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Pater Korbinian erzählt von der Zeit auf dem Kreuzberg in der Rhön.

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Pater Korbinian, der neue Guardian auf dem Kreuzberg

Seit Oktober 2020 ist Bruder Korbinian Klinger der neue Hausobere im Franziskaner-Kloster Kreuzberg in der Rhön. Er erlebt den Heiligen Berg der Franken so beschaulich, wie ihn kaum einer kennt. Denn noch bleiben Pilger und Wallfahrergruppen aus.

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Von
  • Thomas Hauswald

Nach 10 Jahren im Noviziatskloster der Franziskaner in Rheda-Wiedenbrück und einer ebenso langen Zeit als Seelsorger in der Haunerschen Kinderklinik in München stelllte sich der gebürtige Oberbayer auf eine lebhafte Zeit als Wallfahrtsseelsorger auf dem Kreuzberg ein. Doch die zweite und dritte Welle von Corona veränderten alles: Klosterschänke und Biergarten sind geschlossen, noch sind keine Wallfahrten sind angemeldet. Pater Korbinian feiert zwar täglich Gottesdienst, aber es kommen nur wenige Gäste. Zu abgelegen liegt das Kloster auf 850 Meter Höhe.

Der Pater sieht die Situation als Herausforderung: "Wir sind hier auf dem Berg, deshalb sehe ich meine Aufgabe darin, den Menschen im Tal auch in Corona-Zeiten zu signalisieren: Wir sind hier nicht auf dem Berg abgehoben, sondern wir möchten gern euer Leben teilen und an euren Sorgen und Nöten Anteil haben."

Den Kreuzberg spirituell erfahren

Bruder Korbinian Klinger versucht, der Einsamkeit im Kloster Kreuzberg etwas Gutes abzugewinnen. Fast täglich wandert er von der Lourdes-Grotte auf immer neuen Wegen zum Gipfel des Kreuzbergs. Für ihn ist es jedes Mal eine spirituelle Erfahrung: "Den Kreuzberg zu erleben, das geht eigentlich nur, indem man ihn geht. Ihn immer wieder angeht, von unten hinaufgeht, seine verschiedenen Wege und in spiritueller Verbindung mit den Wallfahrerinnen und Wallfahrern, die hier auch raufgehen und den Rosenkranz beten." Dieser Berg brauche Sensibilität und Achtung. Man gehe nicht einfach hin, fahre hoch und sei da, sondern er müsse erobert werden, sagt Pater Korbinian - erobert im friedlichen Sinne.

Signale der Offenheit vom Kloster aus

Auf dem Gipfel des Kreuzbergs sammelt Bruder Korbinian ein, was die Wanderer hinterlassen haben. Teebeutel, Taschentücher, Brotzeitreste. Zigarettenstummeln. In der Bewahrung der Schöpfung spürt der Mönch etwas zutiefst Franziskanisches. Er pflegt den heiligen Berg, er soll ein würdiger Ort sein. Vom Gipfel sendet Bruder Korbinian seine Signale in die Welt. Öffentlich bekennt er sich durch das Hissen der Regenbogenflagge zur Segnung von homosexuellen Paaren und er tritt auch dafür ein, dass Frauen Zugang zu Ämtern in der Kirche erhalten.

Fürbitten der Wanderer

Der Franziskaner möchte gerne sichtbar sein im Kloster auf dem Heiligen Berg der Franken und ansprechbar - auch in Zeiten von Corona. Dafür hat er in der Wallfahrtskirche eine Schachtel aufgestellt, in die Wanderer ihre Gebetsanliegen hineinlegen können. Jeden Sonntag verliest Bruder Korbinian die Bitten im Gottesdienst. Noch lieber ist es ihm, wenn die Menschen direkt auf ihn zugehen und er mit ihnen ins Gespräch kommt.

Mehrmals die Woche hilft der Pater im Tal

Weil derzeit so wenige Menschen auf den Kreuzberg kommen, fährt Bruder Korbinian zu den Menschen. Mehrmals in der Woche hilft der gelernte Altenpfleger im nahegelegenen Bischofsheim an der Covid-19-Teststrecke. Dort trägt er auch nicht seinen Habit, seine Ordenstracht, sondern normale Alltagskleidung. Das Engagement will er so lange beibehalten, bis das Leben im Kloster wieder losgeht und er in der Teststrecke nicht mehr gebraucht wird.

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