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Wegen Rassismus-Debatte: Nico Semsrott verlässt Die PARTEI | BR24

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Krach unter Satirikern: Weil der Europaabgeordnete Martin Sonneborn nach einem umstrittenen Tweet "ignorant" auf Kritik reagiert habe, tritt Kollege Semsrott aus der PARTEI aus. Das "schreckliche Mandat" im Europaparlament will er jedoch behalten.

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Wegen Rassismus-Debatte: Nico Semsrott verlässt Die PARTEI

Krach unter Satirikern: Weil der Europaabgeordnete Martin Sonneborn nach einem umstrittenen Tweet "ignorant" auf Kritik reagiert habe, tritt Kollege Semsrott aus der PARTEI aus. Das "schreckliche Mandat" im Europaparlament will er jedoch behalten.

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Von
  • Peter Jungblut

Schluss mit lustig: In der PARTEI hängt der Haussegen schief und Nico Semsrott ist nicht mehr länger dabei. Hintergrund ist eine heftige Auseinandersetzung mit Martin Sonneborn, einst Chefredakteur von "Titanic" und langjähriger Europa-Abgeordneter. Er wird seit Tagen wegen einer Satire attackiert, in der er sich über Chinesen und deren Probleme mit dem "r" lustig machte. Seine Gegner werfen ihm seitdem Rassismus vor. So schrieb das Magazin "Vice" über Sonneborn: "Seine Witze sind nicht nur alt, sondern auch veraltet. Und wenn sich dann noch Rassismus dazu mischt, wie in letzter Zeit immer öfter, dann muss man die Frage stellen, ob Sonneborn nicht langsam seinen Platz am Raclette-Tisch der PARTEI-Familie räumen sollte."

Semsrott: "Sonneborn sollte gehen"

Sonneborn twitterte darauf: "Cooles Stück Journalismus. Sind wir so nah an der 5-Prozent-Hürde?" Über das T-Shirt mit der umstrittenen Aufschrift "AU WIEDELSEHERN, AMLERIKA!" wolle er künftig ein Jackett ziehen, so der Satiriker. Mit seiner Aktion habe er darauf hinweisen wollen, dass Propagandamittel für Donald Trump in China hergestellt worden seien: "So, und jetzt bitte schön diskutieren, was Satire darf & soll, die Grenzen bitte nicht vergessen. Merke: der erste Zugriff ('Wah! Rassismus!') ist oft nicht der beste. Beleidigungen werden geblockt, ich gehe jetzt Schlitten fahren", hieß es in einem weiteren Tweet.

Mit einer "humorlosen Erklärung" verkündete Sonneborns Parlamentskollege Semsrott jetzt seinen Abschied von der PARTEI: "Für mich geht es bei Martin Sonneborns Tweets von vergangener Woche weniger um eine Debatte über den Sinn und Zweck von Satire, sondern vielmehr um einen ignoranten Umgang mit Feedback. Wenn sich Menschen von seinen Postings rassistisch angegriffen fühlen, muss er nicht viel tun. Es reichen Mitgefühl und der Respekt vor den Betroffenen, um das eigene Verhalten zu korrigieren."

© Kay Nietfeld/BR Bild

Martin Sonneborn (rechts), wie er den ehemals der SPD angehörenden Bundestagsabgeordneten Marco Bülow in die PARTEI aufnimmt.

Der verflixte gesellschaftliche Kontext von Satire

Wenn Sonneborn "der Kritik keinen Raum" mehr geben könne, so Semsrott, den "gesellschaftlichen Kontext (Rassismus, fortschreitender Rechtsruck) ausblende" und "beleidigt seine Machtposition ausnutze", sobald Betroffene sich gegen Beleidigungen wehrten, solle er "gehen, weil er aus der Zeit gefallen und am falschen Ort" sei: "Natürlich kann Martin Sonneborn Witze v e r s u c h e n, wie er will. Aber ich bin raus, wenn er kein Mitgefühl zeigt und weder versteht, wo oben und unten ist, noch, dass seine Verantwortung als Vorsitzender von Die PARTEI mit 50.000 Mitgliedern und zuletzt 900.000 Wähler*innen weit über das hinaus geht, was ein Titanic-Chefredakteur vor 20 Jahren können musste."

Semsrott findet Sonneborns Verhalten "falsch und inakzeptabel". Er wolle daher sein Gesicht nicht länger der PARTEI zur Verfügung stellen. Gleichwohl schreibt der Satiriker und Politiker: "Das schreckliche Mandat im EU-Parlament werde ich als PARTEI-Loser bis zum bitteren Ende ausführen. Ich könnte das Leid nicht verantworten, das ein*e Nachrücker*in statt meiner ertragen müsste."

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