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Peter Simonischek in "Crescendo": Mit Musik für den Frieden | BR24

© Camino Filmverleih

"Crescendo #makemusicnotwar", der Titel ist Programm: Der Film ist inspiriert von Daniel Barenboim und dem West-Eastern Divan Orchestra, in dem Palästinenser und Israelis gemeinsam musizieren. Schon dabei zeigt sich, wie kompliziert der Dialog ist.

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Peter Simonischek in "Crescendo": Mit Musik für den Frieden

"Crescendo #makemusicnotwar", der Titel ist Programm: Der Film ist inspiriert von Daniel Barenboim und dem West-Eastern Divan Orchestra, in dem Palästinenser und Israelis gemeinsam musizieren. Schon dabei zeigt sich, wie kompliziert der Dialog ist.

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"Crescendo – #makemusicnotwar" ist ein Ensemblefilm. Peter Simonischek spielt einen Dirigenten, der israelische und palästinensische Musiker für ein Konzert zusammenbringen soll, begleitend zu politischen Friedensverhandlungen in den Bergen Südtirols.

Von "Toni Erdmann" zum Künstler mit Mission

Schon vor drei Jahren, bei seinem großen Auftritt als "Toni Erdmann", spielte Simonischek einen Musikpädagogen mit großem Interesse am Weltfrieden. In der Komödie, für die er den Europäischen Filmpreis gewann, will er seine Tochter, eine gnadenlose Unternehmensberaterin, auf den Weg der Menschlichkeit bringen, diesmal eben Jugendliche aus unterschiedlichen Kulturen. Eine Verbindung, die Simonischek selbst gar nicht aufgefallen ist: "Sie sind der erste, der diese Parallelität entdeckt", sagt der Schauspieler im Interview. "Ich habe mir darüber keine Gedanken gemacht. Ich gucke da nicht von außen drauf, ich denke einfach an einen Dirigenten, der offensichtlich ein bisschen ein Eigenbrötler ist."

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"Crescendo - #makemusicnotwar"

Peter Simonischek als Dirigent und Friedenscoach

Inspiration für "Crescendo", den Film des israelischen Regisseurs Dror Zahavi, bot die Karriere des argentinisch-israelischen Dirigenten Daniel Barenboim mit dessen West-Eastern Divan Orchestra. Die Vorwürfe, die im vergangenen Jahr von manchen Musikern an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin wegen Machtmissbrauchs und autoritären Führungsstils gegen Barenboim erhoben wurden, sind nicht direkt Thema des Films, aber Peter Simonischek bringt die besondere Macht eines Dirigenten natürlich zum Klingen: "Autorität gehört ja offensichtlich ganz deutlich zum Dirigentenberuf, aber Autorität und autoritär zu sein – das sind zwei verschiedene Paar Schuhe."

Peter Simonischek kennt Daniel Barenboim, etwa von den Salzburger Festspielen, aber über seine Rolle in "Crescendo" habe er mit ihm nicht gesprochen. Dafür mit einigen ehemaligen Mitgliedern des West-Eastern Divan Orchestra: "Die, die die Musik lieben und die Freiheit in der Musik, die sind aus dem Orchester wieder geflüchtet." Im israelisch-palästinensischen Orchester des Films kommt es wegen gegenseitiger Ressentiments immer wieder zu Unruhe. Peter Simonischek gibt als Dirigent den Friedenscoach.

Großartige Schauspieler, holprige Story

"Crescendo" besitzt durchaus berührende Szenen, bietet auch beklemmende Bilder vom Leben im Nahen Osten, driftet aber auch immer wieder ab in Richtung gut gemeinten humanistischen Kitsches. Manche Szenen wirken arg konstruiert, die Dramaturgie holpert bisweilen, dafür sind die Schauspieler großartig. Der moralische Zeigefinger wird gerne zu deutlich erhoben – der Film möchte ein Zeichen setzen pro Völkerverständigung: Wie lässt sie sich verwirklichen? "Ich stelle mir die Frage jeden Tag, aber natürlich nicht so explizit", so Peter Simonischek. "Jeden Tag werden Sie darauf gestoßen, das ist ja so. Ich meine – die Politik entfernt sich von der Kultur mit Riesenschritten. Und die Wahrheit ist in den letzten Jahren im öffentlichen Leben radikal auf der Strecke geblieben."

Simonischek erinnert daran, dass man sich inzwischen ganz offiziell seine "eigene Wahrheit" machen könne –wie die Beraterin von US-Präsident Trump, Kellyanne Conway, als sie 2017 von "alternativen Fakten" sprach. Doch wir seien alle mit schuld, sagt Simonischek, "weil wir weltweit, würde ich sagen, die Dummheit gefördert haben. Das haben wir in Kauf genommen – und plötzlich haben wir da so einen Präsidenten, in Amerika. Ich denke, zu einem gewissen Teil ist das auch eine Verantwortung der Künstler und der Medien."

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