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O-Antiphonen – Adventgesänge mit Geheimbotschaft | BR24

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Alle O-Antiphonen beginnen mit demselben Buchstaben

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    O-Antiphonen – Adventgesänge mit Geheimbotschaft

    Die Woche vor Weihnachten gehört im Stundengebet der Mönche einer Reihe sehr spezieller liturgischer Gesänge: den sogenannten O-Antiphonen. Die Tradition gibt es seit dem 9. Jahrhundert, sie ist aber heute meist in Vergessenheit geraten.

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    Mit "O Du Fröhliche" haben sie außer dem Anfangsbuchstaben nichts gemein, trotzdem gehören auch die O-Antiphonen des Mittelalters fest zur Weihnachtszeit. Die sieben liturgischen Gesänge bestehen aus verschiedenen Texte des Alten Testaments. Und die beginnen alle mit einem O, dann folgt ein Ehrentitel Gottes: O Weisheit, O Adonai, O Wurzel Jesse, O Schlüssel Davids, O Morgenstern, O König der Könige, O Emmanuel.

    Adventgesänge im Stundengebet der Mönche

    Ihren Platz haben die O-Antiphonen spätestens seit dem 9. Jahrhundert im Stundengebet der Klöster. Aus dem Leben der meisten Kirchengemeinden hingegen sind sie verschwunden. Und auch die Namen der Autoren sind heute nicht mehr bekannt.

    "Sie sind sozusagen das Herzstück der römischen Adventsliturgie. Man nennt sie auch die Antiphonae maiores, also die größeren, die wichtigeren Antiphonen. Das sind Ausrufe des Staunens, Gebetsanrufe, sie fangen immer mit dem großen, staunenden O an und rufen in siebenfacher Weise in alttestamentlichen Bildern Christus an, ohne ihn jedoch beim Namen zu nennen", Benediktinerpater Daniel Hörnemann, Abtei Gerleve, Münsterland.

    Jede Antiphon folgt demselben Melodieschema. Tatsächlich enthalten die Gesänge sogar eine versteckte Adventsbotschaft: Legt man die Texte aller O-Antiphonen der Reihe nach nebeneinander, dann ergeben die Anfangsbuchstaben der Schlüsselwörter, die jeweils nach dem O am Textanfang stehen - Sapientia, Adonai, Radix, Clavis, Oriens, Rex und Emmanuel – rückwärts gelesen die lateinischen Worte - "ero cras" – zu deutsch "morgen bin ich da". Eine Anspielung auf die Menschwerdung Gottes an Weihnachten.

    Alle Schlüsselworte ergeben die Botschaft: Morgen bin ich da

    "Antiphonen, das kommt aus dem Altgriechischen. Antiphonos, das ist etwas Entgegentönendes oder Antwortendes. Das sind Refrains, Kehrverse, die werden vor einem großen Gesang wie dem Magnifikat davor und danach gesungen, wiederholt. Das sind Rahmengesänge, die zur Eigenliturgie einer bestimmten kirchlichen Jahreszeit gehören", Benediktinerpater Daniel Hörnemann, Abtei Gerleve.

    Jedem Tag der Woche vor dem Vierten Advent entspricht genau eine O-Antiphon. Die erklingt nur an diesem Tag des Jahres. Früher wurden die Antiphone der klösterlichen Hierarchie folgend angestimmt: die erste vom Abt, die folgenden dann vom Prior, Subprior, Kantor, Novizenmeister, Gärtner oder Cellerar. Die Gesänge waren so beliebt, dass es sogar Nachdichtungen gab und die sieben Ur-Antiphonen bis auf zwölf erweitert wurden.

    Das "O" als theologisches Symbol für den Advent

    So alt wie die liturgischen Gesänge ist auch ihre Auslegung und Interpretation. Der Theologe Amalarius von Metz verfasste bereits um 830 eine ausführliche Deutung der Antiphonen: Für ihn ist dieses O am Textanfang Zeichen großen Erstaunens und damit Symbol für den Advent, die Zeit der Erwartung.

    Sendung

    Katholische Welt

    Von
    • Andreas Pehl
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