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Die Paramenten-Desginerin Beate Baberske
© BR/Sabine Barth
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Die Paramenten-Desginerin Beate Baberske

Jeden Tag mit Farben, Formen und unterschiedlichsten Stoffen experimentieren dürfen – was wie ein Mädchentraum klingt, ist für Beate Baberske der berufliche Alltag: Sie ist die künstlerische Leiterin der Paramenten-Werkstatt der Diakonie Neuendettelsau. Dabei war sie anfänglich noch nicht einmal getauft.

Neongelb trifft Weiß

Paramente werden die Textilien genannt, die besondere Orte im Kirchenraum betonen. Farbe im Raum, sagt die Textildesignerin, kann den Raum komplett umdrehen, kann ein Raumgefühl völlig verändern. Deswegen leuchten die Paramente zu bestimmten Zeiten im Kirchenjahr auch in unterschiedlichen Farben. Diese Zuordnung von Farben zu den Zeiten und Festen des Kirchenjahrs ist Jahrhunderte alt. Ostern beispielsweise werden die violetten Kirchentextilien der Passionszeit gegen weiße ausgetauscht: Christus ist das Licht – die Auferstehung als Farbenspiel.

Beate Baberskes Entwürfe wollen so konkret wie nötig und doch so offen wie möglich für individuelle Assoziationen sein. Farbwirkung als Glaubenserlebnis: Paramente sollen im Gottesdienst die "Verbindung von Himmel und Erde" unterstützen, wie es Pfarrer Wilhelm Löhe, der Gründer der Diakonissenanstalt Neuendettelsau, formulierte. Dafür näht Beate Baberske beispielsweise leuchtend neongelbe Strahlen auf weißen Stoff. Baberske ist für ihr modernes Design bekannt, ihr Credo: Mit der Farbwirkung der Paramente kann man Menschen erreichen, ohne groß Worte machen zu müssen.

Den Heiligen Geist auf Stoff gebannt

Gestalterisch "erlaubt" ist bei den Kirchentextilen alles, was diesem Anliegen dient, trotzdem sind neue Ideen in der Paramentik auch für Beate Baberske immer eine Gratwanderung. Oft sind mehrere Treffen mit der Gemeinde notwendig, um das Passende für eine Kirche zu entwickeln. Pfingsten, sagt Baberske, sei immer das schwierigste Thema bei der Gestaltung von Paramenten: "Weil der Heilige Geist etwas ist, was man nicht greifen und auch nicht darstellen kann. Und man ist als Künstler immer auf der Suche nach etwas, was dieses Unfassbare einfängt." Beate Baberske überzeugte die Gemeinde schließlich mit einem kräftig rot-schwarz strahlenden Farbenspiel: "Alle, die diesen Entwurf gesehen haben, sagten: Wow, das ist der Geist, der da eingefangen ist! Da ist das Feuer, das brennt, das ist wie Glut im Feuer."

Textile Installationen im Kirchenraum

Beate Baberske hat die Arbeit mit den Paramenten tief berührt. Als sie in der Paramenten-Werkstatt anfing, war sie kein Kirchenmitglied. Inzwischen hat sie sich taufen lassen, Glaube und Theologie sind heute ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Mit textilen Installationen im Kirchenraum, die weit über die Gestaltung von Paramenten hinausgehen, möchte sie die Menschen noch direkter erreichen, sagt sie: "Ich möchte, dass sich die Menschen abgeholt fühlen im Kirchenraum, durch eine Farbstimmung, durch ein Spiel mit Stoffen, dass sozusagen etwas in den Menschen passiert, auch ohne dass Worte gesprochen werden."