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© Elmar Kremser/Sven Simon
Bildrechte: Elmar Kremser/Sven Simon

"What Is Democracy?" auf der documenta 14 - eine Arbeit von Oliver Ressler. Auch sie ist jetzt auf seinem Youtubekanal wieder zu sehen

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    Österreichischer Videokünstler Oliver Ressler: Ärger mit Youtube

    Wegen angeblich "schwerwiegender und wiederholter Verstöße" gegen die Benutzerregeln hatte die Plattform Inhalte des prominenten Künstlers gesperrt. Jetzt wurden die 31 Filme nach öffentlichem Druck ohne weitere Begründung wieder freigeschaltet.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Er wurde mit gesellschaftskritischen Videos zu Themen wie Rassismus, Klimawandel und Kapitalismus bekannt und war 2017 auch auf der documenta vertreten. Jetzt bekam der gebürtige Steirer Oliver Ressler (51), der in Wien lebt, gehörigen Ärger mit Youtube. Am 2. August waren seine dort abrufbaren Arbeiten wegen vermeintlicher Verstöße gegen die Regeln der Google-Tochtergesellschaft allesamt gesperrt worden. Konkrete Gründe nannte Youtube dafür nicht.

    Wie Ressler dem BR mitteilt, habe ihm der Konzern in einer Mail vielmehr "Spam" und "Scam" vorgeworfen, also eine Art von Betrug und "rein kommerzielle Nutzung", die nicht gestattet sei. Es sei jedoch "naheliegend", dass die Entscheidung mit der "inhaltlichen Ausrichtung" des Kanals zu tun habe.

    "Es ist eigentlich nichts Anstößiges daran"

    Es gehe um 31 Filme, die er zwischen 2000 und 2018 realisiert habe, so Ressler. Sie seien in Ausstellungen, auf Filmfestivals und in "verschiedensten politischen Zusammenhängen" gezeigt worden. Fast alle Arbeiten seien mit öffentlichen Geldern entstanden, zum Beispiel im Auftrag von Museen: "Es ist eigentlich nichts Anstößiges daran, es gibt keinen richtigen Grund."

    © Oliver Ressler
    Bildrechte: Oliver Ressler

    Im Hambacher Forst: Oliver Ressler

    Am gestrigen Mittwochabend erfolgte die Rücknahme der Entscheidung, ebenfalls ohne weitere Erläuterung, wie Ressler anmerkt. Ihm sei jedenfalls mitgeteilt worden, es habe eine "eingehende Prüfung" stattgefunden, nach der die Videos mit "sofortiger Wirkung" wieder online gestellt worden seien. Eine Anfrage der österreichischen Nachrichtenagentur APA an Youtube blieb zunächst unbeantwortet.

    "Konzerne sollten nicht über Inhalte entscheiden"

    Oliver Ressler selbst führt das Einlenken der Plattform auf den öffentlichen Druck zurück: "Ich habe den Fall ja erst am Dienstag veröffentlicht", sagt er. "Vorher habe ich auf Facebook die Leute, die mir folgen, gefragt, ob sie irgendeine Idee haben, wie mit so einem Fall umzugehen ist. Als ich es dann in meinem Newsletter erwähnte, gab es ein gigantisches Interesse. Es gab so viele Reaktionen, dass es eine einzelne Person schier überfordert, das alles anzuschauen. Ohne diese Öffentlichkeit wäre mein Kanal vermutlich noch immer geschlossen. Das zeigt, wie wichtig die unabhängige Berichterstattung ist."

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    Bildrechte: Oliver Ressler

    Oliver Ressler, “Everything's coming together while everything's falling apart: Ende Gelände”

    Ressler wurde in letzter Zeit vor allem für seine viel diskutierten Werke zum Klimawandel gelobt. So zeigt er auf dem Plakat "Every round-trip ticket on flights from New York to London costs the Arctic three more square metres of ice" (Jeder Hin- und Rückflug von New York nach London kostet die Arktis drei weitere Quadratmeter Eis) eine weiße Fläche mit aufgerissenen Eisschollen. Seine Arbeiten würden jedes Jahr in "zwanzig bis dreißig" Ausstellungen gezeigt, er habe also eine "gute Sichtbarkeit", sagt Ressler.

    "Große Medienkonzerne müssen vergesellschaftet werden"

    Zwar seien seine nächsten drei Projekte thematisch schon verplant, so der Künstler, aber er könne sich durchaus vorstellen, sich danach mit der Macht der Medienkonzerne zu befassen: "Ich glaube, dass es bei der jetzigen Lage nicht bleiben kann, in der Konzerne eigentlich ununterbrochen Inhalte entfernen, und deswegen muss man das grundlegend verändern. Ich plädiere dafür, dass die großen Konzerne, die alle unsere Daten durchforsten und kommerzialisieren, vergesellschaftet werden müssen. Ich glaube, nur, wenn sie in den Händen der Nutzerinnen und Nutzer sind, gibt es eine demokratische Kontrolle."

    Als Kurator eröffnet Ressler am 25. August 2021 die Ausstellung "Overground Resistance" im frei_raum im Museumsquartier in Wien, die sich mit Klima-Aktivismus beschäftigt.

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