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"Neustart Kultur": Monika Grütters fordert 1,5 Milliarden Euro | BR24

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Bildrechte: Michael Kappeler/dpa-Bildfunk

Damit Künstler nach dem Lockdown so schnell wie möglich wieder loslegen können, will die Bundeskulturstaatsministerin noch mehr Geld in die Hand nehmen. Die bisher genehmigte "Kulturmilliarde" sei fast ausgeschöpft, der Mehrbedarf absehbar.

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"Neustart Kultur": Monika Grütters fordert 1,5 Milliarden Euro

Damit Künstler nach dem Lockdown so schnell wie möglich wieder loslegen können, will die Bundeskulturstaatsministerin noch mehr Geld in die Hand nehmen. Die bisher genehmigte "Kulturmilliarde" sei fast ausgeschöpft, der Mehrbedarf absehbar.

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Von
  • Peter Jungblut

Sie fühle sich derzeit "wie auf Entzug", sagte Bundeskulturstaatsministerin Monika Grütters, so sehr fehle ihr die Live-Kultur. Und sie macht sich auch keine Sorgen, dass das Publikum nach dem Lockdown ausbleibt, ganz im Gegenteil, so ihre Prognose, die Sehnsucht werde "riesig" sein, wieder ins Theater, ins Kino oder Konzert gehen zu können. Deshalb hat Grütters auch bereits im vergangenen Sommer ein Programm unter dem Titel "Neustart Kultur" auf den Weg gebracht, für das vom Bundestag eine Milliarde Euro bereit gestellt wurde. Das sei auch "psychologisch wichtig", so die Staatsministerin, um der Kultur eine Perspektive aufzuzeigen. Die Pandemie werde sonst zu einem "nicht enden wollenden Alptraum".

Mit dem Geld sollen Kultureinrichtungen fit gemacht werden für die Zeit nach der Pandemie, es geht in diesem Fall ausdrücklich nicht um Soforthilfe oder Unterstützungsmaßnahmen für notleidende Kulturschaffende. Vielmehr soll die Infrastruktur modernisiert werden. Es geht zum Beispiel um die Förderung digitaler Angebote, um "pandemiebedingte" Investitionen, um Ausfallkosten bei Filmproduktionen, um Übersetzerfonds und Stipendien. Größter Einzelposten ist die Musiksparte mit bisher anvisierten 150 Millionen Euro Förderung, von denen knapp 1.300 Antragsteller schon insgesamt rund 70 Millionen Euro bewilligt bekommen haben.

Und weil von der Milliarde alles in allem jetzt schon knapp 900 Millionen Euro verplant sind, aber 34.000 Anträge gestellt wurden, setzt Grütters darauf, dass die Haushälter ein Einsehen haben und abermals 1,5 Milliarden Euro locker machen. Alles andere würde einen "immensen Schaden für den kulturellen Reichtum" bedeuten, so Grütters. Der Andrang von Festivals und Clubs ist so groß, dass manche der insgesamt 60 "Teilprogramme" schon um 350 Millionen Euro "überzeichnet" sind, also mehr Nachfrage als Fördergeld da ist.

Kommen die Zuschauer "automatisch" wieder?

Im Ausland seien die Kulturschaffenden geradezu "neidisch" auf den "Neustart Kultur", so Grütters. Was die direkte Unterstützung von Künstlern betrifft, hofft sie auf die "schnelle und konsequente" Auszahlung der noch mal aufgestockten Mittel von bis zu 7.500 Euro pro Antragsteller. Es dürfe nicht "ewig dauern".

Olaf Zimmermann, der Geschäftsführer vom Deutschen Kulturrat, verwies auf der Online-Pressekonferenz darauf, dass es beim "Neustart Kultur" nicht darauf ankommt, inhaltliche Angebote er zu ermöglichen, es gehe auch darum, zeitgemäße Hygiene-Maßnahmen zu finanzieren und Mittel zur Verfügung zu stellen, um das Publikum wieder auf Kultur aufmerksam zu machen. Anders als Grütters ist Zimmermann nicht der Ansicht, dass die Menschen "automatisch" wieder in die Veranstaltungssäle strömen, wenn die Pandemie im Griff ist. Er sprach von "extremen Verwerfungen" und erwartet demnach, dass viel Geld für Marketing nötig wird, um die Zuschauer wieder zu motivieren, Live-Kultur anzusehen.

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