dpatopbilder - 12.03.2023, USA, Los Angeles: Regisseur Edward Berger (vorne) nimmt den Preis für  «Im Westen nichts Neues» aus Deutschland für den besten internationalen Spielfilm bei der Oscar-Vverleihung im Dolby Theatre in Los Angeles entgegen. Hinten stehen Daniel Brühl (l-r), Malte Grunert, Albrecht Schuch, Felix Kammerer, Antonio Banderas und Salma Hayek. Foto: Chris Pizzello/Invision/AP +++ dpa-Bildfunk +++
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Oscar-Verleihung 2023

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Oscars für Bayern - so reagiert eine Gewinnerin

Historischer Abend: Vier Oscars gehen an das Weltkriegsdrama "Im Westen nichts Neues". Noch nie war ein deutscher Film so erfolgreich. Mit Ernestine Hipper gewinnt eine Bayerin die Trophäe. Auch eine Regensburger Konzeptzeichnerin war beteiligt.

"And the Oscar goes to: All Quiet on the Western Front!" – ganze vier Mal fiel dieser Satz bei der 95. Oscar-Verleihung. In den Kategorien Kamera, Filmmusik, bester ausländischer Film und Szenenbild gewann die deutsche Produktion die begehrte Trophäe.

Hintergründe und Reaktionen zu den deutschen und bayerischen Oscar-Gewinnern gibt es bei BR24live (eingebettet über diesen Artikel). Alles Wichtige von der diesjährigen Preisverleihung ordnet darin Markus Aicher aus der BR-Kulturredaktion ein. Dazu sprechen wir mit der Regensburger Professorin Waleska Leifeld, die als Konzeptzeichnerin mehrere Szenerien von "Im Westen nichts Neues" entworfen hat.

Bayerische Set-Dekorateurin ausgezeichnet

Als der Film als Gewinner der Kategorie "Szenenbild" genannt wird, ist klar: Ernestine Hipper hat es geschafft. Die Fränkin hat den ersten Oscar ihrer Karriere gewonnen. Fast schon ungläubig geht sie mit ihrem Kollegen Christian M. Goldbeck Richtung Bühne, springt einmal kurz jubelnd auf der Stelle. Die beiden sind von ihrem Erfolg sichtlich überwältigt. Den Preis für das beste Szenenbild haben sie zusammen gewonnen.

Goldbeck gestaltete als Architekt die Filmkulissen, Hipper befüllte sie mit ihrer Arbeit als Set-Dekorateurin. Dass es bei solchen Meisterleistungen vor allem auf gute Teamarbeit ankommt, macht Hipper auch in ihrer kurzen Dankesrede deutlich: "Don’t ever forget: You are only as good as your team", also: Vergiss nie, dass du nur so gut wie dein Team bist.

Die Nürnberger Filmausstatterin wollte an dem Film anfangs eigentlich überhaupt nicht mitwirken. "Ich hätte niemals gedacht, dass ich einen Kriegsfilm mache. Niemals im Leben, niemals", sagte Hipper BR24. Jetzt stellt genau diese Mitarbeit den Höhepunkt ihrer Karriere dar.

"Bestes Szenenbild" als bayerische Teamarbeit

Über den Erfolg in der Kategorie "Bestes Szenenbild" kann sich auch die bayerische Professorin Waleska Defne Leifeld von der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Regensburg freuen. Sie war zwar nicht namentlich nominiert, als Konzeptzeichnerin allerdings maßgeblich am Szenenbild von "Im Westen nichts Neues" beteiligt. So entwarf sie beispielsweise die Schützengräben und Schlachtfelder.

"Es ist unfassbar, es ist ganz, ganz großartig. Ich freue mich wirklich wahnsinnig. Es ist eine ganz tolle Sache, aber tatsächlich noch etwas unbegreiflich. Ich glaube, das muss sich ein bisschen setzen, bis ich verstehe, was da passiert ist", sagt Waleska Leifeld im BR24live-Interview.

In ihrer Arbeit als Konzeptzeichnerin widmet sie sich hauptsächlich Kinofilmen, wie bereits auch schon in "Das Parfum" oder "Räuber Hotzenplotz". Das Buch "Im Westen nichts Neues" hatte Leifeld in der Schule gelesen. Sich nun noch einmal, auch auf bildlicher Ebene, mit dem Stoff zu befassen, bezeichnete sie als Herausforderung: "Diese intensive Auseinandersetzung mit all diesen Bildern und Zeichnungen aus den Schützengräben, die haben mir nochmal ganz anders deutlich gemacht, was denn dieser furchtbare Krieg und dieser grausame Krieg eigentlich wirklich bedeutet hat für die Menschen. Also das ist schon eine Herausforderung gewesen."

Wie auch Leifeld, ergeht es dem Oberbayer Benedict Hoermann aus Wasserburg am Inn. Auch er war nicht namentlich unter den Nominierten, stand aber als "Assistant Director" dem Regisseur Edward Berger zur Seite und unterstützte ihn.

"Große Freude": Glückwünsche aus der Politik

Bundeskanzler Olaf Scholz beglückwünschte auf Twitter den Erfolg des Films. Dieser zeige gerade in dieser schwierigen Zeit unmissverständlich, wie furchtbar und unmenschlich Krieg sei.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gratulierte Ernestine Hipper auf Twitter. Er bezeichnete das prämierte Weltkriegsdrama als "einen beeindruckenden Film über die Schrecken des Krieges".

Auch die deutsche Kulturstaatsministerin Claudia Roth gratulierte dem gesamten Team von "Im Westen nichts Neues". Es sei ein Film zur richtigen Zeit, da er den Krieg in Europa in all seiner Grausamkeit beleuchte, so Roth.

Die Bayerische Digital- und Filmministerin Judith Gerlach bezeichnete die vier Auszeichnungen als einen großartigen Erfolg, auch für den Filmstandort Deutschland. Dass mit Ernestine Hipper auch noch eine Bayerin den Oscar gewonnen habe, unterstreiche, dass die deutsche und bayerische Filmbranche auch international ganz vorne dabei sei.

Auch die Bürgermeisterin von Langemosen, Mathilde Ahle, zeigte sich begeistert von dem Erfolg von Ernestine Hipper, die in der kleinen Gemeinde im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen aufgewachsen ist. "Wahnsinn, das ist natürlich eine große Freude und wir sind stolz, dass sie in unserer Gemeinde aufgewachsen ist", sagte sie BR24. Man wolle die Oscarpreisträgerin nach Langenmosen einladen, so Ahle und sie sich dabei auch ins Goldene Buch eintragen lassen. Im Anschluss daran könne man dann zusammen den Film anschauen.

Film von Allgäuer Kameramann geht leer aus

Als Kameramann für den Film "All That Breathes", der auf den Preis als bester Dokumentarfilm hoffen konnte, hatte auch Benjamin Bernhard aus dem Allgäu die Chance auf eine Trophäe. Regisseur Shaunak Sen erzählt darin die Geschichte von drei Männern aus Dehli, die ein Vogelkrankenhaus betreiben, in dem sie sich vor allem um die Greifvogelart der Schwarzmilane kümmern.

Der Film musste sich jedoch gegen eine Dokumentation über den russischen Oppositionellen Alexei Nawalny geschlagen geben. Diese wiederum feierte ihre Deutschlandpremiere letztes Jahr auf dem Dok.fest in München.

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