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Kurt Russell als Santa Claus im Film "The Christmas Chronicles"
© picture alliance/Everett Collection

Autoren

Matthias Morgenroth
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Kurt Russell als Santa Claus im Film "The Christmas Chronicles"

Warum hat der Nikolaus einen Sack dabei und bringt Geschenke?

Im Mittelalter war es der Nikolaus, der - ein paar wenige - Gaben für Kinder brachte, am 6. Dezember, seinem Heiligentag. An Weihnachten gab es dagegen in der Regel nichts. Für die Gaben braucht es natürlich einen Sack - und auch zum Erschrecken. Denn der Bischof Nikolaus war über Jahrhunderte ein sehr gestrenger Mann - so wie die Kirche eine Institution von Strafe und Belohnung war. Deswegen hatte der heilige Bischof auch immer wieder einige Winter-Schreckgestalten dabei, etwa den Krampus oder den Rupprecht - letzterer Name bedeutet eigentlich "Rauer Percht".

Der Nikolaus ist die einzige Figur des Gabenbringer-Personals, die historisch gelebt hat. Nikolaus war im vierten Jahrhundert Bischof von Myra - das liegt in der heutigen Türkei. Im Mittelalter wurde er als Heiliger so verehrt, dass die Kreuzfahrer sogar seine Gebeine der Ostkirche klauten und nach Italien brachten. Martin Luther und in der Folge die Kirchen der Reformation wollten die Heiligenverehrung insgesamt einschränken - und die Frömmigkeit auf Jesus Christus hin ausrichten. Das betraf auch den Nikolaus. Künftig sollten die Kinder doch lieber an Weihnachten etwas bekommen, am Fest zu Jesu Geburt. Das hat sich landauf landab durchgesetzt.

Der ewige Wettstreit: Wer ist „echter“, der Nikolaus oder der Weihnachtsmann?

Fest steht: Der Nikolaus ist älter. Aber: Auch der Weihnachtsmann ist ein "echter" Gabenbringer. Er ist mehr als nur eine Werbegestalt aus Amerika. Seine Geburtsstunde liegt zur Zeit der Reformpädagogik in Norddeutschland, in evangelisch geprägten Gebieten. Anfang des 19. Jahrhunderts wollte man dem in katholischen Gegenden immer noch praktizierenden Bischof Nikolaus und seiner oft harten Rute etwas Freundlicheres und weniger Klerikales entgegensetzen: entstanden ist der Weihnachtsmann. Bis heute bringt er dort, wo das Christkind nicht hinkommt, die Geschenke.

Auf Umwegen und durch Auswanderer kam der Weihnachtsmann auch nach Amerika. Und dort wurde er vor allem durch die Werbung eines großen Getränkeunternehmens weltberühmter Weihnachtswerbeträger mit tiefem Ho-Ho-Ho. Wie viel diese Figur noch mit dem freundlichen Mann zu tun hat, der bis heute an Heiligabend in Norddeutschland unterwegs ist, muss jeder selbst entscheiden.

Ist das Christkind dasselbe wie das Christuskind?

Ganz sicher lässt es sich nicht klären, wann das Christkind zuerst aufgetaucht ist. Interessanterweise kommt auch diese Gestalt ursprünglich aus den Kirchen der Reformation. Denn wenn man die Frömmigkeit weg von Heiligentagen auf Weihnachten hin verlagern will, entstehen mehr oder minder automatisch auch neue Bräuche. Ursprünglich nannte man wohl den Anführer eines Engelsumzugs in Thüringen und Sachsen das "Christkind". Wann es das erste Mal nach Bayern geflogen ist, ist nicht ermittelbar. Das Christkind und das Christuskind sind auf jeden Fall nicht identisch. Das eine bringt die Gaben, das andere liegt in der Krippe und ist - theologisch gesprochen - selbst so eine Art Geschenk für die Welt.