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Pfarrer(in) gesucht! Evangelische Kirche hat Nachwuchsprobleme | BR24

© picture alliance / Klaus Nowottnick

Der Altar in Martin Luthers Taufkirche in Eisleben

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    Pfarrer(in) gesucht! Evangelische Kirche hat Nachwuchsprobleme

    Der Evangelischen Kirche droht ein Pfarrermangel. Offene Stellen können nicht neu besetzt werden, während die geburtenstarken Jahrgänge in Ruhestand gehen - ein Thema bei der Tagung des evangelischen Kirchenparlaments, der Landessynode, in Lindau.

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    In wenigen Tagen darf Alexander Heindel seine erste Predigt halten, in einem Seniorenheim in Hallbergmoos. Der 21-Jährige studiert Evangelische Theologie. "Ich bin in einer christlichen Familie aufgewachsen, war auch Leiter einer christlichen Jugendgruppe, habe so auch die Arbeit eines Pfarrers miterlebt und möchte deswegen Pfarrer werden." In den nächsten Wochen schnuppert der Praktikant in die Gemeindearbeit der Emmaus-Kirche hinein.

    Pfarrerinnen und Pfarrer fehlen!

    Junge Menschen wie Alexander werden von der Evangelischen Kirche in Bayern gerade verzweifelt gesucht: Denn schon heute fehlen Pfarrer und Pfarrerinnen. 2023 gehen die Babyboomer in den Ruhestand, insgesamt 114 Geistliche. "Wahrscheinlich werden wir nur ein Drittel derjenigen, die in Ruhestand gehen, ersetzen können durch Pfarrerinnen und Pfarrer, die jetzt aus dem Studium neu dazukommen", sagt Stefan Reimers, Personalchef bei der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern, "da entsteht schon eine ganz schön große Lücke."

    Der Pfarrer-Mangel ist auch eine Folge des gesellschaftlichen Wandels: Viele Christen distanzieren sich von der Institution Kirche, fühlen sich keiner Gemeinde verbunden, haben in der Kirche vielleicht Schlimmes erlebt, wie Missbrauch. Auch in der Emmaus-Kirche in Hallbergmoos macht man sich Gedanken über die Zukunft. Pfarrerin Juliane Fischer hat erlebt, wie abschreckend der Fulltime-Job Pfarrer wirken kann.

    "Generell glaube ich, dass diese Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit, Abendtermine, Feiertagsarbeit, am Wochenende arbeiten, 24 Stunden erreichbar sein, jüngere Leute überlegen lässt: Kann ich das leisten, will ich das? Wo ist da meine Work-Life-Balance?" Juliane Fischer, Pfarrerin in Hallbergmoos

    Der lange Weg schreckt ab

    Theologie-Student Alexander Heindel kennt noch andere Gründe für den Pfarrermangel: "Ich glaube, dass für viele das lange Studium mit den schweren Prüfungen abschreckend ist. Das ist auch ein sehr langer Weg von acht Jahren." Was tun? Im Evangelischen Landeskirchenamt arbeitet Personalchef Stefan Reimers gerade am Stellenplan der Zukunft.

    "Aufgrund leicht zurückgehender Mitgliederzahlen reduzieren sich wahrscheinlich auch die Stellen für Pfarrerinnen und Pfarrer und andere Berufsgruppen in unserer Landeskirche, so dass wir auch etwas weniger Mitarbeiter benötigen." Stefan Reimers, Evangelisches Landeskirchenamt

    Die Evangelische Kirche könnte also einfach abwarten, bis die Mitgliederzahlen und damit auch die finanziellen Mittel weiter zurückgehen, und weniger Personal gebraucht wird. Fraglich ist, ob diese Rechnung aufgeht. Deshalb wirbt die Kirche schon jetzt aktiv um Nachwuchs. Pfarrerin Juliane Fischer betreut regelmäßig Praktikanten: "Ich zeige ihnen, es ist zu schaffen. Es gibt die Möglichkeit für eine gute Work-Life-Balance", sagt Fischer, "der Job ist so sinnerfüllend, und wenn man mal mehr arbeitet, das bleibt in der Balance."

    Um den Beruf Pfarrer wieder attraktiv zu machen, plant die Landeskirche nun auch mehr Team-Arbeit: Pfarrer sollen mit Musikern, Pädagogen, Verwaltungskräften zusammenarbeiten und so entlastet werden.