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"Not Your Muse" von Celeste: Liebeslieder im Retro-Modus | BR24

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Unser Rezensent Christoph Möller hält "Not Your Muse" von Celeste für einen großen Wurf.

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"Not Your Muse" von Celeste: Liebeslieder im Retro-Modus

Die britische Musikerin Celeste beherrscht die große Geste des Pop genauso wie kleine, expressive Soulballaden und intime Liebeslieder. Schon mit ihrem Debüt steht fest – für die BBC und unseren Autor: Das ist eins der großen Alben 2021.

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Von
  • Christoph Möller

Man merkt schon gleich zu Beginn der Platte, dass "Not Your Muse" eines der Alben des Jahres ist. Celeste erklärt in ihrem Song "Ideal Woman", warum sie vermeintlich keine "ideale Frau" ist. Weil sie zu stolz ist? Zu laut? Zu groß? Es ist ihr egal, singt sie. Man solle keine falschen Ansprüche an sie haben. Das Stück ist eine Geste der Selbstermächtigung und soll klar machen: Hier geht es um den authentischen Ausdruck der 26-jährigen Celeste Epiphany Waite. Und die ist, vermeintlich, ein ganz anderer Popstar.

Doch so anders ist die in den USA geborene und in London lebende Musikerin dann auch nicht. Das ist extrem gut produzierter Pop. Die warme Retro-Stimmung erinnert an Amy Winehouse; der Gesang stellenweise an Adele und die leichte Melancholie an Norah Jones. Eine lockere Jazz-Ästhetik rahmt die meisten Stücke. "Not Your Muse" spielt mit Stimmungen. Auf den ruhigen Beginn folgen schnell expressive Soul-Balladen.

Doch "Not Your Muse" ist dann schon ein besonderes Album. Von Beginn an spürt man eine Aura, die sich schwer beschreiben lässt. Der beste Song des Albums ist "Stop This Flame". Celeste zitiert dafür die Melodie von Nina Simones Song "Sinnerman". Hier das Original:

Und hier Celeste:

"Stop This Flame" handelt davon, die Dinge, die man plant, auch durchzuziehen. Wenn am Ende des Pop-Jahrzehnts bestimmt wird, welche Stücke wichtig waren, wird "Stop This Flame" dazu gehören. Eine großartige Pop-Hymne. Celeste beherrscht nicht nur die große Geste des Pop, sondern auch die kleine. Zum Beispiel im Song "Beloved". Ein intimes Liebeslied. Celeste singt fast flüsternd.

Celeste, die Muse, die den Alltag der Corona-Pandemie erleuchtet

Was man an "Not Your Muse" schon bemängeln kann, ist dieser allzu starke Drang, retro klingen zu wollen. Das Cover-Artwork sieht aus, als würde es seit Jahren in einer verrauchten Bar in Nashville hängen: bräunlich matte Farben. Anders als zu Beginn des Albums, wo es schon auch persönlich wird, erfährt man auch nicht viel von Celeste. Sie lässt uns mit Liedern über Liebe und Herzschmerz ziemlich im vagen.

Doch so funktioniert natürlich großer Pop, besonders wenn er, wie im Fall von Celeste, auf ein großes Publikum abzielt. Die universellen Themen bieten viel Platz für eigene Gefühle und Erinnerungen. "Not Your Muse", so heißt das Album "Nicht eure Muse". Aber Celeste ist genau das: Eine Muse, die den Alltag der Corona-Pandemie erleuchtet. Musik wie warmes Licht in einer verrauchten Bar. Man möchte diese eleganten Songs zwar auch in großen Konzerthallen hören. Doch zum Glück sind bei Celeste auch die kleinen Gesten schon ganz groß: Diese intime Performance ist der perfekte Soundtrack gegen die Tristesse der Pandemie.

© Polydor/ Montage BR
Bildrechte: Polydor/ Montage BR

Cover: Celeste, Not Your Muse

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