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Patchwork zur Primetime: Die neue ARD-Serie "Bonusfamilie" | BR24

© BR/Sammy Hart

"Die Bonusfamilie": Neue Mini-Serie im Ersten

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    Patchwork zur Primetime: Die neue ARD-Serie "Bonusfamilie"

    Die "Bonusfamilie", eine neue Mini-Serie der ARD, führt ins schräge Glück einer Patchworkfamilie, jede Menge Chaos inklusive. Alle sechs Folgen gibt es jetzt schon in der Mediathek – und auf Netflix gibt's ein Pendant.

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    "Wir müssen es einfach gebacken kriegen, dass wir eine Familie werden", sagt Lisa und schlägt ihrem neuen Partner Patrick vor, zusammen mit ihren beiden Ex-Partner*innen den zehnten Geburtstag ihrer beiden Söhne zu feiern.

    William und Eddie haben nämlich zufällig am selben Tag Geburtstag – und das ist wohl auch so ungefähr das Einzige, was die beiden gemeinsam haben. Der eine, Patricks Sohn William, wünscht sich ein Poloshirt, ein englisches Buch und ein magnetisches Schachbrett. Der andere, Lisas Eddie, das Computerspiel "Kadaver Killer". Schon die Wunschzettel machen in den ersten drei Minuten der neuen ARD-Serie klar: Hier haben wir es mit einem geleckten kleinen Streber und einem ungestümen Rowdy zu tun – vorderhand, das wird sich im Laufe der sechs Folgen von "Bonusfamilie" gewiss noch ändern. Einfach ist Lisas Plan, zu einer Familie zusammenzuwachsen, auf jeden Fall nicht.

    © BR/good friends Filmproduktion/MDR/SWR/Oliver Vaccaro

    William (Levis Kachel) beobachtet seine neue Bonusfamilie skeptisch.

    Adaption einer schwedischen Serie

    Bei "Bonusfamilie" handelt es sich um die Adaption der schwedischen Serie "Die Patchworkfamilie", die auf Netflix sehr erfolgreich von den Katastrophen einer Patchworkfamilie und den emotionalen Achterbahnfahrten aller Beteiligten beim Zusammenwachsen erzählt. Das sind im schwedischen Original wie auch bei "Bonusfamilie" neben Lisa, Patrick und den beiden 10-jährigen Jungs noch Lisas Ex Martin, ihre gemeinsame 18-jährige Tochter Bianca, sowie Katja, die Exfrau von Patrick.

    Martin und Katja haben es aus den verschiedensten Gründen noch nicht wieder zu einer stabilen neuen Beziehung gebracht und sind ziemlich gereizt von den etwas harmoniesüchtigen Zusammenführungs-Aktionen Lisas. Die hat allerdings ein sehr vitales Interesse am Gelingen des Projekts Bonusfamilie: Sie bekommt mit Patrick ein Kind.

    Die Patchwork-Figuren im Spiegel der Schauspieler*innen

    Anne Schäfer spielt Katja, eine erfolgreiche Architektin. Schäfer kommt selbst aus einer Patchworkfamilie und weiß, was da so abgehen kann. Allerdings sei sie ziemlich spontan und emotional und damit ziemlich verschieden von ihrer Serienfigur Katja: "Sie ist eine sehr disziplinierte Person, die immer alles gern im Griff hat und in Schubladen einsortiert. Sie mag nicht so gerne Gefühle haben, dabei ist sie wahrscheinlich in Wirklichkeit hochsensibel, aber davon will sie selber nichts wissen", sagt Schäfer.

    © BR/good friends Filmproduktion/MDR/SWR/Oliver Vaccaro

    Bonusfamilie: von links: Lisa (Inez Bjørg David), Patrick (Lucas Prisor), Martin (Steve Windolf) und Katja (Anna Schäfer).

    Nach Zahlen des Bundesministeriums für Familie, Senioren und Frauen, sind nur rund 13 Prozent der Familien in Deutschland Patchworkfamilien, gefühlt aber sind es weit mehr – vor allem in den Großstädten. Inez Bjørg David, die die Rolle der Lisa in der "Bonusfamilie" spielt, meint im Interview "Gefühlt lebt ja in Berlin jeder in einer Patchwork-Familie". Und gefühlt bringt die "Bonusfamilie" auch alles auf den Punkt, was in Patchwork- oder Bonuskonstellationen gewöhnlich so abgeht: Die einen haben permanent ein schlechtes Gewissen ihren Kindern gegenüber, andere fühlen sich vor allem als Opfer, die "nach der Trennung die Arschkarte gezogen" haben, wie Steve Windolf über seine Rolle als Martin drastisch sagt.

    Grenzen der Einflussnahme

    Alle müssen sich daran gewöhnen, dass sie sich jetzt permanent gleich mit mindestens vier Erwachsenen und fremden Kindern auseinandersetzen müssen. Da kommt jeder an seine Grenzen, was vor allem Lisa große Probleme macht. Denn sie "denkt, dass sie der Kleber sein muss, der alles zusammenhält", wie Inez Bjørg David sagt. "Und irgendwie ist sie das ja auch. Aber auf der anderen Seite sind da vier erwachsene Leute und drei Kinder und jeder hat seine eigene Meinung und seine eigenen Wünsche, schließlich seine eigenen Erfahrungen in diesem ganzen Patchwork. Und das kann sie gar nicht so beeinflussen, wie sie möchte."

    In lakonischen Dialogen werden in "Bonusfamilie" die Phasen der Verzweiflung aller Beteiligten aufgefangen, so dass die Serie gemessen an den Beziehungsproblemen, die sie verhandelt, erstaunlich humorvoll, leicht und heiter gerät. Selbst der gemeine böse Ex wird hier zur liebenswerten Figur.

    Alle sechs Folgen von "Bonusfamilie" sind jetzt schon in der ARD-Mediathek verfügbar, im Ersten laufen sie ab dem 20. November in drei Doppelfolgen, jeweils ab 20.15 Uhr.

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