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Das bayerische Kabinett hat heute weitere Corona-Hilfen für Kulturschaffende beschlossen. Bayern übernimmt das Solo-Selbstständigen-Programm von Baden-Württemberg. Auch Theater und Kinos erhalten Unterstützung.

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Pandemie: Freistaat will Kultur mit 370 Millionen Euro fördern

5.000 Stipendien für Berufsanfänger, weitere Förderung für Kinos und andere Spielstätten, weitere Unterstützung für Solo-Selbstständige in Kunst und Kultur: Die Bayerische Staatsregierung hat ein Hilfspaket "bis zum Ende der Pandemie" geschnürt.

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Von
  • Peter Jungblut

Besonders Berufseinsteiger in der Veranstaltungs-Branche haben es zurzeit schwer: Überall Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit, fast nirgendwo eine kurzfristige Perspektive. Deshalb will die Bayerische Staatsregierung jetzt 5.000 Stipendien für junge Leute in Kunst und Kultur einrichten, dotiert mit jeweils 5.000 Euro. Die Auszahlung soll ab 1. Januar 2021 beginnen. Bedingung für die Antragsteller: Sie dürfen ihre Berufsausbildung vor maximal fünf Jahren abgeschlossen haben. Kindererziehungszeiten sollen allerdings angerechnet werden.

Bis zu 1.180 Euro Unternehmerlohn

Solo-Selbstständige, die ein erstes Hilfsprogramm, das Ende September auslief, kaum angenommen hatten, sollen jetzt ein "völlig neues" Unterstützungs-Angebot nach baden-württembergischen Vorbild bekommen. Antragsberechtigt sind dort auch Bühnentechniker und ähnliche Berufe. Es wird ein monatlicher Unternehmerlohn bis zu 1180 Euro zugrunde gelegt. Und anders als im Frühjahr soll die neue Förderung mit anderen Hilfsprogrammen kombinierbar sein. Viele Künstler hatten nämlich vor dem Start des ersten bayerischen Förderprogramms bereits Bundesmittel und Geld aus anderen Töpfen erhalten und konnten daher keine Mittel des Freistaats mehr beantragen.

Das jetzt beschlossene Programm soll rückwirkend vom 1. Oktober 2020 bis 30. Juni 2021 laufen. Anträge können nach Aussage von Kunstminister Bernd Sibler allerdings noch nicht gestellt werden, erst muss eine Software aufgesetzt werden. Insgesamt rechnet der Minister mit 37,5 Millionen Euro Kosten.

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Demonstration für die Kultur in München

Das laufende Spielstätten-Programm, das mit 15 Millionen Euro budgetiert ist, soll neuerdings auch "dezentrale Örtlichkeiten" erfassen, also zum Beispiel Veranstaltern zugute kommen, die keine eigene Bühne haben, sondern wechselweise in Stadt- und Kongresshallen spielen. Es gehe darum, auch die "ländlichen Strukturen" zu erhalten.

Die Laienmusiker werden bis 30. Juni 2021 mit Geld unterstützt, um zum Beispiel Luftreiniger und Belüftungs-Geräte anschaffen zu können. Die Kinos, die nach Mitteilung von Bernd Sibler bereits mit 8,5 Millionen Euro unterstützt wurden, sollen weitere zwölf Millionen Euro Fördermittel abrufen können. "Wir wissen, dass wir einen harten Winter vor uns haben", sagte der Kunstminister. Der Wunsch der Künstler, vor Publikum zu spielen, sei leider in den kommenden Monaten "am schwierigsten zu erfüllen". Damit die neuen Hilfsprogramme zielgerichteter wirken können, soll es intensive Gespräche mit einem "Begleitausschuss" aus Betroffenen geben, damit die "Kommunikation sichergestellt" sei und auch in das "Kleingedruckte Sachverstand" einfließe.

Eine Erhöhung der Zuschauer-Obergrenze von derzeit fünfzig in allen "dunkelroten" Pandemie-Regionen war also kein Thema.

Mehrere Theater bereits geschlossen

Einige, aber nicht alle Theater in Bayern wollen auch bei einer Obergrenze von fünfzig Zuschauern weiterspielen. Das Deutsche Theater in München allerdings schließt: "Gerade haben wir die Planungen für eine Bespielung unseres Hauses fertig, die wir sowohl auf der Bühne umsetzen als auch vor 200 Gästen einigermaßen wirtschaftlich abbilden können. Diese Arbeit war umsonst, wenn die Regelung so bleibt", hieß es von dort, wie die Nachrichtenagentur dpa mitteilte. Pressesprecherin Britta Grigull vom Mainfrankentheater in Würzburg hatte dem BR bereits vor Tagen angekündigt, dass das derzeitige Ausweichquartier, die "Blaue Halle", bei sehr hohen Infektionszahlen in der Stadt vorübergehend geschlossen wird. Auch das Theater an der Rott im schwer von der Pandemie betroffenen Landkreis Rottal-Inn hat zwischenzeitlich den Spielbetrieb bis auf Weiteres eingestellt. Die Bayerische Staatsoper in München mit rund 2000 Plätzen kritisierte, eine Begrenzung auf nur fünfzig Personen mache "aus einem modernen, offenen Haus ein elitäres Bollwerk".

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