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Petros Markaris ist zu Lesung extra aus Athen eingeflogen
© Toni Albir/dpa
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Petros Markaris ist zu Lesung extra aus Athen eingeflogen

Alle zwei Jahre steht Weiden in der Oberpfalz ganz im Zeichen des Buches, wenn die Literaturtage große Namen unter den Schriftstellern in die Stadt locken. Diese Woche ist es wieder soweit, noch bis Sonntag gibt es täglich mehrere Lesungen – fünfzig insgesamt, die ganze Woche über. Die Literaturtage sind heuer so politisch wie noch nie, sagen die Veranstalter. Gestern Abend war der griechische Autor Petros Markaris zu Gast – und tatsächlich drehte sich Vieles um Politik, aber auch um beste Krimi-Unterhaltung.

Er kam extra eingeflogen aus Athen – weil es ihm auch mit 82 Jahren noch Vergnügen bereitet, die Reaktionen auf seine Bücher direkt zu bekommen, sagt er vor vollem Haus in Weiden. Petros Markaris liest aus seinem Kriminalroman "Drei Grazien". Einmal mehr bedient er sich dabei der Form des Krimis, um gesellschaftliche Verhältnisse in Griechenland zu beschreiben: "In den letzten Jahren ist der Kriminalroman immer politischer geworden. Früher dagegen war es eher ein sozialer, ein Gesellschaftsroman. Erst, als die sozusagen 'normalen' Romane sich aus der Gesellschaftspolitik zurückgezogen haben, hat der Krimi diesen Platz eingenommen."

"Wir sind in Athen Zuzügler"

Dieses Mal geht es um die Hochschullandschaft in Griechenland, die unter der Finanzkrise leidet - ganz ohne Gewalt, dafür aber mit viel Humor und Ironie ermittelt Kommissar Kostas Charitos wieder. Eine Figur, die viele als Alter Ego von Petros Markaris beschreiben. Er selbst nennt zwar Parallelen auch zu seiner Familiengeschichte, aber ist der Kommissar wirklich ein alter Ego? Seine Antwort: "Nein! Wissen Sie, wir sind beide Zuzügler in Athen. Das ist unsere Gemeinsamkeit, und deshalb, würde ich sagen, haben wir denselben Blick auf Athen und die Athener Gesellschaft, und zwar einen humorvollen Blick, die Ironie."

Petros Markaris blickt ironisch auf Athen

Petros Markaris blickt ironisch auf Athen

Eine gute halbe Stunde liest der 82-Jährige das erste Kapitel aus "Drei Grazien" - aber auch ein Kapitel, in dem die typisch griechische Familienstruktur deutlich wird. Schon von den ersten Worten an hat er das Weidener Publikum in den Bann gezogen. Die Fragen des Publikums drehen sich dann aber fast nur um Politisches: Wie er Waffenimporte in die Türkei sieht, wie optimistisch er in die Zukunft Griechenlands blickt oder ob er einem jungen Menschen in Griechenland raten würde, zu bleiben, oder irgendwo in Europa Karriere zu machen.

Tendenz, Menschen durch Zahlen zu ersetzen

Petros Markaris sagt deutlich was er denkt, kommt zwischendurch auf den Brexit zu sprechen und verschont auch seine Landsleute in Griechenland nicht. "Wir haben große Fehler gemacht," sagt er. "Wir haben seit 2008 die Tendenz, die Menschen durch Zahlen zu ersetzen. Wir sagen, die Zahlen stimmen, es geht aufwärts, also geht es den Menschen gut. Das stimmt nicht! Das hängt damit zusammen, dass dieser Aufschwung an vielen vorbei geht, dass der Reichtum ungerecht verteilt ist." Und wie geht’s weiter mit Griechenland und vor allem Kommissar Kostas Charitos nach den drei Grazien? Petros Markaris: "Haben Sie ein bisschen Geduld. Es kann sein, dass ich Sie überrasche!"

Petros Markaris: Drei Grazien - Ein Fall für Kostas Charitos, Aus dem Neugriechischen von Michaela Prinzinger, Diogenes Verlag, 24 Euro

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Autoren

Margit Ringer

Sendung

kulturWelt vom 04.04.2019 - 08:30 Uhr