BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© Herbert Neubauer/Picture Alliance
Bildrechte: Herbert Neubauer/Picture Alliance

Friederike Mayröcker

Per Mail sharen

    Österreichische Schriftstellerin Friederike Mayröcker tot

    Berühmt wurde sie mit ihren Gedichten, aber auch als Hörspiel- und Prosaautorin war die Autorin erfolgreich. In ihrem Werk schöpfte sie aus dem eigenen Leben, beharrte jedoch auf "Biographielosigkeit". Jetzt ist sie im Alter von 96 Jahren gestorben.

    Per Mail sharen
    Von
    • BR24 Redaktion

    "Ein Gedicht ist für mich, wenn alles stimmt, wenn man das liest und sagt ja, wenn es also die Wahrheit der Sprache enthält", so Friederike Mayröcker in einem Interview mit dem ORF im Jahr 2017. Lange Zeit arbeitete sie als Lehrerin, denn von der Schriftstellerei konnte nach dem Krieg kaum jemand leben. Dabei gehörte die gebürtige Wienerin zu den Frühentwickelten: Schon als Fünfzehnjährige schrieb sie erste Texte, angeblich inspiriert von einem "Pfingsterlebnis": "Ich wanderte umher und sah viele Fliederbüsche. Im Hinterhof eines Abbruchhauses sah ich einen kahlen Strauch, der plötzlich zu brennen begonnen hatte, es war ein Pfingsttag. Ich wanderte dann umher und kauerte nieder und schrieb im Anblick des brennenden Busches mein erstes Gedicht." Der "Heilige Geist" habe also eine gewisse Rolle gespielt.

    So illustre Autoren wie H.C. Artmann, Gerhard Rühm, vor allem aber ihr späterer Lebenspartner Ernst Jandl gehörten zu ihren frühen Förderern und Vorbildern. Die Arbeiten wurden damals, zu Beginn der Fünfziger, noch als "experimentell" bezeichnet. Mit dem Lyrikband "metaphorisch" schaffte sie 1965 ihren künstlerischen Durchbruch, gefolgt von "Tod durch Musen" ein Jahr später, erschienen bei Rowohlt.

    Wort-Funde als Schmetterline und Schneeflocken

    Kennzeichen ihrer zahlreichen Werke, zuletzt 2020 der Band "da ich morgens und moosgrün. Ans Fenster trete" bei Suhrkamp, war die scheinbar "autofiktionale" Ausrichtung. Die Autorin schöpfte aus Tagebuchblättern, Zitaten, Briefen, bestand in Gesprächen mit Journalisten jedoch auf ihrer "Biographielosigkeit", was manchen sehr verwunderte. Und dass ihre Augen die wichtigste Rolle spielten, wenn es um Worte ging, mag wohl auch nicht jeder verstanden haben. Doch die Optik von Versen war ihr nach eigener Aussage ungemein wichtig.

    Meterhohe Papierberge mit Zetteln sollen ihre Wohnung in Wien dominiert haben - so, als ob sie "ausschließlich in einer Welt der Worte" lebte, wie mal ein Berichterstatter bemerkte, der zwischen all den Dokumenten partout keinen Hausrat entdecken konnte. Und in einer Laudatio zur Verleihung des Großen Literaturpreises der Bayerischen Akademie der Künste hieß es 1996: "Wer das Arbeitszimmer Friederike Mayröckers kennt oder Photographien hiervon gesehen hat, der wird die vielen überall angehefteten Zettel mit Wort-Funden sowohl als die Schmetterlinge wie als die Schneeflocken nach ihrer Verschiebung ins Poetische erkennen."

    Mayröcker hat alle großen Literaturpreise erhalten und zählte zweifellos zu den wichtigsten und einflussreichsten Sprachschöpferinnen des 20. Jahrhunderts. 1982 erhielt sie den Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur, 2001 bekam sie den Büchner-Preis und die Ehrendoktorwürde der Universität Bielefeld, 2015 wurde sie Ehrenbürgerin von Wien.

    Nach Angaben ihres Verlags gegenüber dem BR ist Friederike Mayröcker im Alter von 96 Jahren gestorben.

    Die BR KulturBühne – ein Platz für Konzerte, Events, Debatten und auch großes Vergnügen. Hier geht's lang!

    Aktuelle Debatten, neue Filme und Ausstellungen, aufregende Musik und Vorführungen... In unserem kulturWelt-Podcast sprechen wir täglich über das, was die Welt der Kultur bewegt. Hier abonnieren!