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Nina Hoss beeindruckt als Geigerin in "Das Vorspiel" | BR24

© Port-au-Prince/24 Bilder

Nina Hoss als Geigerin Anna in "Das Vorspiel"

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Nina Hoss beeindruckt als Geigerin in "Das Vorspiel"

Mit "Lara" und "Prélude" kamen zuletzt zwei Filme ins Kino, die den Leistungsdruck in der Klassik-Welt thematisierten. Nun folgt "Das Vorspiel" von Regisseurin Ina Weisse – getragen vom Zusammenspiel von Nina Hoss und Ilja Monti.

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Vordergründig seziert dieser Film vielleicht die Verkrümmungen, die ein Körper, die eine Seele im Laufe des Lebens ertragen lernen muss. Seine Wärme aber gewinnt "Das Vorspiel" aus einer anderen Frage: Wie lässt sich einem Menschen Erleichterung verschaffen? Welche Sätze können ihn, wenn er gerade wieder einmal ringt mit den krummen Stellen seines Selbst, berühren, vielleicht ja sogar herausreißen aus diesem nicht zu gewinnenden Kampf?

Ein Satz, den dieser Film vorzuschlagen hat, klingt so: "So ist es einfacher. Guten Appetit." Das ruft Philippe seiner Frau zu, als er sein Steak an sie übergibt und die Nudeln übernimmt, die sie zwar geordert hat, jetzt aber nur noch kritisch beäugt. Beiläufig geschieht all das und gerade darin liegt die Großzügigkeit der Geste. Denn voraus geht ihr eine Szene der Unsicherheit, die der Zuschauer zum ersten Mal, Philippe gewohnheitsmäßig miterlebt: Seine Frau Anna hadert bei der Bestellung im Restaurant, kann sich nicht entscheiden zwischen Apfelschorle und Weißwein, zwischen Pasta Bolognese oder Gorgonzola.

Gratwanderung zwischen Ambition und Verunsicherung

Anna wirkt sonst nicht wie eine unsichere Frau. Sie weiß ihren Alltag zu meistern – ist ambitioniert, wenn es um ihre Geigenschüler geht. Sie hat mit Philippe einen Mann an ihrer Seite, der seine Lebendigkeit auch aus der Musik zieht und der sie, nicht anders als den gemeinsamen Sohn, auf eine Art liebt, die sich bedingungslos nennen lässt.

So wirkt auch Anna zunächst gelassener, großzügiger als die Kollegen am Musikgymnasium, die mit ihr die neuen Schüler aussuchen: Während die anderen mäkeln, findet sie doch immer etwas Positives am Vorspiel der jungen Aspiranten. Anna wird sich durchsetzen, Alexander, diesen nicht nur körperlich verkrampften Jungen, unterrichten und mit ihm um den richtigen Ton kämpfen.

© Port-au-Prince/24 Bilder

Alexander und Annas Sohn Jonas erhalten gemeinsamen Unterricht.

Ohnehin erinnert einiges im Leben dieser Frau zunehmend an einen Kampf: die Besuche beim Vater, dessen Ansprüche an die Tochter der Zuschauer sofort spürt – wenige Wortfetzen reichen dafür aus. Die Hinweise an den Sohn – einen Hund brauche er nicht, er habe schon einen: seine Geige. Die Nähe zum Ehemann, die Anna stärkt, ihr aber auch zu schaffen macht – spürt sie neben ihm doch umso deutlicher, dass sie die Dinge nicht einfach laufen lassen, dass sie nicht leicht vertrauen kann. Vielleicht braucht sie deshalb ihren Kollegen als Geliebten – weil dieser Mann eine andere Art der Erleichterung verspricht: das spontane Zutrauen, den frischen Blick, der ihr sagt, was sie sich wünscht: Warum nicht selbst auf die Bühne gehen, statt andere auf den Auftritt vorzubereiten? Mit ihm gemeinsam wagt sie es – und scheitert.

Nina Hoss und Ilja Monti tragen den Film

Welche Ängste in den Spielern stecken und wie sie ihre Körper, Hand, Schulter, Kopf, verstellen, das beobachtet dieser Film mit empathischem Blick. Die Kamera steht dafür selbst immer wieder hinter der halb geschlossenen Tür, sie selbst muss sich scheinbar verrenken, um die Verkrampften ins Visier zu nehmen. Und an ihnen, an Nina Hoss als Lehrender, und Ilja Monti als Schüler, liegt es, dass der Film gelingt: Denn sie lösen ihr Spiel nie zu einer Seite hin auf: Die Anspannung lassen sie nie ganz gewinnen, immer suchen sie – mal mit-, mal gegeneinander – nach den Möglichkeiten, sich zu entspannen und aufzubegehren: gegen die eigene Kontrolle und die der anderen.

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