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Gegen den NS-Staat: Vor 75 Jahren starb Pater Rupert Mayer | BR24

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Heute vor 75 Jahren, am 1. November 1945, starb der Münchner Widerstandskämpfer Pater Rupert Mayer. Er hatte schon früh in seinen Predigten vor den Gefahren des Nationalsozialismus gewarnt. Sein Grab ist bis heute ein beliebter Wallfahrtsort.

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Gegen den NS-Staat: Vor 75 Jahren starb Pater Rupert Mayer

Der "Apostel Münchens" Rupert Mayer kämpfte früh gegen die Nationalsozialisten. Am 1. November 1945 starb Pater Rupert Mayer mitten in der Allerheiligenmesse. Noch immer spricht seine Botschaft viele an. Zur Heiligsprechung aber fehlt das Wunder.

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Von
  • Astrid Uhr

"Ich habe nie geschwiegen, wo ich reden sollte, und nie geredet, wo ich schweigen sollte." Diese Worte bekam Rupert Mayer zu seiner Priester-Weihe als Leitwort mit auf den Weg - sie sollten sein Leben bestimmen: Schon früh erkannte der Münchner Priester die Gefahren des aufsteigenden Nationalsozialismus und warnte seine Gläubigen, wie der Jesuitenpater Peter Linster, Kirchenrektor der Bürgersaalkirche München erklärt. Für Rupert Mayer sei klar gewesen, dass ein Katholik nicht NSDAP wählen könne. "Er war ein Mann des klaren Wortes, der Entschiedenheit."

Rupert Mayer war der erste Arbeiterpriester in Deutschland, engagierte sich für Arme und Schwache und kämpfte schon früh gegen die Nationalsozialisten. Vor 75 Jahren am 1. November 1945 starb Pater Rupert Mayer an einem Gehirnschlag. Er hielt gerade die Messe zu Allerheiligen in der Münchner Michaelskirche. Sein Grab, in der benachbarten Bürgersaalkirche in der Münchner Innenstadt, ist ein viel besuchter Wallfahrtsort.

Seelsorger und Wohltäter zugleich

Ursprünglich war das ein Versammlungsraum der "Marianischen Männer-Kongregation", also: Katholische Männer, die besonders Maria verehren. Für diese - viele von ihnen verletzte Heimkehrer aus dem 1. Weltkrieg - war Rupert Mayer Seelsorger und Wohltäter zugleich. Obwohl er selbst im Krieg als Militärgeistlicher ein Bein verloren hatte, feierte er täglich Gottesdienst, hörte bis zu 60 Beicht-Gespräche und schlief nur sehr wenig. Pater Rupert Mayer sei für die Münchner der Apostel Münchens, sagt der Jesuitenpater Peter Linster. Sie hätten gewusst: "Zu ihm kann ich gehen, er hat für mich sowohl in meinen materiellen Nöten immer etwas bereit, und wenn er nichts mehr hatte, hatte er immer noch ein gutes Wort."

Kein Märtyrertod für den "Großstadt-Apostel"

Sein entschiedenes Auftreten gegen den Nationalsozialismus wird ihm später zum Verhängnis: Nach mehrmaligen Verhaftungen durch die Gestapo wird er im November 1939 im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert, erkrankt schwer. Um den "Großstadt-Apostel" Münchens nicht als Märtyrer sterben zu lassen, schicken ihn die Nazis in die Verbannung ins Kloster Ettal. Nach dem Zweiten Weltkrieg stirbt Rupert Mayer an Allerheiligen in der Münchner Michaelskirche, während der Predigt an einem Schlaganfall.

Für München ist Rupert Mayer schon jetzt so prägend wie ein "Stadtheiliger". Sein Vorbild der Nächstenliebe wirkt weiter: Im Hof hinter der Bürgersaal-Kirche bietet der Jesuiten-Orden eine Armenspeisung an. 30 bis 60 Bedürftige kommen werktags her.

Für Heiligsprechung fehlt das medizinische Wunder

Auch die Münchner Jesuiten pflegen sein Gedenken, und wünschen sich die Heiligsprechung Rupert Mayers. Dazu allerdings fehlt noch ein medizinisches Wunder: Eine geheilte Person müsste offiziell, mit ärztlichen Nachweis, bestätigen, dass sie oder er auf die Fürbitte zu Rupert Mayer hin geheilt wurde.

Das Grab von Rupert Mayer ist schon jetzt für viele Gläubige eine Wallfahrtsstätte, ein Ort der Ruhe und des Gebets mitten im Münchner Stadtzentrum. Auch Christiane Michel hält hin und wieder am Grab des Widerstandskämpfers inne. Die 67-Jährige begleitet ehrenamtlich todkranke Menschen im Hospiz, deswegen kommt sie regelmäßig zum Gebet. Und für viele, die hier auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen kurz vorbeischauen, gilt der Jesuitenpater schon jetzt als persönlicher Heiliger - unabhängig davon, was Rom sagt.

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