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Peter Handke: Nobelpreis für einen polarisierenden Dichter | BR24

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Den Literaturnobelpreis solle man abschaffen, sagte Peter Handke mal. Nun wurde der österreichische Schriftsteller selbst ausgezeichnet. Handke hat Kultbücher verfasst, für seine Haltung im Jugoslawienkrieg wurde er aber auch scharf kritisiert.

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Peter Handke: Nobelpreis für einen polarisierenden Dichter

Den Literaturnobelpreis solle man abschaffen, sagte Peter Handke mal. Nun wurde der österreichische Schriftsteller selbst ausgezeichnet. Handke hat Kultbücher verfasst, für seine Haltung im Jugoslawienkrieg wurde er aber auch scharf kritisiert.

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Im Herbst 2014 gab Peter Handke der österreichischen Nachrichtenagentur APA ein Interview: Den Literaturnobelpreis mit seiner "falschen Kanonisierung" lehnte der Schriftsteller darin ab, forderte gar seine Abschaffung. Und nun bekommt Handke, einer der bekanntesten deutschsprachigen Dichter der Nachkriegszeit, selbst den Literaturnobelpreis 2019. Der 76-jährige Autor, 1942 in einem kleinen Ort in Kärnten geboren, werde für sein "einflussreiches Werk" ausgezeichnet, das mit "sprachlicher Genialität die Peripherie und die Spezifität der menschlichen Erfahrung untersucht", begründet die Jury der Schwedischen Akademie ihre Entscheidung.

Mit Handke wählte die Jury einen Dichter, der in den 60er-Jahren zum Popstar der Literatur wurde und seit Jahrzehnten stark polarisiert. Zum einen mit seinen Werken mit ihrem unverwechselbaren schnörkellosen Ton zum anderen mit seiner Parteinahme für Serbien im Jugoslawienkrieg: Er verurteilte die Nato für ihre Luftschläge und hielt 2006 bei der Beerdigung des jugoslawischen Ex-Diktators Slobodan Milošević eine Rede.

Popstar der Literatur

Peter Handke war von Beginn an im Anecken groß: Jede Art der Anpassung war ihm fremd. 1966 sorgte der junge Schriftsteller, der mit seiner Pilzkopf-Frisur an die Beatles erinnerte, in der erlauchten Runde der Gruppe 47 für Aufsehen. Er attestierte seinen älteren Kollegen die "Beschreibungsimpotenz".

Im gleichen Jahr machte er mit seinem Theaterstück "Publikumsbeschimpfung" Schlagzeilen. Darin kommt zur Sprache, was den Dichter jahrzehntelang nicht loslässt: Die Selbstreflexion des Schreibenden, seine Blockaden und unendlichen Selbstzweifel, die immer wieder in teils wüste Selbstbehauptungen umschlagen. Darin heißt es: "Man ist immer dabei, das, was man erlebt hat, zu verraten, indem man es beschreibt. Das ist das Problem des Schreibens überhaupt: dass man das verrät, was man erlebt hat."

Dem in Frankfurt am Main inszenierten Stück folgte noch im gleichen Jahr der erste Roman bei Suhrkamp: "Die Hornissen". Mit diesen drei Auftritten schaffte er es, zum Popstar zu werden.

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Ein großer Literat aus dem Nachbarland Österreich darf heute feiern: Der Dramatiker Peter Handke bekommt den Literaturnobelpreis 2019. Preisträgerin für 2018 ist die polnische Autorin Olga Tokarczuk.

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Der Literaturnobelpreis geht an den österreichischen Schriftsteller Peter Handke. Der Literaturnobelpreis 2018 geht an die polnische Schriftstellerin Olga To-'karczuk.

Handke erschrieb sich große Fangemeinde

Handke blieb auch in den 70er-Jahren so präsent wie kein Autor sonst. Sein Krimi "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" von 1970 wurde von Wim Wenders verfilmt und machte den Dichter auch über die literarischen Kreise hinaus bekannt. Die großartige Liebesgeschichte "Der kurze Brief zum langen Abschied" von 1972 und die im gleichen Jahr erschienene Erzählung "Wunschloses Unglück" über den Suizid seiner Mutter brachten ihm eine große Fangemeinde. Es folgten Kultbücher wie "Das Gewicht der Welt" und "Langsame Heimkehr".

Kaum ein Preis der deutschsprachigen Literatur, mit dem Handke nicht ausgezeichnet wurde: 1972 bekam er den Schillerpreis der Stadt Mannheim, 1973 den Georg Büchner Preis 1987 den Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur.

In den 80er-Jahren wurde es ruhiger um den Schriftsteller. Peter Handke zog sich mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Statt selbst zu schreiben, verlegte er sich immer öfter aufs Übersetzen, insbesondere von bis dahin unbekannten slowenische Autoren: Die Familie seiner Mutter gehört zur slowenischen Minderheit in Österreich. Seinen Lebensmittelpunkt verlegte Handke Anfang der 90er-Jahre nach Paris.

Abstand vom Schreiben

In den vergangenen Jahren wurde für den Dichter sein zweites, bisher verborgenes Talent immer wichtiger, das Zeichnen. "Zeichnen kommt mir gesünder vor als Schreiben. Im Schreiben weiß ich nicht, wohin mich das führt. Im Zeichnen bin ich mitten in der Gegenwart", sagte Handke in einem Interview mit dem BR.

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Der 76-jährige pries die Entscheidung der Schwedischen Akademie als "mutig". Handke war Mitte der 90er Jahre scharf kritisiert worden, als er in seinen Schriften während des jugoslawischen Bürgerkriegs Partei für Serbien

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