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Nockherberg: Maximilian Schafroth ist jüngster Fastenprediger | BR24

© Bayern 2

Heute feiert Maximi Schafroth beim traditionellen Politiker-Derblecken sein Debüt auf dem Nockherberg. Er ist verblüffend gelassen, obwohl er - Jahrgang 1985 - so jung ist und starke Vorgänger hat: Acht Jahre hielt Luise Kinseher die Fastenpredigt.

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Nockherberg: Maximilian Schafroth ist jüngster Fastenprediger

Maximilian Schafroth feiert beim traditionellem Politiker-Derblecken sein Debüt auf dem Nockherberg. Er ist verblüffend gelassen, obwohl er, Jahrgang 1985, so jung ist und starke Vorgänger hat: Acht Jahre hielt Luise Kinseher die Fastenpredigt.

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Maximilian Schafroth wirkt ganz schön gelassen dafür, dass sein Karriere-Highlight kurz bevorsteht, wohl weil er weiß, worauf er bauen kann: "Ich hab den Vorteil, ich bin jung und die sind’s nimmer. Der Vorteil der Jugend: Man kann mit einer Nonchalance daherkommen und sagen: Mei, des tut mir leid, das hab ich gar net so gemeint … Und vielleicht hat man es doch so gemeint." Beim Interview ist er freundlich, gut gelaunt und kann kaum still sitzen. Etwas permanent Hibbeliges geht von ihm aus. Der ewige Lausbub aus dem Allgäu halt. Der Nockherberg ist ihm nicht ganz unbekannt. Schon drei Mal trat er in Singspielen auf. Einmal als österreichische Dragqueen: Conchita Wurst. Stand ihm ganz gut damals. Spinnen wir mal weiter. Ein Transgender-Fastenprediger – wäre das was?

Eine Transgender-Mama-Bavaria?

"Das ist was, das Bayern durchaus vertragen könnte: eine Transgender-Mama-Bavaria. Wenn ich das Geschütz auffahre - wer weiß, ob es passiert, oder nicht - aber ich glaube, dass die CSU das erste Mal, wie die AfD, geschlossen den Saal verlassen könnte." Er darf natürlich nichts verraten. Soll ja spannend bleiben. Maximilian Schafroth wurde mit den Jahren immer politischer. In der NDR-Satiresendung extra3 schlüpft er in die Rolle des Bayers, der den Norddeutschen den Freistaat erklärt. Denn manches versteht man da oben nur schwer. Zum Beispiel, warum es in Bayern ein neues Polizeigesetz brauchte.

Vergangenen Oktober: Landtagswahl in Bayern. Auch hier hat Maximilian Schafroth die passende Erklärung für das gute Abschneiden der Freien Wähler. "Die Leute suchen das Einfache, das ist ja ein Trend, das Regionale. Das bis zur Banalität runtereduzierte Simple. Das suchen die Leute. Und dann steht da der Aiwanger Hubert, dieses politische Pantoffeltierchen im mintgrünen C&A-Hemd mit der Klettkrawatte. Und dann denken sich die Leute: Mensch, da ist noch einer, der mit der Welt überfordert ist. (lachen) Und da ist noch einer, dem das Smartphone ab und zu in die Kloschüssel reinrutscht."

Die Rolle des Bayers hat er drauf

Die Rolle des Bayers – die hat er verinnerlicht. Noch mehr aber ist er Allgäuer. Selbst auf einem Bauernhof groß geworden, belächelt er Münchner Touristen, die immer auf der Suche nach dem Authentischen sind. Maximilian Schafroth gelingt es dabei, seine Spitzen so in Watte zu packen, dass man mitlachen muss, obwohl man selbst gemeint ist. "Wenn ich merken würd, das geb ich offen zu, wenn ich merken würd, die Person, mit der ich grade red, findet das grad richtig scheiße. Und ich hab vielleicht das Gefühl, ich bin grad zu scharf, dann wär es wahrscheinlich so, dass ich mich nicht so wohlfühlen würd."

Kabarett: Das ist eben nicht nur Draufhauen. Das ist Agieren mit dem Publikum. Beim Nockherberg, wo die Politiker und Politikerinnen direkt vor ihm sitzen – eine ganz besondere Gratwanderung. Mit Maximilian Schafroth läutet der Nockerherg eine neue Generation ein. Den jungen Wilden nennt man ihn. Dabei ist er gar nicht so wild. Sondern fast schon sanft. "Ich will ja bei den Menschen was hinterlassen. Wenn man das mit einer Eltern-Kind-Situation vergleicht: Ich weiß nicht, ob man mit einer Watschn viel bewegt, oder ob da am End ned a Depp rauskommt."

Ein paar kleine Watschn dürfen es beim Nockherberg schon sein. Er selbst hat mal gesagt: Beim Kabarett muss man ans Herz andocken und gleichzeitig hinten ein kleines Taschenmesser reinrammen.

Ob es pikst? Oder richtig wehtut? Schau ma mal.

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