Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

Pfingsten- Passen Heiliger Geist und Wissenschaft zusammen? | BR24

© colourbox.com

Der Quantenphysiker Peter Dürr glaubte: Der Heilige Geist durchwebt das All.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Pfingsten- Passen Heiliger Geist und Wissenschaft zusammen?

An Pfingsten feiern Christen, dass der Heilige Geist vom Himmel auf die Erde kommt, um die Gläubigen zu stärken. So steht es in der Bibel. Der Heilige Geist also nur eine fromme Legende? Nein, er hat auch Platz in der modernen Quantenphysik.

Per Mail sharen
Teilen

"Die Schöpfung ist nicht abgeschlossen. Sie ereignet sich in jedem Augenblick und wir alle haben Teil an diesem Schöpfungsprozess." So sah es der der 2014 verstorbene Quantenphysiker und Mitarbeiter des Münchner Max-Planck-Instituts, Hans Peter Dürr. Um das Jahr 2000 verfasste er einen Text, in dem er versuchte, Gott und seinen Geist in einem modernen, naturwissenschaftlichen Kontext zu verstehen: "Gott bedeutet für mich das Eine, das Ganze, ein Beziehungsgefüge, das viele Namen hat: Wir können es Liebe nennen oder Geist - ein geistig-lebendiger Kosmos, den jeder von uns individuell erlebt."

Sind Geist und Materie zwei Seiten einer Medaille?

Geist und Materie gehören zusammen, sind nicht voneinander zu trennen. Das war für die antiken Philosophen und auch für viele Wissenschaftler bis in die Neuzeit selbstverständlich. Erst nach der technischen Revolution im 19. Jahrhundert schienen religiöse und wissenschaftliche Welterklärungen kaum noch vereinbar. Geist und Materie wurden schrittweise zu getrennten Wirklichkeiten. Schließlich riss der Dialog zwischen Religion und Naturwissenschaft ab.

Einen der ersten Versuche, die Kluft zu überbrücken, wagte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Teilhard de Chardin. Der französische Jesuit war selbst Naturwissenschaftler. Er forschte als renommierter Geologe und Paläontologe rund um den Globus und erkannte: "Eine Erklärung des Universums, wenn sie befriedigen soll, muss der Innenseite der Dinge ebenso gerecht werden, wie ihrer Außenseite. Dem Geist ebenso wie der Materie."

Atome lösen sich in einem Energiefeld auf

Teilhard verknüpfte biologische Einsichten mit theologischen und kam zu dem Schluss: Die Schöpfung ist ein fortschreitender Prozess, in dem Geist und Materie unablöslich miteinander verbunden sind. Mehr noch: "Geist und Materie sind gar nicht zwei Dinge, sondern zwei Zustände, zwei Gesichter ein und desselben kosmischen Stoffs."

Die Vision Teilhards wird inzwischen durch Erkenntnisse der modernen Quantenphysik bestätigt: Denn mit zunehmender Präzision der Messgeräte können Naturwissenschaftler beobachten, dass winzigste Materiepartikel wie Atome sich stets noch weiter zerteilen lassen. Letztlich lösen sie sich in einem Energiefeld auf, das alles Seiende durchflutet, meinte Atomphysiker Hans Peter Dürr.

"Materie hält die Welt nicht im Innersten zusammen"

Nicht die Materie stehe am Anfang, so Dürr. "Der Materiebegriff ist nicht etwas, was die Welt im Innersten zusammenhält. Was da ist, ist Verbindung", schreibt er am Anfang des neuen Jahrtausends. Diese Verbindung sei mit einer wissenschaftlichen Sprache aber nicht darstellbar: "Und dann gibt es eigentlich keine Worte in unserer Sprache, aber es gibt einige, die dem am nächsten kommen: Wir haben die Bezeichnung 'Geist'. Geist ist etwas, was offen ist, es ist die Offenheit. Es sagt: alles hängt zusammen."

Teilhard de Chardin identifizierte, seinem Glauben entsprechend, den Geist mit dem Geist Gottes. Hans-Peter Dürr war sich stets darüber im Klaren, dass solche Aussagen über die Möglichkeiten naturwissenschaftlichen Erkennens hinausgehen, doch er wagt die Überlegung: "Du kannst Gott in allem sehen, in der kleinsten Blume, überall."

Atomphysiker Dürr: "Das Geistige füllt das ganze Weltall auf"

Immer wieder mache er diese Erfahrung, schrieb Hans Peter Dürr: "Das Geistige füllt das ganze Weltall auf. Und deshalb sind wir eigentlich immer schon in diesem Geist. Und ich würde sagen, diese allgemeine Verbundenheit ist das, was wir Gott nennen."

© BR

Die Pfingstfeiertage dienen meistens der Erholung. Was ist Pfingsten aber eigentlich für ein Fest?