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Pfarrhaus zu verkaufen! | BR24

© Iris Tsakiridis

Das ehemalige Pfarrhaus von Igenhausen, Gemeinde Hollenbach im Landkreis Augsburg.

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    Pfarrhaus zu verkaufen!

    Es sind oft große Häuser, denkmalgeschützt und längere Zeit unbewohnt: alte Pfarrhäuser in den bayerischen Diözesen. Platz genug also für Großfamilien. Klingt in der Theorie einfach, ist in der Praxis aber manchmal ziemlich kompliziert.

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    Das Pfarrhaus von Igenhausen wurde 1821 errichtet. Es ist ein geschütztes Einzelbaudenkmal, teilunterkellert und das Dachgeschoss ist ausbaufähig. Die Gesamtwohnfläche liegt bei gut 170 Quadratmeter. Das Grundstück umfasst rund 1.000 Quadratmeter. Ein Sachverständiger hat für den ehemaligen Pfarrhof einen Verkehrswert von rund 180.000 Euro ermittelt. So die Angaben der Diözese Augsburg. Das attraktive Objekt ist allerdings renovierungsbedürftig.

    "Die Höhe des Sanierungsaufwandes ist abhängig davon, welchen Standard und welche Wohnqualität ein künftiger Nutzer wünscht. Insofern können diesbezüglich keine verbindlichen Angaben gemacht werden." Auskunft Projektentwickler der Diözese Augsburg
    © BR / Iris Tsakiridis

    Kirchenpfleger Matthias Schweizer beim Besichtigungstermin im alten Pfarrhof von Igenhausen.

    Das ehemalige Pfarrhaus in Igenhausen steht zum Verkauf. Matthias Schweizer, der Kirchenpfleger der Gemeinde Igenhausen hat die Immobile schon einigen Interessenten gezeigt. Der letzte Pfarrer ist 1974 ausgezogen, zuletzt lebte hier eine Familie zur Miete.

    "Früher sah das so aus, dass hier der Essbereich war. Mit Blick in den Süden. Rein von der Küche her. Dann hier im Anschluss, der Wohnbereich mit einer Couchgarnitur hier in der Ecke. Gegenüber hier im Eck der Kachelofen und es gab gerade zu den Jahreszeiten Herbst, Winter, wo der Ofen dann im Einsatz ist, dann eine sehr angenehme Atmosphäre." Matthias Schweizer

    Pfarrhäuser erhalten in Zeiten sinkender Einnahmen

    Der Unterhalt leerstehender Pfarrhäuser überfordert viele Kirchengemeinden. Hinzu kommt: die Pfarrhäuser bilden oft ein Ensemble mit der Kirche. Das Pfarrhaus von Ingenhausen ist fast 200 Jahre alt und steht unter Denkmalschutz. Die Igenhausener Kirchengemeinde würde es gerne sehen, wenn eine Familie hier einziehen würde. Derzeit plant die Diözese Augsburg, 16 solcher Gebäude zu verkaufen. Sie muss schon jetzt Prioritäten setzen; denn es ist absehbar: Die Kirchensteuereinnahmen werden in Zukunft zurückgehen.

    Wenn man sehr sehr hohe Summen investieren muss in ein Bauwerk, das eigentlich nicht mehr so dringend benötigt wird, sondern nur noch ganz selten, dann steht das sicher in keinem Verhältnis dazu, dass man parallel eigentlich viele Kirchen und Kapellen unterhalten muss. Diöezesankonservator Michael Schmid

    Die derzeitige Raum- und Pastoralplanung der Diözese geht bis zum Jahr 2025. Durch die Bildung von Pfarrgemeinschaften werden weitere Immobilien frei. Ließe sich dadurch die Wohnungsnot lindern?

    "Manchmal sind leider gerade in weit abgelegenen Gegenden manche Pfarrhöfe schon länger leerstehend und in so einem Zustand, dass mann sie nur sehr schwer verkaufen kann. Aber es gibt durchaus einzelne Fälle, etwa in der Nähe vom Ammersee, wo man ein entsprechendes Objekt in guter Lage besser los wird" Diözsesankonservator Michael Schmid, Augsburg
    © BR / Iris Tsakiridis

    Diözesankonservator Michael Schmid kennt die Instandhaltungskosten der alten Pfarrhöfe in der Diözese Augsburg.

    Wann verkauft die Diözese Augsburg Pfarrhäuser

    Zum einen gibt es Pfarrhöfe, die aufgrund der pastoralen Raum- und Personalplanung 2025 nicht mehr mit einem Geistlichen besetzt werden, zum anderen ehemalige Pfarrwohngebäude, die bereits an Dritte vermietet sind.

    Stehen diese leer und wurde geklärt, dass sie auch in Zukunft nicht mehr für einen eigenkirchlichen Bedarf benötigt werden, wird zunächst geprüft, ob der in der Regel notwendige Instandsetzungsaufwand eine Vermietung des Objektes vertretbar erscheinen lässt.

    "Sollten die zu erwartenden Einnahmen in keinem günstigen Verhältnis zu den Aufwendungen stehen, empfiehlt die Bischöfliche Finanzkammer als kirchliche Stiftungsaufsichtsbehörde den örtlichen Stiftungen, um diese und damit auch die Diözese Augsburg von einer Dauerlast zur Erhaltung des Gebäudes zu befreien und die finanziellen Mittel auf den Kernbedarf zu konzentrieren, eine Weitergabe in Erwägung zu ziehen." Information der Diözese Augsburg.

    Fünfköpfige Familie zieht gern in Pfarrhaus aufs Land

    Das ehemalige Pfarrhaus in Hochdorf. Jetzt gehört es der Familie Meggle. Sie wird bald zu fünft sein. Bevor die Kinder auf die Welt kamen, haben Gwendolin und Simon Meggle in München gewohnt. Dort hätten sie sich nie ein solches Haus sich leisten können. 2,5 Jahre haben sie nach ihrem Traumhaus gesucht.

    Und dann haben wir uns halt beworben bei der Diözese, um das Haus, um einen Besichtigungstermin und als wir es dann von innen gesehen haben, war der Fall eigentlich schon am Tag der Besichtigung klar, dass wir es haben wollen. Simon Meggle
    © BR / Iris Tsakiridis

    Pfarrhaus in Hochdorf - aufwändig renoviert nach alten Schablonen.

    Familie und Freunde helfen bei der Renovierung

    In München hätten sich die Meggles für den Kaufpreis vielleicht eine kleine Wohnung leisten können. Doch der relativ günstige Kaufpreis ist das eine, das andere ist der Renovierungsbedarf: Schimmel, Wasserschäden, verrostete Heizungsrohre. Sie mussten nochmal viel Zeit und Geld investieren. Ohne die Unterstützung von Familie und Freunden hätten die jungen Eltern es nicht geschafft. Das Pfarrhaus wurde 1733 erbaut, doch der Innencharakter stammt aus der Gründerzeit.

    "Stunden gezählt haben wir nicht, aber es waren viele. Und es waren unten wegen Feuchtigkeit große Putzschäden. Da haben wir viel neu verputzt, haben auch die Bordüre zu großen Teilen neu gemacht. Mit alten Schablonen, die wir vom Kirchenmaler bekommen haben. Spannend war auch, an welcher Stelle das nächste Mal Wasser aus der Heizung rinnt, weil halt in den Jahren zuvor nichts mehr dran gemacht worden ist, und da hatten wir einige Überraschungen. Simon Meggle

    Jetzt haben sie das Haus zu einem Schmuckstück gemacht. Die insgesamt acht Räume sind sehr groß. Einen Raum haben sie geteilt, damit die Kinder Lorena und Dominikus jeweils ihr eigenes Zimmer bekommen.

    Simon Meggle spielt gut Klavier. Er tritt bei Gartenpartys und Hochzeiten auf. Und jetzt hat er eine neue Aufgabe übernommen. Wenn Not am Mann ist, springt er als Organist bei Gottesdiensten ein. Schließlich hat er es vom Pfarrhaus ja nicht weit zur Kirche.

    © BR / Iris Tsakiridis

    Gwendolin und Simon Meggle in ihrem renovierten ehemaligen Pfarrhaus in Hochdorf

    In Pfarrkirchen werden aus einem Pfarrhaus drei Wohnungen

    In Pfarrkirchen im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn wurde 2016 ein Ableger der Hochschule Deggendorf gegründet. Der European Campus zieht viele Studierende an und sorgt selbst in der ländlichen Region für einen angespannten Wohnungsmarkt.

    Grund für den Pfarrverband, sich Gedanken um das leerstehende Pfarrhaus in Postmünster zu machen. Seit Mai wird das große Haus renoviert, bis Ende des Jahres entstehen drei abgeschlossene Wohnungen. Eine davon bekommt der Pfarrvikar, zwei Wohnungen werden bewusst für Familien gestaltet, sagt Pfarrer Dr. Wolfgang Schneider. Eigentümerin bleibt die Pfarrpfründestiftung Postmünster, die die Wohnungen vermietet. Auch das ist ein Modell, das Schule machen könnte.