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Jochen Malmsheimer: ein leidenschaftlicher Wortschöpfer | BR24

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Der Kabarettist Jochen Malmsheimer wird in Nürnberg mit dem Deutschen Kabarett-Preis 2018 ausgezeichnet. Der Preis ist mit 6.000 Euro dotiert und wird von der Stadt Nürnberg gestiftet.

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Jochen Malmsheimer: ein leidenschaftlicher Wortschöpfer

Für sein Talent skurrile Geschichten aus dem Leben zu erzählen, wird der Kabarettist Jochen Malmsheimer mit dem Deutschen Kabarett-Preis 2018 ausgezeichnet. Der Preis ist mit 6.000 Euro dotiert und wird von der Stadt Nürnberg gestiftet.

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Jochen Malmsheimer kämpft! Als waschechtem Kind des Ruhrgebiets, ist es ihm schließlich in die Wiege gelegt, auf den Putz zu hauen. In Malmsheimers Fall durch imposante Wortgewalt. Mit lauter Stimme auch für die leisen Zwischentöne, geht der gebürtige Essener seit Mitte der 90er seinen Weg auf den Bühnen des Landes. Wer Malmsheimer in Aktion erlebt, wird sich dessen Präsenz nur schwerlich entziehen können. Mit Vehemenz werden dort Werte verteidigt, wie die traditionsreiche Zusammensetzung einer Morgenmahlzeit, dem "Wurstbrot": "Da fangen wir mal ganz unten an im Laien, also im Süden mein ich, für den Laien. Dort ist eine Scheibe Graubrot, graues Brot! Aus echtem Mehl das wiederum aus echten Körnern stammt, mit einer richtigen Kruste. (...) Und dann, drei - in Worten drei, in Zahlen auch – DREI Scheiben Cervelat. Der Krieg is vorbei. Drei Scheiben Cervelat. Und da gibt’s ein Geschmackserlebnis das einem die Zähne aus dem Hals bläst, wenn sie nicht ordentlich verschraubt sind.“

Vom Studienabbrecher zum Buchhändler

Während des Studiums entdeckt Jochen Malmsheimer, dass die Wortkunst mehr Faszination auf ihn ausübt, als wissenschaftliche Abhandlungen. Das Germanistikstudium bricht er ab, macht stattdessen eine Lehre zum Buchhändler und Literatur zum Kern seines Lebens. Das Kabarett startet er 1995 zusammen mit Frank Goosen in der Programmreihe Tresenlesen. Sein Anspruch, immer auch Beanspruchung des Publikums, von seiner mitunter gemütlich-bärenhaften Art lasse man sich nicht täuschen.

Über die letzten zwei Jahrzehnte hinweg, tourt Jochen Malmsheimer mit vielen Weggefährten auf unterschiedlichen Missionen durch Deutschland. Den sozialen Medien verweigert er sich, lieber liest er mit Jürgen von der Lippe aus der Schatztruhe ihrer Buchentdeckungen. Mit den Kollegen Kemmler, Tretter, Ringlstetter geht er seiner Leidenschaft für schottische Folklore nach und auch der Blues hat es ihm angetan. Ins Fernsehen verschlägt es Malmsheimer nur selten, den Hausmeister in Urban Priols ZDF-Satiresendung "Die Anstalt" gibt er jedoch gern. Politische Haltung zu zeigen, gehört für ihn zum Duktus. Haltung die er mit Wucht vertritt, zum Beispiel in seinem Programm "Dogensuppe Herzogin": „Wäre es nicht wundervoll, wenn man Idioten allein durch Beobachtung zur Erkenntnis ihres ungeheuren Idioten-Seins führen könnte. Der dann vielleicht sogar eine Eigenentidiotisierung folgen könnte, sodass die Menge an Spitz und Flachköpfen, Maulärschen und Kompostschädeln durch’s zu-, an- und draufsehen endlich mal wieder kleiner würde. Man könnte enzephale Pegidioten, afdöse Genitalwarzen und den braunen Klärschlamm, die ganze nationale Jauche die uns um die Füße schwappt, allein durch’s Hinschauen verändern und da es ja dümmer nimmer geht, wird es zwangsläufig besser.“

Ein Wortschöpfer und Satzstapler

Jochen Malmsheimer engagiert sich leidenschaftlich für das Worte schöpfen. Er stapelt und schachtelt die Sätze, lotet dabei das volle Potential der Sprache aus. Dafür wird Malmsheimer am Abend mit dem deutschen Kabarettpreis ausgezeichnet. Der Förderpreis und 4.000 Euro gehen heuer an Nektarios Vlachopoulos. Anna Mateur erhält den mit 2.000 Euro dotierten Sonderpreis. Bei der Gala-Show werden die drei Künstler Ausschnitte aus ihrem aktuellen Programm präsentieren. Moderiert wird der Deutsche Kabarett-Preis vom Vorjahressieger Mathias Tretter.

Die Veranstaltung in der Nürnberger Tafelhalle ist seit Wochen bereits ausverkauft. Den Preis hat 1991 das Nürnberger Burgtheater ins Leben gerufen, um anspruchsvolles und ambitioniertes Kabarett zu würdigen.

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