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Nur katholisch? So verehren Protestanten in Franken Maria | BR24

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Erstaunliches tut sich bei einer Spurensuche in Lutherstadt Wittenberg und Franken auf: Maria ist beileibe nicht nur katholisch, sie ist auch evangelisch. Die Mutter des Gottessohnes schafft Gemeinsamkeiten.

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Nur katholisch? So verehren Protestanten in Franken Maria

Bei Katholiken ist Maria gerade omnipräsent. Der Mai ist Marienmonat - und unter dem Motto "Maria 2.0" demonstrieren Frauen für mehr Rechte in der Kirche. Da vergisst man leicht, dass auch Protestanten Maria verehren. Zum Beispiel in Franken.

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Maria ist katholisch - so eine weit verbreitete Meinung. Protestanten könnten mit der Gottesmutter nur wenig anfangen. Weit gefehlt! Tatsächlich hat Martin Luther die "zarte Gottesmutter", wie er sie gern nannte, verehrt und geliebt als das leuchtende Vorbild eines christlichen Lebens ganz aus Gottes Gnade und ganz aus dem Glauben. Doch die Auswüchse des Marienkultes seiner Zeit waren ihm zuwider.

Luther rückt mittelalterliche Marienverehrung zurecht

In seiner Schrift "Magnificat" stellt Luther die mittelalterliche Marienverehrung sozusagen vom Kopf auf die Füße. Als Mönch hatte er gelernt, Christus als Richter, Maria aber als Gnadenstuhl anzubeten. Die Erlöserrolle war, zumindest in Teilen der Frömmigkeit, von Christus auf Maria übergegangen. Luther entdeckt die biblische Maria wieder, die einfache junge Frau. Für ihn ist Maria nicht Fürsprecherin oder Retterin, sondern ihre Rolle besteht darin, auf Christus zu verweisen. Der Reformator schreibt im Jahr 1520: "Sie will nicht, dass du zu ihr kommst, sondern durch sie zu Gott, an ihr lernst, in Gott zu trauen und zu hoffen."

Marienfrömmigkeit ist heute trotzdem vorrangig ein Kernstück katholischer Spiritualität. Doch durch die ökumenische Bewegung kommen sich die Kirchen näher. Sie versuchen, trennende Gegensätze durch ein tieferes Verständnis der gemeinsamen christlichen Wahrheit zu überwinden.

Überall in Franken gibt es Marienkrichen

Bezugspunkte gibt es viele. Im protestantisch geprägten Franken gibt es viele evangelische Kirchen, die Maria geweiht sind. Die Regionalbischöfin des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Bayreuth, Dorothea Greiner, macht darauf aufmerksam, dass es in jedem der 16 Dekanate des Kirchenkreises Bayreuth – also von Wunsiedel in Oberfranken bis Rügheim in Unterfranken - eine Marienkirche gibt. Eindrucksvoll ist zum Beispiel die Stiftskirche St. Marien in Himmelkron bei Bad Berneck.

Markante Marienkirche im unterfränkischen Königsberg

Eine der markantesten Marienkirchen findet sich im unterfränkischen Königsberg, seit 1523 als sächsische Exklave evangelisch-lutherisch. Schon 1518 weilte Martin Luther auf seinem Weg nach Heidelberg im dortigen Augustinerkloster. Pfarrer Peter Hohlweg führt mit Begeisterung durch die Marienkirche auf den Fundamenten eines romanischen Vorgängerbaus, dem ein gotischer, dann nach einem Brand im 30-jährigen Krieg ein barocker Bau folgte. Ihr jetziges Aussehen verdankt die Kirche einer grundlegenden Regotisierung aus dem Jahr 1904. An der Außenfassade trotzt eine Marienfigur den Witterungseinflüssen. Im Kircheninneren sind es kleinere Details, die in Verbindung zu Maria stehen.

Pfarrer Peter Hohlweg freut sich auch darüber, dass seine evangelische Marienkirche kürzlich als Gnadenstätte in den Fränkischen Marienweg aufgenommen wurde. Dieser Wander- und Radweg verbindet über 50 Marienwallfahrtsorte in Unterfranken und wird noch in diesem Jahr auf Oberfranken ausgeweitet: natürlich ökumenisch!

Viele Marienkirchen schon vor der Reformation geweiht

Aber wie ist es überhaupt zu erklären, dass es gerade in Franken so viele evangelische Marienkirchen gibt? Der Kirchenhistoriker Professor Rudolf Keller, Vorsitzender des Vereins für bayerische Kirchengeschichte mit Sitz in Nürnberg, sagt, dass die meisten Marienkirchen schon vor der Reformation auf den Namen Maria geweiht und ihr gewidmet worden seien. Es sind nur Ausnahmefälle, in denen nach der Reformation Marienkirchen geweiht wurden.

Rudolf Keller glaubt, dass "der Name Mariens als Bezeichnung für die Kirche an vielen Orten auch über lange Zeit vernachlässigt und mehr am Rande als historische Richtigkeit von einst erwähnt wurde, aber keine Bedeutung hatte." Die Besinnung auf die einzelnen Namen von Kirchen und so auch auf den Namen der Marienkirchen sei ein in neuerer Zeit entstandenes Phänomen, "und da hat man diese alten Namen wieder neu entdeckt und neu zur Bedeutung gebracht."

Marienkult wurde in evangelischen Kirchen nur selten wiederbelebt

Professor Keller räumt ein, dass mit dieser Neuentdeckung nicht auch der Marienkult als solcher wiederbelebt wurde. Nur in wenigen evangelischen Gemeinden sind die klassischen, biblisch bezeugten Marienfeste wie Verkündigung am 25. März oder Heimsuchung Mariens am 2. Juli gottesdienstlich begangen worden.

Eine Ausnahme war die fränkische Reformationsgeschichte in der Behandlung von Ausstattungsobjekten in Marienkirchen. "Das fränkische Luthertum hat die alten Kirchenausstattungen weitgehend erhalten", sagt Kirchenhistoriker Keller. "Deswegen ist das ja auch das Proprium dieser fränkischen lutherischen Kirchen, dass wir so viele schöne gotische Altäre hier finden. Nur in einzelnen Fällen sind Marienaltäre entfernt worden."

Besonders bekannter Marienaltar steht heute im Bamberger Dom

Ein besonders bekannter Marienaltar aus der Dorfkirche in Mühlhausen bei Bamberg sei aus der Kirche weggeschafft, aber nicht zerstört worden und konnte dann später im Bamberger Dom in einer Seitenkapelle aufgestellt werden, wo er bis heute zu sehen ist, so Keller.