Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

Zum 70. ein altersweises Album: Peter Maffay mit "Jetzt!" | BR24

© BR

Ein Album als Selbstgespräch: Mit 70 legt Peter Maffay "Jetzt!" vor und singt über die tausend Wege des Lebens, sein Vertrauen in Gott und seine Empörung gegenüber radikalen Demokratie-Verächtern. Seine altersweise Botschaft: "Lauf einfach weiter!"

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Zum 70. ein altersweises Album: Peter Maffay mit "Jetzt!"

Ein Album als Selbstgespräch: Mit 70 legt Peter Maffay "Jetzt!" vor und singt über die tausend Wege des Lebens, sein Vertrauen in Gott und seine Empörung gegenüber radikalen Demokratie-Verächtern. Seine Botschaft: "Lauf einfach weiter!"

Per Mail sharen
Teilen

Es ist gut, wenn du dich "gerade" machst und sagst, was du denkst! Ja, das macht dieser Peter Alexander Makkay nun schon über 50 Jahre. Eines dieser Jubiläen, die 'jetzt' anstehen. "Jetzt!", das ist der programmatische Titel einer Werkschau der besonderen Art. So viele Lieder über früher, so viele Stories über das 'Was wäre wenn'. Manches auf "Jetzt!" klingt wie Grönemeyer, manches nach Niedecken, aber Maffay war und ist nicht so nölig, nicht so kölsch, sondern bis hierher und jetzt eben der Maffay aus Kronstadt in Siebenbürgen: "Ich bin halber Ungar, mein Vater ist Ungar. Meine Mutter ist Siebenbürger Deutsche. Meine Vorfahren stammten aus dem Saarland, also eine Völkerwanderung: hin und her und hin und her und es ist gut, sich das mal zu vergegenwärtigen, damit sich etliche Positionen relativieren."

© Peter Kneffel/dpa

Offen und wahrhaftig: Peter Maffay schaut zurück auf seinem neuen Album "Jetzt!"

So schließt sich der Kreis

Maffay will das neue Album auch als eine Art Selbstgespräch verstanden wissen, als Dialog des älteren Sängers mit dem Kind, das er war: "Als wir an das Album ran gingen, habe ich mir gesagt: Im Grunde genommen ist diese Situation bezeichnend: ich gucke in ein Aquarium und erinnere mich, dass von damals, von Rumänien bis heute – wir sprechen ja über ein Jubiläum – tausend Wege nötig waren, um im 'Jetzt' anzukommen." Im Zwiegespräch mit seinem kindlichen Ich, erkläre er, "wo tausend Wege hinführen, nämlich nach 'Jetzt'. Und dann beginnt das Album mit dem Song 'Jetzt!'. Wenn wir die 1000 Wege abgelaufen sind, dann lande ich im Jetzt, dann beginnt das Album. Und das hört dann auf mit 'So schließt sich der Kreis', der Schlusspunkt von dem Album, zunächst mal. Warum? Da passiert ein Paradoxon. Ich sage: 'Ich lauf einfach weiter', weil nur so schließt sich für mich der Kreis."

© Peter Kneffel/dpa

Peter Maffay im Aufnahmestudio

Seit über 50 Jahren macht er das nun also: Er singt über sich und die Welt, wie er sie erlebt, zunächst als "Schlagerfuzzi", dann als Märchenerzähler von Tabaluga, einem Welterfolg, mit dem er Kinderhilfsprojekte in Rumänien finanziert und seit auch schon bald vierzig Jahren als Rocker, der in unmissverständlichem Deutsch all jenen die Leviten liest, die grölen: "Das Volk sind wir". Zum Beispiel auf dem Titel "Morgen", in dem es die Zeile gibt: 'Wollen wir wieder warten, bis der Morgen kommt?', erklärt Peter Maffay: "Legen wir wieder die Hände in den Schoß? Gucken wir zu, wenn wieder Hakenkreuze irgendwo passieren und Juden verfolgt werden? Gucken wir zu, wenn Tier abgehäutet werden? Gucken wir zu, wenn aus politischen Gründen, wenn aus energiepolitischen Gründen Kriege entfacht werden, und Konflikte entstehen? Gucken wir zu, wenn die kommende Generation ihre Lebensgrundlage verliert? Das sind so Dinge, die man irgendwie zwangsläufig als wichtig empfindet, um sie in einem Lied zu verpacken." Dem gegenüber stünde aber ein Lied über den Glauben: "Gott ist für mich eine Instanz, die mir hilft, meine Unzulänglichkeit in vielen Situationen irgendwie zu überwinden. Ein ganz, ganz persönlicher Aspekt, ein anderer bewältigt seine Situationen anders."

Maffay spricht im Interview genauso, wie er dann auch singt: Offen und ehrlich und wahr. Das ist auch auf der gefühlt fünfzigsten Platte so, die passend zum siebzigsten Geburtstag erscheint: "Jetzt!" – kriegt ihr alles von mir, singt er. Recht hat er mit diesen fünfzehn wirklich anrührenden und aufweckenden Songs: Was will man mehr ?

Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

Hörspiele, Krimis, Kinder-Angebote, Features, Dokumentationen, Gespräche und vieles mehr finden Sie in der ARD Audiothek.