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Nobelpreis für Peter Handke: Gespaltene Reaktionen | BR24

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Der Literaturnobelpreis geht an den österreichischen Schriftsteller Peter Handke. Der Literaturnobelpreis 2018 geht an die polnische Schriftstellerin Olga To-'karczuk.

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Nobelpreis für Peter Handke: Gespaltene Reaktionen

Der Literaturnobelpreis 2019 geht an den österreichischen Dichter Peter Handke. Das Echo auf diese Ehrung ist gespalten – vor allem wegen seiner politischen Haltung.

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Peter Handke bekommt den Nobelpreis für Literatur 2019. Der Dichter selbst scheint nicht damit gerechnet zu haben: "Ist das wahr?", habe er auf Deutsch gesagt, als Anders Olsson, der Vorsitzende des Nobelkomitees der Akademie, den Dichter heute Mittag angerufen hat. Olsson berichtet: "Er war sehr, sehr gerührt. Erst hat er kaum ein Wort herausbekommen."

"Ohrfeige für politische Korrektheit"

Der Literaturkritiker Denis Scheck findet, Handke sei ein "würdiger Preisträger", wenn auch ein großer Provokateur: "Die politische Korrektheit hat eine krachende Ohrfeige erhalten, eine Niederlage erlitten". Ein Umstand, den nicht nur Denis Scheck begrüßt.

Auch der Schweizer Autor und Büchner-Preisträger Adolf Muschg ist angetan von der Entscheidung der Jury. Er rechne es dem Nobelpreiskomitee hoch an, dass Handkes Literatur gewürdigt und seine politische Haltung sowie die "gewisse Macho-Komponente" in den Hintergrund gerückt wurden, sagte Muschg.

Krsto Lazarević, Mitarbeiter im Europaparlament, zeigte sich auf Twitter dagegen geschockt, dass Handke trotz seiner Parteinahme im Balkankrieg geehrt wird:

Auch die österreichische Journalistin und Feministin Nicole Schöndorfer kritisierte die Auszeichnung Handkes. Sie wies darauf hin, dass außer seiner Haltung zu Milošević auch seine Aussagen über Frauen und die #MeToo-Bewegung Gründe seien, "warum Peter Handke nicht mit 800k belohnt werden sollte".

Die Autorin Margarete Stokowski macht sich einen Spaß aus den Vorhersagen ihrer Kollegen, die alles andere erwartet haben als einen Literaturnobelpreisträger, der in der #MeToo-Debatte aneckte:

Auch Handkes jüngerer Kollege Saša Stanišić ist erstaunt über die Wahl der Schwedischen Akademie und erinnert an den für ihn verletzendsten Text des Provokateurs und Dichters.

Handkes Verlage sind begeistert – und Elfriede Jelinek auch

Der Suhrkamp Verlag, der seit 1966 Handkes Bücher verlegt, zeigte sich nach Bekanntgabe des Literaturnobelpreises verständlicherweise begeistert. "Der Verlag freut sich riesig" und kündigt für kommendes Jahr gleich ein neues Buch und ein Theaterstück von Peter Handke an. Freude bekundete auch Handkes französischer Verlag Gallimard.

Ähnlich begeistert äußerte sich Elfriede Jelinek, die bereits vor 15 Jahren mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet worden ist. "Großartig! Er wäre auf jeden Fall schon vor mir dran gewesen", teilte die Autorin der österreichischen Nachrichtenagentur APA mit. Aus ihrer Sicht war es "höchste Zeit", dass Handke diese Auszeichnung erhält. Sie freue sich auch, dass die Auszeichnung an jemanden gehe, "auf den sie in Österreich endlich stolz sein werden".

Österreich feiert den in Kärnten geborenen Dichter

Stolz auf ihn sind die Politiker der Alpenrepublik jetzt schon: Die österreichische Bundesregierung hat dem neuen Literatur-Nobelpreisträger via Twitter gratuliert. "Diese große Auszeichnung ist höchst verdient & eine würdige Anerkennung für ein literarisches Ausnahmetalent", twitterte Regierungssprecher Alexander Winterstein im Namen von Kanzlerin Brigitte Bierlein und Kulturminister Alexander Schallenberg. Handke habe Generationen von Lesern bewegt.

Auch Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen zeigte sich sehr erfreut: "Mit Peter #Handke hat ein Autor den #Nobelpreis gewonnen, dessen leise & eindringliche Stimme seit Jahrzehnten, Welten, Orte & Menschen entwirft, die faszinierender nicht sein könnten" twitterte er.

Mit Humor reagierte der Chefredakteur des SZ-Magazins Timm Klotzek – und spielte auf Peter Handkes Krimi „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ an.