Blick auf die Bauten für die Olympischen Spiele 1972 in München

Blick auf die Bauten für die Olympischen Spiele 1972 in München

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    Wie sich München als Stadt durch Olympia '72 verändert hat

    Wie sich München als Stadt durch Olympia '72 verändert hat

    Die Olympischen Spiele vor 50 Jahren waren ein Versprechen: Aus der provinziellen Landeshauptstadt München sollte eine Weltstadt werden. Hat sich das wirklich erfüllt? Und welche Folgen hatte der damals einsetzende Bauboom? Eine Bestandsaufnahme.

    Vor 50 Jahren wird München Olympia-Stadt: Die Spiele machen aus dem Millionendorf am Alpenrand eine internationale Metropole. Für die Spiele wird München umgebaut, der Ausbau von U- und S-Bahn radikal beschleunigt. Zwischen Marienplatz und Stachus entsteht die Fußgängerzone. Die Olympiatouristen sollen sich auch in der Innenstadt wohlfühlen. Zwischen 1968 und '72 ist München: Baustelle.

    "Viele Menschen sagen so im Rückblick, das war ja Wahnsinn, da ist ja München so modern geworden", sagt die Autorin Simone Egger. "Wir sprechen ja hier von der Stadt, die kurz zuvor noch kriegszerstört war – dann wieder aufgebaut, also die Wunden etwas gekittet. Und plötzlich wird wieder an allen Ecken und Enden gegraben. Und dann landet so etwas wie das Stadion, der Olympiapark, diese supermoderne Anlage plötzlich auf dem Oberwiesenfeld."

    Landschaftsarchitekt kreierte künstliche Voralpenlandschaft

    Beinahe wäre es anders gekommen. Bei der Bewerbung 1966 plant man noch konventionell. Eine riesige Betonplatte als Stadionfundament. Aber die Aufbruchsstimmung der 70er erfasst auch die politisch Verantwortlichen.

    Demokratisches Grün statt Beton: Der Landschaftsarchitekt Günther Grzimek skizziert schon Jahre vor den Spielen die nacholympische Zukunft des Parks. Denkt vor 50 Jahren nachhaltiger als viele Olympiastädte heute. Grzimek kreiert für München eine künstliche Voralpenlandschaft. Seine Modelliermasse: ein Schuttberg aus dem Zweiten Weltkrieg und der Erdaushub für die Stadien. Die neuen Sportstätten und die moderne Infrastruktur machen die Stadt immer attraktiver. Und teurer für die Einheimischen.

    Mit den Spielen setzt der Bauboom ein

    "München ist plötzlich zu einer Weltstadt aufgestiegen. Das war der Vorteil oder auch Nachteil, also für uns Ansässige eher ein Nachteil", erinnert sich der Fotograf Wolfgang Roucka.

    Baustelle der Wettkampfstätten: Ein Blick auf die im Rohbau befindliche Zeltdachkonstruktion und auf die Hochhäuser des Olympischen Dorfes

    Bildrechte: BR/Foto Sessner

    Mit den Olympischen Spielen hat der große Boom in der Stadt eingesetzt. Bei den immer horrenderen Bodenspekulationen können nur noch Banken, Versicherungen und Verwaltungen mithalten. Sie bestimmen weithin das Bild der Innenstadt. Der Olympia-Aufschwung verändert auch das Künstlerviertel Schwabing. Wohl als erstes Stadtviertel Deutschlands erfährt es, was man später Gentrifizierung nennt.

    Der Fotograf Roucka erlebt mit seinem legendären Postershop, wie das Geld das Viertel verwandelt. Am Ende teilt er das Schicksal vieler angestammter Schwabinger. Sanierung. Mieterhöhung. Ende. "54 Jahre war unten Galerie, vorher Postershop, und im ersten Stock war bis ganz nach hinten Großfotobetrieb. Ja, jetzt ist dann ein Biofriseur drin, das hat Schwabing dringend gebraucht", Roucka.

    München profitiert wirtschaftlich von den Spielen

    Die Schattenseiten des Erfolgs. Wirtschaftlich hat München enorm profitiert – doch der Olympia-Park bleibt die einzige moderne Architektur von Weltrang in der Stadt. "Ich habe das Gefühl, die Stadt könnte diesen Mut gebrauchen, den man '72 und in den Jahren davor hatte. Die Stadt umzubauen, und die Stadt in eine gemeinsame neue Ära zu bringen", sagt Regine Keller, Professorin für Landschaftsarchitektur an der TU München.

    Insgeheim ist München doch Millionendorf geblieben. Mit Großprojekten tut man sich schwer. Konzertsaal. Hochhäuser. S-Bahn-Stammstrecke. Etwas "Olympiageist" könnte nicht schaden.

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