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Die Nominierten zum Preis der Leipziger Buchmesse stehen fest | BR24

© picture alliance/akg-images

Schriftsteller Feridun Zaimoglu

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    Die Nominierten zum Preis der Leipziger Buchmesse stehen fest

    Der prominenteste unter den Nominierten ist Feridun Zaimoglu, außerdem sind Matthias Nawrat und die Debütantin Kenah Cusanit auf der Liste. In der Sachbuch-Sparte sind zwei Titel zur deutschen Geschichte nominiert - und Freudsche Alltagsobjekte.

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    Fünf Autorinnen und Autoren in drei Kategorien sind für den renommierten Preis der Leipziger Buchmesse nominiert: Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung. Kenah Cusanit hat es gleich mit ihrem Erstling "Babel" auf der Belletristik-Liste geschafft, einem Roman über den deutschen Archäologen Robert Koldewey, der 1913 im Auftrag der Deutschen Orientgesellschaft Leiter der Ausgrabung Babylons leitet – und unfreiwillig in den Wettlauf europäischer Mächte am Vorabend des Ersten Weltkriegs gerät.

    Eine literarische Menschheitsgeschichte

    Matthias Nawrat, dessen gerade erschienener Roman "Der traurige Gast" bereits von der Kritik hochgelobt wird, erzählt von einer Hauptfigur, die nur durch ihre Begegnungen mit anderen Kontur gewinnt. Und das im düsteren Winter des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche. Eine ratlose, verletzliche Gegenwart wird in diesen Begegnungen sichtbar, die Nawrat ohne falsches Pathos beschreibt.

    Ein erklärter Freund des Pathetischen ist Feridun Zaimoglu. Der Autor denkt groß und schreibt mit viel Wucht – über die Liebe und Luther, Istanbul oder "German Amok". Sein neuer Roman will nicht weniger, als die Menschheitsgeschichte aus der Sicht der Frau neu zu erzählen. So lautet denn auch der Titel: "Die Geschichte der Frau". Von Antigone über Brunhilde über die Trümmerfrau bis zur Gastarbeiterin vermisst der Kieler Schriftsteller diese Geschichte neu, sprach- und bildmächtig, wie die Jury befindet.

    Wie beschreibt man Gegenwart?

    Außerdem ist in der Sparte Belletristik die Berliner Autorin Anke Stelling nominiert, die mit "Schäfchen im Trockenen" eine höchst zeitgenössische Existenz beschreibt: Ihre Protagonistin Resi wird wohnungslos, nachdem das Untermietverhältnis bei Freunden zerbricht. Wer Kinder bekommt, strebt Richtung Eigenheim, die anderen bleiben zurück. Ein illusionsfreier, wütender, realistischer Roman über die fragilen sozialen Beziehungen der Gegenwart, die Sehnsucht nach bürgerlichem Leben und – durchaus eine Besonderheit in der deutschen Literatur – über die Klassenfrage des Spätkapitalismus.

    "Winterbergs letzte Reise" heißt der Roman, mit dem der Prager Autor Jaroslav Rudiš nominiert ist: Ein biersüchtiger Altenpfleger und ein uralter Sudetendeutscher reisen per Eisenbahn durch Ostmitteleuropa, von Berlin nach Sarajevo über Liberec, Prag, Wien und Budapest. Während der gemeinsamen Fahrt kommen Geheimnisse und Traumata zum Vorschein, die auch mit der Geschichte dieser Gegend zu tun haben. Jaroslav Rudiš erzählt davon mit einer vielleicht sehr tschechischen Mischung aus Witz und Traurigkeit – sein erster auf Deutsch verfasster Roman.

    Nominierungen Sachbuch und Übersetzung

    In der Kategorie Sachbuch/Essayistik stehen zwei Titel zur deutschen Geschichte auf der Liste der Nominierten: "Republik der Angst. Eine andere Geschichte der Bundesrepublik" von Frank Biess und "Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945-1955" von Harald Jähner. Marko Martin ist für sein literarisches Journal "Das Haus in Habana. Ein Rapport" nach Kuba gereist, Lothar Müller lässt in "Freuds Dinge. Der Diwan, die Apollokerzen & die Seele im technischen Zeitalter" Requisiten des Alltags von Freud und seiner Psychoanalyse erzählen und Kia Vahland hat über "Leonardo da Vinci und die Frauen" geschrieben.

    Nominiert in der Kategorie Übersetzung sind Georg Aescht für seine Übertragung von Liviu Rebreanus "Der Wald der Gehenkten" aus dem Rumänischen, Susanne Lange, die Aura Xilonens "Gringo Champ" aus dem Spanischen übersetzt hat, Timea Tankó mit ihrer Übersetzung des ungarischen Novellenbands "Löwenchor" von György Dragomán, Karin Uttendörfer mit der Übertragung von Jean-Baptiste Del Amos "Tierreich" und Eva Ruth Wemme mit "Verlorener Morgen" von Gabriela Adameşteanu, übersetzt aus dem Rumänischen.

    Reichtum von Formen und Genres

    359 Werke aus 114 Verlagen wurden für die hochkarätige Auszeichnung eingereicht. "Wie wir leben und wie wir leben könnten, mit diesen Fragen beschäftigen sich zahlreiche der vorgeschlagenen Werke", so der Juryvorsitzende Jens Bisky. "Es sind Geschichten der Gegenwart, mit einem großen Reichtum der Formen und Genres: vom Essay bis zum Epochenroman, von der Biografie bis zum Gedicht."

    Der mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Preis der Leipziger Buchmesse wird seit 2005 vergeben und ehrt herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen. In diesem Jahr gehören der siebenköpfigen Jury Wiebke Porombka und Gregor Dotzauer sowie die neuen Mitglieder Elke Schmitter, Katrin Schumacher, Marc Reichwein und Tobias Lehmkuhl an. Vergeben wird der Preis am Eröffnungstag der Leipziger Buchmesse, dem 21. März 2019, in der Glashalle der Messe.

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