BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Öffnungen im April? Hoffen und Bangen bei Theaterchefs | BR24

© BR

Die bayerischen Theaterchefs gehen mit gedämpften Erwartungen ins Spitzengespräch mit Kunstminister Bernd Sibler. Doch sie beharren darauf, dass Besucher kaum ein Infektionsrisiko eingehen und wollen im Frühjahr wieder Vorstellungen anbieten.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Öffnungen im April? Hoffen und Bangen bei Theaterchefs

Die bayerischen Intendanten gehen mit sehr gedämpften Erwartungen ins Spitzengespräch mit Kunstminister Bernd Sibler. Doch sie beharren darauf, dass Besucher kaum ein Infektionsrisiko eingehen und wollen im Frühjahr wieder Vorstellungen anbieten.

Per Mail sharen
Von
  • Peter Jungblut

Das wird manchen Theaterfan und viele Mitwirkende in Ballett, Schauspiel und Oper ziemlich frustrieren, aber vor April dürften die bayerischen Bühnen nicht wieder öffnen, so die sehr zurückgenommene Erwartungserhaltung bei den Intendanten, die der BR befragte. Die einst sehr kämpferische Haltung scheint einer Schicksalsergebenheit gewichen zu sein. Auf sofortiger Öffnung der Häuser beharrt unter den Staatstheaterchefs jedenfalls niemand mehr - wobei sie gleichzeitig betonen, gegenüber der freien Szene auch sehr privilegiert zu sein.

Am Donnerstagnachmittag werden sich die Intendanten online mit Kunstminister Bernd Sibler treffen, um darüber zu reden, wie es nach Ende Januar weitergeht mit dem Kulturleben. Keiner erwartet, dass sich vor dem Frühjahr irgendwo der Vorhang hebt. Augsburgs Intendant André Bücker schwankt zwischen Skepsis und Zuversicht.

"Ich hoffe sehr, dass im März, spätestens im April, zumindest im kleinen Umfang wieder was gehen wird. Also, ich denke doch, dass wir in dieser Spielzeit noch Theater erleben werden. Mein Optimismus hält sich da wirklich in Grenzen, aber ich gehe trotzdem davon aus, dass es dann wieder möglich sein sollte." Augsburgs Intendant Andre Bücker

"Wir könnten jederzeit spielen"

Auch der Coburger Intendant Bernhard F. Loges glaubt "angesichts der Gesamt-Lage" in der Pandemie nicht, dass die Theater vor Ostern wieder spielen werden. Es sei auch nicht praktikabel, in "Mini-Schritten" zu öffnen, also nach der einstigen "Ampel" vorzugehen, wonach mal nur fünfzig Leute, dann zweihundert mit Maske während der Vorstellung, dann zweihundert mit Maske nur vor und nach den Aufführungen in den Zuschauerraum gelassen wurden. Das sei nicht hilfreich, so Loges, wenn Zuschauer ständig wieder "ausgeladen" werden müssten: "Die Lage ist natürlich sehr von den Infektionszahlen in den jeweiligen Regionen abhängig. In Coburg stehen wir beispielsweise derzeit wesentlich schlechter da als Bamberg, was die Inzidenzwerte betrifft. Insofern werden sich die Politiker auch erst mal daran orientieren." Er sei leider skeptisch, ob gegenwärtig ein fester Zeitplan zur Wiedereröffnung der Bühnen aufgestellt werden könne.

"Entsinnlichung des Lebens" beklagt

Loges verweist darauf, dass alle Theater grundsätzlich "jederzeit spielen" könnten und "auch bereit" seien, da alle "genug und viel produziert" hätten: "Ich plane so, dass wir jederzeit etwas herausbringen können. Premieren brauchen natürlich einen etwas längeren Vorlauf, um sie wieder aufzufrischen."

Freilich gibt es auch Intendanten, die nicht namentlich zitiert werden wollen und sich von ihren Kollegen "etwas mehr Widerstand" gegen die staatlichen Maßnahmen wünschen. Sie beklagen eine völlige "Entsinnlichung" des gesellschaftlichen Lebens und sind auch mit der "mittleren Ebene" des Kunstministeriums alles andere als zufrieden. Dort gebe es viel Beharrungsvermögen. Eine Schreckensvorstellung wäre es demnach, wenn die Politik auch den Probenbetrieb in den Theatern stoppen würde.

© Christian POGO Zach/Gärtnerplatztheater München

Alarmstufe rot: Beleuchung am Gärtnerplatztheater

Jens-Daniel Herzog, der Theaterchef in Nürnberg, könnte unabhängig von den politischen Vorgaben kurzfristig gar nicht spielen, jedenfalls kein Musiktheater anbieten: "Ich hoffe, dass wir trotz aller Unwägbarkeiten auch über eine bessere Zukunft reden können, also über einen stufenweisen Öffnungsplan. Wir brauchen eine Mut machende Perspektive, wann wir die tollen Theaterabende sehen und zeigen können, die wir geprobt haben und weiter proben. Bei uns ist der Druck allerdings etwas geringer, weil wir die Schließzeit für dringende Brandschutz-Arbeiten im Opernhaus nutzen und deshalb voraussichtlich erst wieder im April spielen können. Aber dann wollen wir unbedingt wieder auf die Bühne und müssen dafür Pläne entwickeln."

"Theater müssen sich erst mal sortieren"

Insgesamt legen die Theaterintendanten Wert auf längerfristige Planungsabläufe, wollen also nicht im Wochen-Rhythmus jeweils neu entscheiden müssen. Jeder, der weiß, wie kompliziert ein Theaterbetrieb ist, wie schwierig es ist, Künstler zu disponieren, auf Reisebedingungen Rücksicht nehmen zu müssen, Chor und Orchester in die Planungen mit einzubeziehen, der kann einschätzen, dass abrupte Korrekturen am Spielplan kaum machbar sind.

"Im Moment stellt sich für die Häuser erst mal die Frage, wie wir diese Zeit überstehen, mit den Mitarbeitern und den ständigen Spielplan-Änderungen. Ich muss da auch ehrlich sagen, da hat diese etwas langfristigere Schließung seit November geholfen, dass wir Theater uns etwas sortieren konnten, jedenfalls ging es uns in Augsburg so." Augsburgs Intendant Andre Bücker

Die Intendanten verweisen auch auf eine neue Aerosol-Studie des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt. Drei Tage lang untersuchten die Experten die räumliche Ausbreitung von Kohlendioxid und Aerosolen im Zuschauerraum des Konzerthauses Dortmund. Den Ergebnissen zufolge könnten mit einer modernen Lüftungsanlage und Maskenpflicht sogar alle Plätze in einem Zuschauerraum bei nur sehr geringem Infektionsrisiko besetzt werden. Die Forscher empfahlen jedoch das "Schachbrettmuster", also zwischen jedem Zuschauer einen Sitz frei zu lassen.

"Ich glaube, dass eine Wiedereröffnung auf dieser Basis auf jeden Fall diskutiert werden muss", sagt Coburgs Intendant Loges. So habe das Opernhaus in Graz die Premiere von Mieczysław Weinbergs Oper "Die Passagierin" im Herbst 2020 vor halbvollem Haus gespielt, das sei möglich gewesen. Und auch bei den Salzburger Festspielen habe sich niemand infiziert: "Also ist das Schachbrett durchaus eine Option."

Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

Die BR KulturBühne – ein Platz für Konzerte, Events, Debatten und auch großes Vergnügen. Hier geht's lang