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Nicht nur in Tschechien eine Legende: Karel Gott gestorben | BR24

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Die Titelmelodie der "Biene Maja" wurde zu seinem Markenzeichen: Der klassisch ausgebildete Tenor galt als einer der größten Stars der Schlagerwelt, war in seinem Heimatland allerdings auch umstritten. Karel Gott wurde 80 Jahre alt.

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Nicht nur in Tschechien eine Legende: Karel Gott gestorben

Die Titelmelodie der "Biene Maja" wurde zu seinem Markenzeichen: Der klassisch ausgebildete Tenor galt als einer der größten Stars der Schlagerwelt, war in seinem Heimatland allerdings auch umstritten. Karel Gott wurde 80 Jahre alt.

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In den letzten Monaten arbeitete Karel Gott an einem Film über sein Leben, den er eigentlich im Sommer fertigstellen wollte, doch dann war ihm das Familienleben nach eigener Aussage wichtiger. Gezeichnet von seiner Krankheit, wollte er offenbar noch einmal die Sonne und das Leben genießen, statt im Studio zu sitzen und sich um das autobiografische Projekt zu kümmern. Kürzlich hatten die Ärzte bei ihm Leukämie diagnostiziert, eine Erkrankung, die er zunächst ebenso geheim hielt wie einen vorherigen Lymphdrüsenkrebs. Er wolle die Öffentlichkeit nicht mit seinen privaten, schon gar nicht mit seinen gesundheitlichen Problemen belästigen, so der Schlagerstar. Doch dann machte er seinen Zustand in Interviews doch bekannt und fortan war er damit in den Schlagzeilen.

© Horst Ossinger/dpa

Auf dem Höhepunkt des Ruhms

Mit Udo-Jürgens-Song kam der Durchbruch

Nicht nur in seinem Heimatland Tschechien war Karel Gott eine Legende, gewann dort sage und schreibe 42 Mal den Publikumspreis "Goldene Nachtigall", und als "Goldene Stimme aus Prag" war er auch im deutschsprachigen Raum beliebt und geschätzt. Der 1939 in Pilsen geborene Sänger machte zunächst eine Lehre als Elektriker, war aber schon seit 1958 in kleinen Tanzcafes unterwegs. Ein Jahr darauf wurde er vom Bandleader Karel Krautgartner entdeckt, der ihn für eine Tournee verpflichtete und an das Prager Konservatorium empfahl. Gott konnte dort drei Jahre studieren und brachte 1963 seine erste Single heraus, eine tschechische Version von Henri Mancinis "Moon River". Vier Jahre später durfte er ein Gastspiel in Las Vegas geben. Beim Eurovision Song Contest 1968 in London vertrat er mit dem Udo-Jürgens-Song "Tausend Fenster" Österreich und kam damit auf Platz 13 von 16. Trotz dieser eher mäßigen Platzierung war das sein Durchbruch im deutschsprachigen Raum.

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Unvergessen bleibt seine "Biene Maja": Der große Schlagersänger Karel Gott ist tot. Vor seinem Haus legen Menschen Blumen nieder. Der tschechische Regierungschef Andrej Babis will ein Staatsbegräbnis für die Legende der Unterhaltungsmusik.

"Etwas Besonderes" in der Schlagerwelt

Die siebziger Jahre wurden zu seiner erfolgreichsten Ära. "Lady Carneval" (1969), "Babicka" (1979), vor allem aber "Einmal um die ganze Welt" (1970) waren Hits. 1977 nahm er die Titelmelodie der Zeichentrick-Serie "Biene Maja" für das ZDF auf und kam damit gleich auf Platz 1 der NDR-Schlagerparade. Seitdem war Karel Gott einer der gefeierten Sänger, der die größten Hallen füllte und fünfzig Millionen Tonträger verkaufte. Noch im Dezember 2014 mobilisierte er 12 000 Fans bei einem Auftritt in Prag. Rainer Moritz, der Chef des Hamburger Literaturhauses und Karel-Gott-Experte, nannte in einem Interview mit der kulturWelt auf Bayern 2 im vergangenen Juli den Sänger "etwas Besonderes", weil er als einer der wenigen Schlagerstars aus Osteuropa stammte - anders als der "Schein-Russe" Ivan Rebroff, der in Berlin geboren wurde oder die melancholische Sängerin Alexandra, die aus Ostpreußen kam.

© Wolfgang Weihs/dpa

Sonniges Gemüt mit Biene Maja

Breschnew intervenierte für ihn

Aufmerksamkeit fand auch Karel Gotts Verhältnis zur Staatssicherheit in der damaligen Tschechoslowakei. 1971 blieb er ohne Genehmigung im Westen, was die Behörden in seiner Heimat alarmierte. Seine Wohnung wurde durchsucht, seine Verwandten verhört. In der Bundesrepublik wurde er von Agenten überwacht. Angeblich kehrte erst nach Prag zurück, als die dortigen Behörden ihm "alle Freiheiten" garantiert hatten, was sogar dem sowjetischen Parteichef Breschnew wichtig gewesen sein soll. Kritiker bemängelten freilich die Systemnähe von Karel Gott, der gern bei offiziellen Anlässen präsent war und viel Sendezeit im tschechischen Fernsehen bekam.

Ob Karel Gott auch einen unterwürfigen Brief an den kommunistischen Staatschef Husák schrieb, um in seine Heimat zurückkehren zu können, blieb umstritten. Sicher ist dagegen, dass er 1977 die "Anti-Charta" unterzeichnete, einen von den Machthabern erzwungenen Aufruf, der die Systemopposition unter Václav Havel diffamierte. In einem Gespräch mit der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit" begründete Karel Gott seine Unterschrift mit der Angst vor einem Berufsverbot: "Mir war bewusst, dass ich mich den Umständen in meinem Land anzupassen hatte, wenn ich nicht Berufs- oder Auftrittsverbot bekommen wollte, so wie es vielen Künstlern erging." Bei der friedlichen Wende 1989 sang Gott gleichwohl mit den Demonstranten auf dem Wenzelsplatz die Nationalhymne.

Kurz vor Mitternacht am vergangenen Dienstag ist Karel Gott verstorben. Der tschechische Präsident Milos Zeman würdigte ihn mit den Worten, sein Tod sei eine "ungeheuer traurige Nachricht für unser ganzes Land". Karel Gott sei "ein wirklicher Künstler" gewesen, "der sein Leben anderen geschenkt hat". Regierungschef Andrej Babis bezeichnete Gott als einen der "größten Tschechen": "Er ist gestorben, aber ich glaubte, dass er für immer sein werde."

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Karel Gott ist heute mit 80 Jahren verstorben. Er besang nicht nur die "singende, kochende, tanzende Babicka" oder die "kleine, freche, schlaue Biene Maja". Etwa 150 Millionen verkaufte Tonträger zeugen von einem großen künstlerischen Werk.

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