestheater

Allererste Sahne: Shakespeare im Park

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    Picknick mit Shakespeare: "Elfen und Irrtümer" in Salzburg

    Im Garten von Schloss Leopoldskron verheddern sich Shakespeare-Gestalten in ihren Leidenschaften: Das Salzburger Landestheater lädt die Zuschauer open air zur amüsanten Spielzeit-Eröffnung ein, mit grandiosem Untersberg-Blick und Prosecco.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Shakespeare kommt mit seinen Geschichten ja immer schnell in den Wald, und selten wieder raus. Seine Heldinnen und Helden verlaufen sich halt gern, wissen sie alle doch sehr gut, dass jeder, der sich selbst und andere finden will, erst mal durchs Unterholz der Leidenschaften muss. Insofern gibt es kaum einen passenderen Schauplatz für seine Werke als den leicht verwilderten Garten von Schloss Leopoldskron in Salzburg. Da passt einfach alles: Das üppige, grüne Blätterdach der alten Bäume, der Sonnenuntergang über dem Weiher, die geheimnisvollen, rätselhaften Statuen, das altehrwürdige Schloss selbst, die Buchsbaum-Ornamente davor und nicht zuletzt die lauschige, inzwischen verfallene Gartenbühne, die einstmals kein geringerer als Max Reinhardt einrichten ließ, der kunstsinnige Retter der Schloss-Ruine und Gründer der Salzburger Festspiele.

    Von der Zivilisation in die Wildnis

    Und so inszenierte Carl-Philip von Maldeghem, der Intendant des Salzburger Landestheaters, genau hier einen knapp 90-minütigen abendlichen Spaziergang von der „Zivilisation in die Wildnis“, vom aufgeräumten Innenhof des Hotel-Neubaus bis hinüber ins sumpfige und von den Mücken umtanzte Ufergelände, wo einst die Zuschauer der Gartenbühne Platz fanden. „Elves and Errors“ hat Maldeghem seinen Shakespeare-Reigen betitelt, will also von Elfen und Irrtümern erzählen, was ihm auch wunderbar und vor allem kurzweilig und witzig gelingt.

    © Anna-Maria Löffelberger/Salzburger Landestheater
    Bildrechte: Anna-Maria Löffelberger/Salzburger Landestheater

    Endlich ausschütteln

    Für den Hochsommer geht´s um 18.00 Uhr vergleichsweise früh los, also noch im Hellen, andernfalls hätten nämlich im Schlossgarten kilometerlange Kabel für die Panikbeleuchtung verlegt werden müssen. Und ein Beginn zur späten Nachmittagszeit hat auch Vorteile, können Besucher in Salzburg doch Picknick-Körbe buchen und sich eine Stunde vor der Vorstellung mit fantastischem Blick auf den Untersberg den Prosecco und das italienische Vorspeisen-Gemüse schmecken lassen – das ist allemal luxuriöser als in der Hofstallgasse Abendroben spazieren zu führen.

    Ab und zu ein welkes Blatt

    Shakespeare-Kenner dürfen mit raten, aus welchen Stücken dieser Abend zusammengesetzt ist, alle anderen finden die Auflösung im Programmheft. „Die ganze Welt ist eine Bühne“ heißt es eingangs, und wir alle seien ohnehin nur Schauspieler, die darauf warten, dass das Stück zu Ende geht. Bleiben wird von uns Shakespeare zufolge nichts, außer vielleicht der „Stoff, aus dem die Träume sind“. Im Theater wirken solche Botschaften oft nur gelehrt und erbaulich, aber wenig anrührend, hier, unter dem freien Himmel von Leopoldskron, am Weiher, auf dem sich der Wolkenhimmel spiegelt, unter den Bäumen, die ab und zu ein welkes Blatt auf die Zuschauer hinab schweben lassen, ist das ein herrlich melancholisches Erlebnis.

    © Anna-Maria Löffelberger/Salzburger Landestheater
    Bildrechte: Anna-Maria Löffelberger/Salzburger Landestheater

    Staunen im Grünen

    Und so folgen die Zuschauer wie Kunst-Pilger den beiden vom Hof verbannten Frauen Rosalind (umwerfend komisch: Nikola Jaritz-Rudle) und Celia (sehr pflichtbewusst: Larissa Enzi) ins Dickicht und hoffen auf ein Happy End. Stattdessen treffen sie auf die liebestrunkenen Jungs Orlando (mit viel Körpereinsatz bis hin zum Schlamm-Waten: Gregor Schulz) und Silvius (kraftstrotzend: Maximilian Paier), der wiederum einer etwas raubeinigen Phoebe im Dirndl mit ausgeprägtem Salzburg-Akzent hinterherhechelt (viel beklatschte Komödiantin: Patrizia Unger). Das alles ist genauso chaotisch gemeint, wie es sich liest: Bei Shakespeare geht´s ja gerade um den Beziehungs-Dschungel, der selten mal eine Liane bereithält, an der sich Liebende ins Freie schwingen können. Eher verheddern sie sich in ihren eigenen Erwartungen.

    Nichts Schlimmes vom Radarbild

    Mitgesungen wird an diesem Abend eher verhalten, dafür ist das Staunen groß, als Elfenkönig Oberon seinen Grill per Fernzündung anwirft. Ein launiger Regie-Einfall von Carl-Philip von Maldeghem, der damit wohl auf eine besonders beliebte Garmethode im August anspielen wollte und die anwesenden Männer neidisch machte. Der Intendant war übrigens auch schnell zur Stelle, als es mal ein paar Tropfen regnete. Das Radarbild verheiße nichts Schlimmes, so seine Entwarnung, und nach ein paar Minuten brachen auch tatsächlich schon wieder die Sonnenstrahlen durch die Wolken. Das Finale fand dann im Gegenlicht statt und war wortwörtlich „blendend“. Fast wäre die Sonne genau auf die letzte Textzeile hinter dem Horizont verschwunden. Solche Zufalls-Effekte kann kein Licht-Designer zaubern, kein Kreativ-Team stemmen. Schon dafür lohnt sich der Gang durch den Leopoldskroner Schlossgarten.

    © Tobias Witzgall/Salzburger Landestheater
    Bildrechte: Tobias Witzgall/Salzburger Landestheater

    Mit Picknickkorb

    Gut, dass der Hoteldirektor eines Anwesens, in dem die Gäste eigentlich Ruhe und Abgeschiedenheit lieben, diese Theatererlebnisse möglich macht. Seit 2014 darf das Salzburger Landestheater jeweils im Sommer den Garten bespielen, öffnet sich das pompöse Eingangstor auch für Zuschauer, die sich hier womöglich kein Zimmer leisten könnten, aber gern die grandiose Natur-Kulisse genießen. Im Foyer des Schlosses ließ sich ein zukünftiges Brautpaar während der Vorstellung übrigens gerade vom Bankett-Chef hinsichtlich der Feier beraten – das hätte Shakespeare mit Sicherheit als „scripted reality“ genossen und daraus prompt eine Szene gemacht, zur Gaudi des Publikums. Darauf einen Prosecco – oder auch zwei!

    Shakespeare im Park: Elves and Errors, wieder am 25., 26. und 27. August, jeweils um 18.00 Uhr im Schloss Leopoldskron Salzburg, weitere Vorstellungen bis 30. August.