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Peter Licht hält Schallplatte in die Kamera mit dem Cover seines neuen Albums

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    Peter Licht und sein neu(nt)es Album: "Beton & Ibuprofen"

    Darin ist PeterLicht unerreicht: Banalitäten und physikalische Gesetzmäßigkeiten wie Weisheiten klingen zu lassen. So etwas Profanes wie Ibuprofen ist dann eben viel mehr als eine Schmerzpille. Sein neues Album trägt den Titel: "Beton & Ibuprofen".

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    Von
    • Tobias Ruhland

    Darin ist PeterLicht unerreicht: Banalitäten und physikalische Gesetzmäßigkeiten wie Weisheiten klingen zu lassen. Und auch so etwas Profanes wie Ibuprofen ist dann eben auch viel mehr als eine Schmerzpille. "Ich hab das nicht nur an mir festgestellt, sondern an allen", sagt PeterLicht. "Ibu ist so das Mittel der Wahl. Und auch zu Zuständen, die nix dann mehr mit Ibuprofen zu tun haben. Da steckt dann auch so ne metaphysische Hoffnung dahinter, dass es irgendeine Lösung gibt, dass Zustände sich wieder auflösen, dass Verspannungen und Entzündungen wieder weggehen. So Verhärtungszustände – dass die sich auflösen."

    Ibuprofen als die Schmerzlösung für das Unausweichliche

    Beton und Ibuprofen sind bei Licht Antipoden. Ein Gegensatzpaar wie Liebe & Tod. Ibuprofen ist die Schmerzlösung für das Unausweichlich, für den Beton als Sinnbild für Härte und das Manifeste. Ursprünglich sollte das Album „Society of Depression“ heißen. Die Gesellschaft ist laut Licht an einer Depression erkrankt, ist ein erschöpftes Modell.

    "Dann kam der Lockdown so darübergestülpt, war ein sehr erstaunliches Ding, weil so was wie Kontaktsperre auch therapeutisches Mittel ist für jemanden, der in der Depression steckt oder Angstzustand, dass das der ganzen Gesellschaft verordnet wurde." Das ganze Album handele schon von Verletzlichkeit und die Selbstauflösung: "Die Gesellschaft und ich und meine Zustände und das mir abhandenkommen und die Gesellschaft kommt sich abhanden. Wie gehe ich damit um?", fragt PeterLicht.

    Peter Licht als Eso-Poet: persönlich, viel über sich selbst preisgebend

    So kannte man Peter Licht bisher nicht: als Eso-Poet, so nachdenklich, so persönlich, so viel über sich selbst preisgebend. In Lost Lost Lost World kommt er einem vor wie ein schwebender Lebender in einem Vakuum zwischen Leben und Tod, zwischen Beton und Ibuprofen. So ganz klar ist erst mal nicht, ob die Gesellschaft und ob er, Licht, selbiges am Ende des Depressionstunnels erreicht. PeterLicht gibt jedenfalls Gas.

    Der Depression immer einen Schritt oder besser: einen Tritt voraus sein im Song "e-Scooter Deine Liebe". Das fröhlichste, lichttypischste Lied des Albums. Und auch der Song "Die Technik wird uns retten" knüpft an die Leichtigkeit und den Sonnendeck-Sound früherer Jahre an.

    Wie unterwegs in einem autonom fahrenden Auto

    "Der Text, das Original, hab ich ein paar Zeilen abgeschrieben aus einem euphorischem Buch, ein amerikanisches Buch über neue Medien und wo jemand schreibt, wie sich das anfühlt, wenn man in so einem autonom fahrenden Auto unterwegs ist", erzählt PeterLicht. Das war so euphorisch und so toll, da dachte ich, das ist schon Poesie, das ist schon ein Songtext. Das fahrerlose Fahrzeug, man fährt so sicher und fühlt sich so geborgen. Wie in einem Mutterschoß."

    Physikalische Gesetzmäßigkeiten wie Weisheiten klingen lassen

    Peter Licht hat neuerdings eine Gastprofessur am Literaturinstitut in Leipzig zum Thema "Sound und Sprache". Vielleicht ja erst der Anfang seiner Universitäts-Karriere. Denn auf dem neuen Album stellt er nicht nur kluge Fragen, sondern die Gesetze der Optik in ein interessantes Licht. 100 Mal grau ist einmal schwarz singt er da zu Beispiel. Der Kölner Literaturpopper mag sich derzeit zwar sehr verletzlich fühlen, aber er ist eben auch sehr verlässlich, wenn es darum geht, Banalitäten und physikalische Gesetzmäßigkeiten wie Weisheiten klingen zu lassen.

    100 Mal grau übereinandergelegt – irgendwann wird das dann schwarz. In dem grauen Zustand, in dem wir sind, zusammenfinden. Wenn dann alle zusammen schwarz werden, wird das schon auch wieder hell oder so, weil man sich gemeinsam in diesem Schwarz zusammenfindet.

    Das Album "Beton & Ibuprofen" von PeterLicht ist bei Tapete erschienen.

    © Label Tapete
    Bildrechte: Label Tapete

    Album "Beton & Ibuprofen" von PeterLicht

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