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Outdoor und Abenteuer - Seelsorge speziell für Männer | BR24

© BR/Anna Kemmer

Männermountainbike-Kurs im Altmühltal

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    Outdoor und Abenteuer - Seelsorge speziell für Männer

    Bogenschießen, Mountainbiken, Raften: Bei den Angeboten der Evangelischen und Katholischen Männer-Seelsorge geht es oft um Natur und Abenteuer – weit weg von den Frauen. Aber warum braucht es überhaupt Angebote speziell für Männer?

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    "Bike with God" – also Mountainbiken mit Gott, heißt ein spezielles Männerwochenende im Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum in Pappenheim. Elf Männer zwischen Ende Zwanzig und Anfang Sechzig starten an einem sonnigen Mai-Samstag zu einer Mountain-Bike-Tour durchs Altmühltal. Einer der Initiatoren ist Pfarrer Benedikt Herzog, der stellvertretende Leiter im Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum Pappenheim. Es geht steil bergauf – deswegen schnauft der junge Vater schon gleich zu Beginn der Tour. "Ich glaube", sagt er, "dass Männer sich schwertun in unserer heutigen Leistungsgesellschaft auf sich acht zu geben, Work-Life-Balance ist ein großes Thema, aber die Männer reden nicht gerne drüber." Deswegen, gibt es Angebote wie das Mountainbike-Wochenende oder die Bogenschießkurse von Pfarrer Andy Lang im oberfränkischen Gefrees, wo Männer sich austauschen können. Wenn keine Frauen dabei sind, sagt er, kucken Männer "vielleicht ein bisschen aufrechter auf unsere Lebensbiographien, auf die Fragen, die uns umtreiben. Weil wir nicht posen müssen, weil wir nicht den Eros dabeihaben."

    Tiefgang ganz nebenbei

    "Auch Männer brauchen Tiefgang, Spiritualität im Leben", sagt Pfarrer Benedikt Herzog, der im Altmühltal sein Mountainbike nun auf einer Waldlichtung oberhalb der sogenannten Teufelskanzel stoppt, es ist Zeit für einen geistigen Impuls. Student Max, der sein Praxissemester am Evangelischen Bildungszentrum absolviert, bittet die Männer ihre Trinkflaschen herauszuholen und zu überlegen, welche Kraftquellen sie im Leben vor dem Austrocknen bewahren: "Ich würde mir wünschen, dass ihr euch überlegt, was sind die Quellen, die euch antreiben und dann tankt ihr mit jedem Schluck aus eurer Trinkflasche wieder ganz bewusst auf."

    Für Günter Kusch ist eine der größten Kraftquellen seine Familie, die Kinder. Als Referent für Männerarbeit im Amt für Gemeindedienst der Evangelischen Kirche in Bayern hat er das Männer-Mountainbike-Wochenende initiiert. "In vielen Kirchengemeinden", sagt er, gibt es tolle Angebote, bei denen Frauen zusammenkommen können und sich dabei wohl fühlen." Für Männer brauche es aber andere Elemente: "Ich erlebe oft, dass Männer auf der Suche sind nach niederschwelligen spirituellen Angeboten, die ungewöhnliche Formen haben." Um Männer dazu anzuregen, sich mit den Themen Tod und Sterben auseinanderzusetzen, hat er zum Beispiel zum Sargbau-Seminar eingeladen. Schulter an Schulter Herausforderungen zu bewältigen, wie gerade bei dem steilen Streckenabschnitt hier auf der Mountainbike-Tour, dabei gelinge es am besten, Männer zusammenzubringen, so Kusch. Auch das Thema: Grenzen austesten, was kann ich leisten, welche Power habe ich, sind immer Themen für viele Männer. Natürlich gibt es auch genügend "klassische" Angebote in der Männerseelsorge, die Freizeitangebote und Lebenshilfe umfasst: Zum Beispiel Gesprächskreise über Depression bei Männern, ein ökumenisches Männerfrühstück oder Treffen für homosexuelle Christen.

    Leben, Tod und Eheprobleme

    Aber wenn Männer gemeinsam in der Natur aktiv sind, kommen sie einfacher ins Gespräch, glaubt einer der Mountainbike-Teilnehmer, der selbst Männerpastor in Mecklenburg-Vorpommern ist: Während der Fahrt oder abends nach der anstrengenden Mountainbike-Tour wird dann übers Leben, den Tod, Eheprobleme oder Kindererziehung gesprochen. Und auch über die Rolle als Mann und Vater in der heutigen Gesellschaft.

    Niederpappenheim und Maxhofen liegen schon hinter den Männern. Auch einen Blick auf die "Zwölf Apostel" haben sie schon erhascht, auf die mächtigen Dolomitfelsen, die zwischen Solnhofen und Eßlingen über der Altmühl thronen. Es geht durch Wälder, über Wiesen, durch die Steinbrüche und immer wieder hält die Truppe an, um von den Höhenlinien den fantastischen Blick auf die Altmühl auf sich wirken zu lassen, die in der Sonne glitzert. Die Rundtour endet an diesem Tag auf einer Wiese in Pappenheim. Hier feiern die Mountainbiker in der "Weidenkirche" unter freiem Himmel ihren Abschlussgottesdienst. Ekkehard, ein Vater von vier Kindern aus Ingolstadt, will gleich schauen, was als nächstes geboten ist. Er findet die Angebote der Männerseelsorge klasse, auch mit seinem jüngsten Sohn hat er schon an einem Vater-Sohn-Wochenende teilgenommen. Mal nur unter Männern zu sein, das hat einfach eine besondere Atmosphäre, da werden auch mal harte Schalen geknackt, sagt er. Und sie sind immer auch eine gute Gelegenheit zu sehen, wie andere Familien leben, was man sich von ihnen abschauen kann und wo er selbst vielleicht Vorbild ist. Zuhause will er gleich schauen, was als nächstes geboten ist.