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Pandemie: Bayerns Kreativwirtschaft verlor fünf Milliarden Euro | BR24

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Schockierende Zahlen einer Krisen-Branche: Wie nicht anders zu erwarten, sanken die Umsätze 2020 dramatisch. Der Kunstmarkt schrumpfte um die Hälfte, ähnlich wie Musik- und Kinosparte. Die Live-Kultur musste auf 85 Prozent ihrer Einnahmen verzichten.

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Pandemie: Bayerns Kreativwirtschaft verlor fünf Milliarden Euro

Schockierende Zahlen einer Krisen-Branche: Wie nicht anders zu erwarten, sanken die Umsätze 2020 dramatisch. Der Kunstmarkt schrumpfte um die Hälfte, ähnlich wie Musik- und Kinosparte. Die Live-Kultur musste auf 85 Prozent ihrer Einnahmen verzichten.

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Von
  • Peter Jungblut

Teure Bremsspuren: Eine neue Analyse des "Bayerischen Zentrums für Kultur- und Kreativwirtschaft/Bayern Innovativ" zeigt, wie sehr Kunst und Kultur unter dem mehrfachen Lockdown leiden. Nach Angaben der Branche musste die bayerische Kultur- und Kreativszene im vergangenen Jahr auf rund fünf Milliarden Euro Umsatz verzichten, die Einnahmen sanken von 22,2 Milliarden 2019 auf nur noch 17,4 Milliarden Euro 2020. Dabei waren die einzelnen Sparten sehr unterschiedlich betroffen: Die Software- und Games-Betriebe hatten ähnlich wie die Werbeagenturen kaum unter der Pandemie zu leiden, sie hatten lediglich eine "Umsatzdelle" von minus fünf Prozent.

Schlimm erging es den Theater- und Konzertveranstaltern. Sie machten letztes Jahr fast kein Geschäft und sahen ihre Umsätze um 85 Prozent schrumpfen. Der Buchvertrieb und die Aufträge der Architekten liefen dagegen vergleichsweise unvermindert weiter, die Einnahmen gingen nur zwischen sechs und sieben Prozent zurück. Wirklich verheerend ist die Bilanz für Kinos, Kunstmarkt und Live-Kultur: Diese Sparten fallen nach Angaben der Statistiker "um zehn Jahre zurück", nämlich auf ein Niveau von vor 2009. Ähnliches gelte übrigens für die Presse, wogegen die Privatsender auf Umsatzzahlen von 2013 zurück geworfen wurden.

Es drohen "nachgelagerte Schäden"

Was den Ausblick auf das laufende Jahr betrifft, gibt es wenig Lichtblicke. Die Experten haben Zahlen für drei Szenarien parat: Bei einem "langen Lockdown" werde die bayerische Kreativwirtschaft abermals knapp fünf Milliarden Euro weniger als 2019 einnehmen, bei zwei Lockdowns würde die Lage noch schlimmer, da drohten Umsatzeinbußen von sieben Milliarden Euro. Bei einem "kurzen" Lockdown könne der Schaden auf ein Minus von 2,4 Milliarden Euro begrenzt werden, wobei nicht näher erläutert wird, was "kurz" bedeutet.

Obwohl ab dem zweiten Quartal 2021 mit einer langsamen Erholung gerechnet wird, fürchten die Experten "nachgelagerte Schäden", etwa den Ausfall von Zahlungen der Verwertungsgesellschaften, die sich ja immer am Vorjahr orientieren. Musiker zum Beispiel müssen sich also auf drastische GEMA-Einbußen gefasst machen, da 2020 ja sämtliche Clubs geschlossen blieben und kaum Konzerte stattfanden. Auch die Zahlungen von Restaurants und anderen Betrieben, die eine Musikbeschallung haben und abgabepflichtig sind, dürften deutlich geringer ausfallen.

Aiwanger: "Branche auf die Beine helfen"

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, der seit langem auf Lockerungen drängt, kommentierte die Zahlen der Pressemitteilung zufolge so: "Es ist unsere politische Pflicht, der ganzen Branche so schnell wie möglich wieder auf die Beine zu helfen. Die zehntausenden Kreativen, Dienstleister, Kulturschaffenden und Agenturen sind unverzichtbare Impulsgeber für unsere Wirtschaft und Gesellschaft. Wir brauchen ihre Ideen und Konzepte, um die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen zu bewältigen. Bayern soll auch in Zukunft das Zuhause für kreative Köpfe und innovative Geschäftsmodelle sein."

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