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Für Veränderungen beten? Das allein reicht Schwester Karolina von den Missionarinnen Christi nicht aus. Um auf die Gesellschaft und Kirche einzuwirken, demonstriert die Ordensfrau - zur Not auch gegen ihre Kirche, wenn es um Frauenrechte geht.

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So kämpfen Ordensfrauen für Frauenrechte in der Kirche

Für Veränderungen beten? Das allein reicht Schwester Karolina von den Missionarinnen Christi nicht aus. Um auf die Gesellschaft und Kirche einzuwirken, demonstriert die Ordensfrau zur Not auch gegen ihre Kirche, wenn es um Frauenrechte geht.

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Es ist ein ungewohntes Bild in der Münchner Shopping-Meile: Ordensfrauen halten Plakate in die Höhe. Darauf zu lesen: "Ordensschwestern für Menschenwürde" oder "für ein gleichwertiges Miteinander von Frauen und Männern in der Kirche." Unter den Demonstranten ist Schwester Karolina. Sie gehört dem Orden der Missionarinnen Christi an und trägt zivile Kleidung, eine lila Steppjacke und einen Schal in Regenbogenfarben.

Ordensfrauen demonstrieren für mehr Frauenrechte in Kirche

Schwester Karolina ist die Initiatorin des Protests einer Gruppe von Ordensschwestern unterschiedlicher Gemeinschaften. Zusammengeschlossen haben sie sich im Sommer 2018, um sich der Demo "Ausgehetzt" anzuschließen und für die Rechte von Flüchtlingen einzutreten. Für die 59-jährige Schwester war es nur folgerichtig, sich auch in die kirchenpolitische Debatte einzumischen. Sie wolle einen Prozess in Gang setzen, sagt sie: "Frauen in der Kirche, die haben eine andere Art des Herangehens."

Kirche neu denken. Dafür streitet Schwester Karolina mit der von ihr initiierten Gruppe "Ordensfrauen für Menschenwürde". Dazu zählen Vertreterinnen der Tutzinger Missionsbenediktinerinnen, der Congregatio Jesu und der Armen Schulschwestern. Schwester Karolina spricht aus, was vielleicht die eine oder andere Ordensschwester meint, sich aber nicht trauen würde, öffentlich zu sagen: "Wir möchten, dass Frauen gleichwertig behandelt werden. Das ist unabhängig von dieser ganzen Kirchenkrise oder dem Priesternotstand."

Es gäbe genug Berufungen - würden Frauen berücksichtigt

Es gäbe genug Berufungen, so die Schwester. Zur regelmäßigen Aufforderung, für Priesterberufungen zu beten, sagt sie: "Wenn die Kirche, die Amtskirche Berufungen ernst nehmen würde - auch die von Frauen -, dann gäb es mehr Priesterinnen. Mehr Priester."

Die Zeit der schweigenden Frauen scheint vorbei zu sein. Es gibt immer mehr Initiativen, die Reformen anstoßen wollen. Etwa die Aktion "Maria 2.0", die vergangene Woche zum bundesweiten Gottesdienststreik der Frauen aufgerufen hat. Den Kritikern, die der Protestinitiative Maria 2.0 vorwerfern, die Gottesmutter zu instrumentalisieren, hält Schwester Karolina entgegen: "Wer war Maria? Wenn man das Magnifikat anschaut, dann hat sie sehr mutig ihren Mund aufgemacht. Und ist nicht die, die schweigt. Das glaube ich ganz sicher nicht. Da ist mir Maria auch ein großes Vorbild."

Auch Ordensschwestern Opfer von Missbrauch

Es liegt viel Arbeit vor Schwester Karolina und ihren Mitstreiterinnen. Sie wollen dran bleiben und für den Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern kämpfen. Auch beim Thema Missbrauch blicken sie kritisch auf die eigene Kirche. Schließlich gehören nicht nur Kinder und Jugendliche zu den Opfern, sondern es wurden auch zahlreiche Ordensschwestern von Priestern vergewaltigt.

Schwester Karolina will ihr Engagement für mehr Frauenrechte noch lange fortsetzen. Ihre Vision: "Wenn ich meinen 70. Geburtstag feiere und zurückschaue auf die vergangenen elf Jahre, dann wünsche ich mir, dass es schon viele Diakoninnen gibt. Und ich wünsche mir, dass der Weg zur Priesterweihe von Frauen doch schon in Sicht ist." Das sei vielleicht mutig, so die Ordensschwester, aber es sei jetzt an der Zeit.