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Diese Bücher sind im Rennen um den Leipziger Buchpreis | BR24

© picture alliance/Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Die Leipziger Buchmesse 2019 beginnt am 21. März

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Diese Bücher sind im Rennen um den Leipziger Buchpreis

Wer wird den Preis der Leipziger Buchmesse gewinnen? Insgesamt 15 Bücher sind in den Kategorien Belletristik, Sachbuch und Übersetzung nominiert. Sie reichen von einem Roman zum Terroranschlag von Berlin bis zu einer Reisereportage über Kuba.

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Seit 2005 wird der mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Preis der Leipziger Buchmesse vergeben. In der Jury sind dieses Jahr unter der Leitung von Jens Bisky Gregor Dotzauer, Wiebke Porombka, Elke Schmitter, Katrin Schumacher, Marc Reichwein und Tobias Lehmkuhl. Sie haben aus 359 Werken von insgesamt 114 Verlagen die herausragenden gewählt – und vergeben den Preis am 21. März um 16 Uhr in der Glashalle der Leipziger Messe.

Die Kandidat*innen in der Kategorie Belletristik

Den alphabetischen Anfang in der Kategorie Belletristik macht ein Roman, der die gegenwärtige Diskussion über den Umgang mit dem Erbe des Kolonialismus bereichert: In "Babel" von Kenah Cusanit (Hanser Verlag) setzt die Berliner Autorin dem Archäologen Robert Koldewey, der 1913 das sagenumwobene Babylon ausgrub, ein Denkmal.

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© BR Cornelia Zetzsche

Autorin Kena Cusanit über ihre Nominierung

Ebenfalls in der Kategorie "Belletristik" nominiert ist "Der traurige Gast" von Matthias Nawrat (Rowohlt Verlag). Der vierte Roman des 1979 im polnischen Opole geborenen und inzwischen in Berlin wohnenden Schriftstellers, der seit seinem 11. Lebensjahr in Deutschland lebt, erzählt von dem Winter in Berlin, in dem der Terror auf dem Breitscheidplatz die Stadt und die ganze Republik erschütterte.

"Winterbergs letzte Reise" von Jaroslav Rudiš (Luchterhand Verlag) beleuchtet die Geschichte Ost- und Mitteleuropas vom Zug aus: Ein biersüchtiger Altenpfleger und ein uralter Sudetendeutscher reisen per Eisenbahn durch die Lande, alte Traumata kommen hoch. Es ist der erste Roman, den der in Prag lebende Schriftsteller auf Deutsch geschrieben hat.

Anke Stelling überzeugt die Jury mit "Schäfchen im Trockenen" (Verbrecher Verlag), weil ihr Roman "die starken Affekte – Wut, Zorn, Stolz – literarisch produktiv" werden lasse. Es geht um das Zerbrechen einer alten Freundschaft an divergierenden Lebensphasen und -entwürfen: Eine sechsköpfige Familie muss den geliebten Kiez Prenzlauer Berg verlassen und an den Stadtrand ziehen, weil ein alter Kumpel den günstigen Untermietsvertrag nicht verlängert.

Feridun Zaimoglu gehört auch in diesem Jahr wieder zu den Nominierten, diesmal mit "Die Geschichte der Frau" (Kiepenheuer & Witsch). Darin versammelt er Frauengeschichten aus dem Alten und Neuen Testament, aus der Mythologie (Nibelungensaga) und eigenen Romanen ("Leyla") – sozusagen zur Ehrenrettung des weiblichen Geschlechts. Oder, wie der Kieler Schriftsteller selbst sagt: "Diesem Buch geht es um die Ehre der Frauen. Das ist etwas pathetisch, aber mich freut es."

Die Kandidat*innen in der Kategorie Sachbuch

Nominiert in der Kategorie Sachbuch ist Frank Biess mit "Republik der Angst" (Rowohlt Verlag), seiner "anderen Geschichte der Bundesrepublik". Der "weniger selbstzufriedene Blick auf die Geschichte der Bundesrepublik" hat die Jury vom Buch des Historikers überzeugt: Biess lässt darin die Geschichte der BRD mit der Schockstarre der Kapitulation beginnen und als eine Folge von Angstkrisen fortschreiten. "Die Geschichte der Bundesrepublik wird gerne als Erfolgsgeschichte erzählt," erklärt Biess im Interview mit Titel, Thesen, Temperamente. "Mir geht es darum, das Bewusstsein der Zeitgenossen abzubilden, die anders als die heutigen Historiker nicht wissen konnten, wie die Geschichte letztendlich enden würde."

In "Wolfszeit" (Rowohlt Berlin) widmet sich Harald Jähner den Deutschen der ersten zehn Nachkriegsjahre. Der promovierte Germanist, Journalist und Kritiker beeindruckte die Jury mit seiner sehr empathischen und anschaulichen Darstellung der "Stunde Null", in der sich "ein ganzes Land neu erfunden hat".

Marko Martins ist mit seiner Reisereportage über Kuba, "Das Haus in Habana. Ein Rapport" (Wehrhahn Verlag) nominiert. Er gewinnt in Auseinandersetzung mit Christoph Buch, Mario Vargas Llosa und im Gespräch mit regimekritischen Intellektuellen einen sehr eigenen Zugang zum Leben in Kuba. "Marko Martin setzt sich vielem aus und schreibt fast alles mit; lakonisch, empört, verzaubert. Hin- und hergerissen ist auch, wer das liest", sagt die Jury.

Der Literaturwissenschaftler, Essayist und Redakteur der Süddeutschen Zeitung Lothar Müller beleuchtet in "Freuds Dinge. Der Diwan, die Apollokerzen & die Seele im technischen Zeitalter" (Die Andere Bibliothek) Freuds Aufdeckung des Verdrängten und zugleich die Dingwelt des 19. Jahrhunderts. Die Jury ist fasziniert von seiner "elektrisierenden Neu-Ordnung der Freudschen Habseligkeiten."

Die Kunsthistorikerin Kia Vahland zeigt in ihrem Buch "Leonardo da Vinci und die Frauen. Eine Künstlerbiographie" (Insel Verlag), wie das Universalgenie einen neuen Typ Frau entdeckt: geistreich und selbstbewusst, auf Augenhöhe agierend und alles Unterwürfige hinter sich lassend.

© Bayern 2

"Die Malerei ist weiblich" - Kia Vahland über das Universalgenie Leonardo da Vinci

Die nominierten Übersetzer*innen

Neben den Preisen für Belletristik und Sachbuch vergibt die Jury auch immer einen Preis für herausragende Übersetzungen. Nominiert sind diesmal:

  • Liviu Rebreanu: "Der Wald der Gehenkten" (Paul Zsolnay Verlag), aus dem Rumänischen von Georg Aescht
  • Aura Xilonen: "Gringo Champ" (Carl Hanser Verlag), aus dem Spanischen von Susanne Lange
  • György Dragomán: "Löwenchor" (Suhrkamp Verlag), aus dem Ungarischen von Timea Tankó
  • Jean-Baptiste Del Amo: "Tierreich" (Verlag Matthes & Seitz Berlin), aus dem Französischen von Karin Uttendörfer
  • Gabriela Adameșteanu: "Verlorener Morgen" (Die Andere Bibliothek), aus dem Rumänischen von Eva Ruth Wemme

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