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Nur auf Einladung! Der Hype um die neue App Clubhouse | BR24

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Limitierung ist das Zauberwort: Clubs, in die nicht jeder reinkommt, Einladungen, die nicht jeder erhält, Räume, in die nicht jeder darf. So funktioniert eine neue App, die gerade Furore macht - Clubhouse. Tobias Krone stellt sie vor.

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Nur auf Einladung! Der Hype um die neue App Clubhouse

Limitierung ist das Zauberwort: Clubs, in die nicht jeder reinkommt, Räume, in die nicht jeder darf. So funktioniert eine neue App, die gerade Furore macht: Clubhouse. Social Media – aber nicht für alle! Das weckt Begehrlichkeiten. Wie lange?

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Von
  • Tobias Krone

Wie man Clubhouse, diesem neuen mega-gehypten Netzwerk aus dem Silicon Valley beitritt? Nun ja, wie in Vor-Corona-Zeiten, wenn man in einen nicht-digitalen Club wollte: Man muss jemanden kennen, der schon drin ist. Außerdem funktioniert die App vorerst nur auf Apple-Smartphones. Wenn man wissen will, warum just in diesen Tagen der Hype rund um Clubhouse so unheimlich groß ist – dann wohl gerade aus diesem Grund, "dass es eine sehr interessante Einladungspolitik gibt. Das heißt, es gibt hier eine gewisse Form von Exklusivität." Sagt Markus Beckedahl, Sprecher der Plattform Netzpolitik.org, der selbst gerade von einem Gruppentreffen auf Clubhouse kommt.

Keine Bilder, nur die Stimme zählt

Man muss sich das vorstellen wie eine große Video-Konferenz – nur dass alle Teilnehmenden allein durch ihre Stimme anwesend sind. Das nehmen gerade viele als befreiend wahr. Nach den Pandemie-Monaten auf Zoom, Skype, Jitsi oder Teams in mehr oder weniger aufgeräumten Arbeitszimmern und Küchen ist es endlich vorbei mit dem Videozwang, sagt Beckedahl: "Man kann mit dem Kopfhörer im Ohr auch spazieren gehen, an Konversationen teilnehmen und man fühlt sich vor allem nicht die ganze Zeit beobachtet wie in einer x-beliebigen Videokonferenz."

Clubhouse suggeriert Gemütlichkeit – die Gruppentreffen kommen wie ein Podcast daher. Meist sprechen wenige, viele hören einfach nur zu. Wer seine App vormittags aufmacht, begegnet gähnender Leere. Lediglich ein paar betrunkenen Menschen aus den USA kann man dabei zuhören, wie sie sich über Geruch und Geschmack ihrer veganen Geschlechtspartner austauschen. Denn dort ist gerade tiefe Nacht. Gegen Abend mitteleuropäischer Zeit ist bei Clubhouse dann auch auf Deutsch Programm. Eine Gruppe namens "Testraum" etwa ist mit einem Bundestagsabgeordneten mit der Nachlese des CDU-Parteitags beschäftigt. Die Diskussion: Wäre es nicht besser, wenn der neue Parteivorsitzende von allen Mitgliedern der Partei und nicht nur von einer Auswahl an Delegierten gewählt worden wäre? Auch eine Partei wie die CDU hört sich hier jung, locker und, ja, sogar weiblich an.

Politiker erzählen über ihr Privatleben

Auch SPD-Chefin Saskia Esken ist gerade bei Clubhouse – sie berichtet über ihre Zeit als Mutter. Fazit: Heute würde sie alles ganz anders machen. Neben 169 Zuhörern und Zuhörerinnen, oder zumindest Endgeräten, lauscht auch Kevin Kühnert im Hintergrund, genauso wie Clara von Nathusius, die Leiterin der Bundestagswahlkampagne der CDU, die offenbar hier die Konkurrenz ausspäht. Spätestens seit FDP-Chef Christian Lindner am Wochenende Clubhouse beehrte, tummelt sich dort die Social-Media-Entourage der Parteien. Einen Raum weiter besprechen selbständige Kreative, wie sie mit der Corona-Krise und der Auftragsflaute klarkommen.

Die Sache mit dem Datenschutz

Noch wird sich auf Clubhouse benommen, doch es bleibt offen, wie anfällig das Format für Hate-Speech ist, wenn der Kreis einmal größer wird und eine überprüfende Redaktion ausbleibt, wenn etwa die Stunde später wird. Wie bei allen Social-Media-Apps gibt es große Bedenken in Bezug auf den Datenschutz, denn Clubhouse speichert die Gespräche für einen gewissen Zeitraum. Der Netzaktivist Markus Beckedahl kritisiert vor allem, "dass man halt Menschen motiviert, einfach ihre Adressbücher hochzuladen, obwohl das bedeutet, dass man all seine Kontakte, ohne gefragt zu haben, einem Unternehmen schenkt, wo man nicht so genau weiß: Was machen die damit?"

Am Ende könnte der Hype um Clubhouse nur für einige Monate anhalten, bis der Reiz des Neuen nachlässt. Oder Facebook, Twitter und Instagram die Funktionen von Clubhouse kopieren und bei sich nachbauen. Wie sie es schon bei Snapchat oder bei TikTok gemacht haben. Bis dahin kann man sie aber noch ein bisschen genießen, die exklusive Atmosphäre – vorausgesetzt natürlich, man ist schon eingeladen in den neuen Club.

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