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Ohne Trauma-Arbeit keine Integration | BR24

© Abendschau - der Süden/Alkyone Karamanolis

Viele Flüchtlinge, egal welche Ursachen sie zur Flucht veranlassten, sind schwer traumatisiert, wenn sie bei uns ankommen. Für sie ist Refugio oft die letzte und einzige Rettung - und das seit mittlerweile 25 Jahren.

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Ohne Trauma-Arbeit keine Integration

Seit 25 Jahren arbeitet die Hilfsorganisation Refugio e.V. in München mit traumatisierten Flüchtlingen und ermöglicht ihnen, ihr Leben auch nach all ihren traumatischen Erfahrungen wieder selbst in die Hand zu nehmen.

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Als Refugio 1994 seine Arbeit aufnahm, existierten noch kaum Organisationen, die sich auf Flüchtlingsarbeit spezialisiert hatten – und deutschlandweit gab es nur 130.000 Asylanträge. Doch schwer traumatisiert waren viele der Antragsteller auch damals schon. Genau auf sie hat sich Refugio spezialisiert. Heute sind 42 feste Arbeitskräfte bei dem Münchner Verein beschäftigt, Refugio hat ein ein Budget von 3,2 Millionen Euro.

Wenn er niemanden hat, mit dem reden kann, schreibt er sich Trauer und Zorn einfach von der Seele. In der Musikwerkstatt von Refugio in München hat Adhin einen Weg gefunden, seinen Gedanken Ausdruck zu verleihen. "Ich habe halt so richtig viel zu sagen", beschreibt der junge Mann seinen Gefühlszustand, "und wenn ich alles, was so in mir drin ist, wenn ich es los werde, das wäre mein Ziel."

Traumata bearbeiten und zur Normalität zurückfinden

Die Musikwerkstatt ist Teil des Therapieprogramms von Refugio, und sie hilft den Betreuten, wieder Boden unter den Füßen zu bekommen. "Was ich hier gelernt habe, ist viel, kann ich sagen", erzählt ein anderer FLüchtling, "zum Beispiel Geduld zu haben. Denn ohne Geduld kann man nichts erreichen. Und ich habe auch gelernt, pünktlich zu sein zum Beispiel."

Wer zu Refugio kommt, der kommt mit schwerem Gepäck: Ängste, Depressionen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen. Wenn Integration gelingen soll, sagt Refugio, brauchen die Leute genau da Hilfe. Allein im vergangenen Jahr hat die Organisation rund 1.300 traumatisierte Flüchtlinge betreut, sagt Annette Hartmann, die stellvertretende Geschäftsführerin: "Das Besondere ist, dass wir interdisziplinär arbeiten, das bedeutet, bei uns sind die verschiedenen Berufsgruppen Hand in Hand zusammen. Wir haben Ärzte, Therapeuten und Sozialpädagogen, die an einem Fall gemeinsam arbeiten."

Alltag gibt es für Flüchtlinge nur, wenn auch die Seele ankommt

Auch Abrahm Kalemba wird von Refugio betreut. Ihm hat die Organisation einen weiterführenden Deutschkurs ermöglicht, denn der Chemiker möchte die Vergangenheit hinter sich lassen und ganz in Deutschland ankommen. "Refugio hat meiner ganzen Familie geholfen", erinnert sich der Asylsuchende,"ich habe darüber nachgedacht, ob es möglich ist, Refugio auch zu helfen. Das bedeutet, ich möchte in Zukunft auch ein Übersetzer für den Verein werden." Abrahm Kalemba kann erst lernen, seit er seine die psychischen Probleme überwunden hat. Trauma-Arbeit – genau das hat sich Refugio seit 25 Jahren zur Aufgabe gemacht. Manchmal auch mit Musik und Tanz.

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Abendschau - Der Süden

Von
  • Alkyone Karamanolis
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