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Paul McCartney, George Harrison, Ringo Starr und John Lennon (von links) proben im Filmstudio in Twickenham.

Bildrechte: dpa-Bildfunk/Linda McCartney
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"One, Two, Three, Four": Das andere Buch über die Beatles

An Büchern über die Beatles herrscht kein Mangel. Erst im Herbst hat Paul McCartney unter dem Titel "Lyrics" seine Autobiographie veröffentlicht. Warum das neue Buch des Satirikers Craig Brown trotzdem ein Leuchtturm der Beatles-Literatur ist.

Von
Niels BeintkerNiels Beintker
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Leider finden auch Verbrecher die Musik der Beatles toll. Das ist – Stichwort Charles Manson – keine neue Erkenntnis. Wenn man aber liest, dass auch der die Fab Four verehrt, der gerade völkerrechtswidrig die Ukraine überfallen hat, möchte man laut heulen.

Craig Brown berichtet in seinem Buch über die Band, Putin habe diese in seiner sowjetischen Jugend als einen "Schluck Freiheit" empfunden (so jedenfalls die Aussage am Rande eines Paul McCartney-Konzerts 2003 in Moskau). Diese Episode beschäftigt auch den englischen Publizisten sehr: "Die Beatles haben unseren Blick auf die Welt beeinflusst. Nicht nur den meiner Generation. Wir alle wurden von ihrer Liebe zur Vielfalt und auch von ihrer liberalen Haltung geprägt. Sie waren ganz offensichtlich engagierte Anwälte für den Frieden. Das haben sie weitergegeben, an jeden in Europa und in der Welt, der gegen Putin ist."

McCartneys Eltern begegneten sich bei Bombenangriff

In Craig Browns Buch "One, Two, Three, Four" kann man nachlesen, wie sehr auch die Erfahrung des Krieges die Lebensgeschichten der Musiker zeichnete, wenigstens indirekt. Berührend etwa die Geschichte, dass sich Paul McCartneys Eltern während eines deutschen Bombenangriffes kennenlernten, im November 1940: "Aufgrund der Angriffe an diesem Tag hielten sich die beiden zufällig im selben Haus auf. Sie konnten nicht zurück in ihre eigenen Wohnungen. Und deswegen sind sich Mary und Jim überhaupt begegnet. Wer weiß, ob das auf andere Weise möglich gewesen – und Paul McCartney dann zu Welt gekommen wäre. Eine interessante Vorstellung. Alles hängt zusammen."

Würdigung unbekannter Band-Bekannter

Vielleicht kann auch eine solche Szene verdeutlichen: Craig Browns Biographie der Beatles ist auf erfrischende Weise anders. Zum einen schreibt Brown mit einer oft auch frechen Distanz über die Four – was die Bewunderung für die Musik nicht ausschließt, aber trotzdem beständig erdet. Zum anderen erfahren wir von vielen Menschen, die auf verschiedenste Weise mit John, Paul, George und Ringo in Berührung kamen – und die trotzdem kaum jemand kennt. Zum Beispiel Jimmie Nicol. Der trommelte 1964 zehn Tage lang auf der Welttournee, in Vertretung für den erkrankten Ringo. Gemeinhin wird Jimmie Nicol ignoriert: "Sein Leben war auf gewisse Weise ruiniert. Der Höhepunkt – ein Beatle zu sein – war zugleich der schrecklichste Augenblick. Das Leben danach schien nur noch langweilig zu sein. Man kann sagen: das ist nicht relevant. Ich habe ihm trotzdem ein langes Kapitel gewidmet. Und wir alle sind Jimmie Nicol. Wir sind im Schatten."

Das neue Buch "One, Two, Three, Four. Die fabelhaften Jahre der Beatles" von Craig Brown

Bildrechte: C.H. Beck

All the lonely people! Etliche andere kommen bei Brown dazu, etwa das Komiker-Paar Charlie und Mitzie, dem die Beatles mit dem gemeinsamen Auftritt in der Ed-Sullivan-Show die weitere Karriere vermasselten. Oder die Abiturientin Melanie Coe, deren Flucht aus dem Elternhaus, vermeldet in der Zeitung, "She’s leaving home" inspirierte. Ebenso Sgt. Pilcher (nicht Sgt. Pepper), der Drogenfahnder, der die Musiker akribisch verfolgte. Oder, oder, oder. Auch die großen Fragen thematisiert Craig Brown mit fröhlicher Verve: Hier die obskure These, Paul McCartney sei gar nicht mehr unter uns. Dort das Rätseln über das Ende der Band. "Paul sagte kürzlich in einem Interview: Wir haben uns getrennt, weil jeder zu viel über die anderen wusste. Und, eine traurige Wahrheit: Hätten sich die Beatles nicht aufgelöst, wäre es ihnen wie den Stones ergangenen. Sie spielen die gleichen alten Songs. Die Beatles haben sich im richtigen Moment getrennt. Gerade "Abbey Road" zeigt den Höhepunkt ihrer Genialität."

Ein Leuchtturm der Beatles-Literatur

Unter den unendlich vielen Beatles-Büchern zählt Craig Browns "One, Two, Three, Four" zur Kategorie "Weißes Album" (also zu den Leuchttürmen). Nebenbei ist diese wunderbar unkonventionelle Biographie der Band eine kleine Hommage an den Manager Brian Epstein, auch er einer der Einsamen. Am Anfang, wie auch am Ende des Buches, läuft er, im feinen Zwirn und nicht ohne Ekel, die Treppe hinab, zu einem Keller-Klub in Liverpool. Unten lärmen die noch unbekannten Beatles. Man sollte – mit Craig Brown – unbedingt folgen, Stufe um Stufe. Come together!

Craig Browns Buch „One, Two, Three, Four. Die fabelhaften Jahre der Beatles” ist – in der Übersetzung von Conny Lösch – bei C.H. Beck erschienen.

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