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Pflegenotstand: Ohne Wohnung kein Personal | BR24

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Die Pflegekräfte Joao Fernandes und seine Frau Claudia Rodriquez suchen händeringend nach einer Wohnung im Internet.

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    Pflegenotstand: Ohne Wohnung kein Personal

    Aktuell fehlen in Bayern im Sozial- und Gesundheitswesen knapp 20.000 Fachkräfte. Deshalb werden Pflegekräfte aus dem Ausland angeworben. Doch den Arbeitgebern fällt es immer schwerer, ohne passenden Wohnraum Personal zu finden.

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    Weil in Deutschland Pflegenotstand herrscht, müssen Fachkräfte aus dem Ausland eingestellt werden. João Fernandes beispielsweise wurde im Rahmen des „Triple Win“ Projekts der Bundesagentur für Arbeit extra aus Portugal angeworben. Er hat sich dort als Krankenpfleger in einem vierjährigen Studium qualifiziert und Deutsch gelernt. Seit 2013 arbeiten er und seine Frau im Krankenhaus Barmherzige Brüder in München.

    Aktuell stellt das Krankenhaus 155 Wohnungen für seine Mitarbeiter zur Verfügung – deutlich zu wenig. Denn den Arbeitgebern fällt es immer schwerer, ohne passenden Wohnraum Personal zu rekrutieren. Diese Erfahrung macht auch Geschäftsführerin Dr. med. Nadine Schmid-Pogarell: "Wir haben extra eine Mitarbeiterin in der Personalabteilung dafür freigestellt, die Wohnungssuche zu koordinieren. Es gibt schon potenzielle Bewerberinnen und Bewerber, die sich auf eine Stellenanzeige von uns melden. Aber die rufen zuerst an und fragen, ob wir auch eine Wohnung anbieten können. Wenn wir das nicht können, kriegen wir ihre Bewerbung noch nicht einmal zu sehen."

    Konkurrenz zwischen den Krankenhäusern

    Die schwierige Wohnungssituation betrifft nicht nur aus dem Ausland angeworbenen Pflegekräfte, sondern auch deutsche Mitarbeiter – vor allem in den Ballungszentren. Allein in München gibt es mehr als 40 Krankenhäuser – alle sind sie auf der Suche nach Pflegepersonal. "Wir konkurrieren alle um die gleichen Fachkräfte", erklärt Schmid-Pogarell, "und natürlich ist es so, dass ein Träger, der vielleicht mehrere tausend Wohnungen im Angebot hat, dann auch ein attraktiverer Arbeitgeber ist. Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder kann deshalb mit 155 Wohnungen nicht auf dem Markt mithalten."

    Verzweifelte Suche nach Wohnraum

    João Fernandes kam mit seiner Frau nach Bayern, weil ihnen mit dem Jobangebot auch eine Wohnung zugesichert wurde. Dass es hier auf dem Wohnungsmarkt so kompliziert sein würde, hatten sie nicht geahnt: "Aktuell suchen wir eine Wohnung, weil wir Kinder haben möchten und unsere Wohnung ist dafür zu klein. Seit zwei Jahren suchen sie bereits intensiv nach einer größeren Wohnung – auf knapp 700 Inserate haben sie sich beworben. Ihr Budget: 1500 Euro.

    Da sollte sich doch was finden lassen, will man meinen. Doch meist bekommen sie nicht einmal einen Besichtigungstermin. Eine Rückkehr nach Portugal kommt für sie nicht in Frage. Sie haben sich gut in Deutschland eingelebt. Wenn sie keine Wohnung finden, werden sie der schwierigen Wohnungssituation geschuldet an ein anderes Krankenhaus in einem kleineren Ort wechseln müssen.

    Mehr zum Thema "Pflegenot aus Wohnungsnot" erfahren Sie im BR Fernsehen am 10. Juli um 19 Uhr in STATIONEN und in der BR Mediathek.