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Jean-Michel Jarre ist eine Legende der elektronischen Musik. Für Silvester hat er ein besonderes Konzert geplant. Als Avatar bespielt er einen außergewöhnlichen Ort.

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Paris, Berlin, New York: Drei außergewöhnliche Silvesterkonzerte

Ein Elektronikpionier bespielt die Kathedrale von Notre Dame, zumindest virtuell. Vier Opern-Stars kommen aus den USA auf eine kleine deutsche Bühne. Und ein Orchester solidarisiert sich. Drei Silvesterkonzerte, die mehr sind als nur ein Stream.

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Von
  • Sabine Wachs
  • Maria Ossowski
  • Thomas Pösl

1. Jean-Michel Jarre als Avatar-DJ in Notre Dame

Jean-Michel Jarre in der Kathedrale Notre Dame. Mitten im großen Kirchenschiff steht der Pionier der elektronischen Musik, die Kamera fliegt durch den in blau, grün und rot ausgeleuchteten Innenraum, vorbei an unzähligen, pompösen Kronleuchtern. Darunter: Jean-Michel Jarre am Synthesizer. Ein Vorgeschmack auf sein virtuelles Silvesterkonzert in der Pariser Kathedrale. Den Trailer dazu gibt's schon jetzt im Netz.

"Ich werde in meinem Pariser Studio sein und von dort live senden. Wir haben ein 3D-Modell von Notre Dame," sagt Jarre. "Und ich werde mit meinem Avatar in dem Modell stehen, ein bisschen wie im Film Matrix. Dazu haben wir auch ein Modell der berühmten Fassade von Notre Dame, das immer wieder zu sehen sein wird."

Virtuell hautnah dabei

Zusammen mit Jarre arbeiten rund 150 Personen seit mehr als drei Monaten an dem Projekt. In Notre Dame aufzutreten, wenn auch nur in einem 3D-Modell, ist selbst für einen Elektro-Pop-Pionier wie Jarre etwas Besonderes, gerade nach dem verheerenden Brand im Jahr 2019: "Die beste Art und Weise, Notre Dame nach dem schrecklichen Brand zu feiern, ist mit den Mitteln unserer Zeit. Mit der virtuellen Realität", sagt Jarre. An diese digitale Realität habe man sich ja während der Pandemie ohnehin schon etwas gewöhnt.

Virtuell dagegen wird es möglich sein, Jean-Michel Jarres Avatar live in Notre Dame zu erleben. Jeder, der eine VR-Brille besitzt, kann sich in das Konzert schalten. Aber auch in 2D können Menschen auf der ganzen Welt dabei sein, über einen Stream auf der Website des Künstlers. Der Titel der Veranstaltung ist dabei Programm: "Welcome to the other Side".

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Ganz klein und gelb – der DJ Avatar Jean-Michel Jarres in dem virtuellen Modell Notre Dames.

2. Berliner Philharmoniker legen Schwerpunkt auf Spanien und Südamerika

Sonne, Spanien, Südamerika. Das klingt eigentlich heiter, nach Aufbruch, nach Sommer-Glück. In diesem Jahr will das traditionelle Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker mit diesen Begriffen an etwas anderes gemahnen. So erinnert Chefdirigent Kirill Petrenko, dass gerade in jener Zeit, in der Spanien oder auch Südamerika vom Virus so gebeutelt waren und sind, die Stimmung melancholischer geraten könnte.

"Dieses Silvesterkonzert wird ein bisschen anders, nachdenklicher. Es ist wichtig, dass man ein bisschen Sensibilität zeigt. Es werden ein paar tristere Töne zu hören sein, als wir das immer beim Silvesterkonzert gewohnt sind." Dazu gehört unter anderem das "Concierto di Aranjuez" von Joaquín Rodrigo mit dem Stargitarristen Pablo Sáinz Villegas.

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Die Berliner Philharmoniker unter Kirill Petrenko.

Das Lamentoso zum Jahr

Im Jahr 2020 assoziiert Geiger und Orchestersprecher Stanley Dodds mit diesem Werk den ersten Lockdown: "Da erlebten wir einen großen Schock, Hoffnungslosigkeit und Trauer. Wenn wir das Gitarrenkonzert von Rodrigo spielen, – besonders den zweiten Satz, das Lamentoso, das Klagen – da glaube ich: Mehr kann man über die Trauer in diesem Jahr nicht sagen, als in diesem Satz zum Ausdruck kommt."

Den musikalischen Auftakt übernimmt allerdings der Jubilar des Jahres: Zu seinem 250. Geburtstag wird Beethovens Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 erklingen. Um 18:35 Uhr beginnt auf ARTE die Übertragung des Silvesterkonzerts aus der Berliner Philharmonie.

© Sonya Garza, Gregor Hohenberg, Metropolitan Opera
Bildrechte: Sonya Garza, Gregor Hohenberg, Metropolitan Opera

Vier Opernstars aus New York kommen für eine Silvestergala nach Augsburg.

3. Met Stars singen aus Augsburg

Vier Stars der Metropolitan Opera New York hat es für eine Silvestergala ins Parktheater des Kurhauses Göggingen verschlagen. Die Sopranistinnen Angel Blue und Pretty Yende und die Tenöre Javier Camarena und Matthew Polenzani. Von hier aus singen sie im Live-Stream für Zuschauer in aller Welt: italienische Opernhits von Donizetti bis Puccini.

Zu der außergewöhnlichen Produktion kam es, weil auch in den USA die Opernhäuser geschlossen sind. Deshalb schuf die New Yorker Metropolitan Opera eine Konzertreihe, die gegen Tickets live im Internet übertragen wird: "Met Stars Live in Concert". Hierfür suchte das Opernhaus international nach spektakulären, kleinen Spielorten wie etwa dem Augsburger Parktheater.

Jede Nuance der Oper fühlen

"Ich liebe das Parktheater, es ist schön hier", sagt Angel Blue bei den Proben. "Als Opernsängerinnen treten wir ständig in diesen großen Opernhäusern auf. Und natürlich ist die Metropolitan Opera die größte für uns Opernsänger." Aber wenn sie an Orten wie hier im Parktheater singen könne, dann sei das etwas Besonderes, weil man jede Nuance des Opernsounds fühle. Zu sehen und hören ist die New Yorker Oper aus dem Parktheater Augsburg am Silvesterabend live ab 22 Uhr auf der Webseite der Metropolitan Opera.

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