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Neues Woodkid-Album "S16": Anstrengend schöner Zündschnur-Pop | BR24

© Bayern2

2013 veröffentlichte der französische Musiker und Regisseur Yoann Lemoine unter dem Namen Woodkid sein erstes Album. "The Golden Age" wurde ein Welterfolg. Jetzt kommt das zweite Album auf den Markt, sein Titel: "S16"

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Neues Woodkid-Album "S16": Anstrengend schöner Zündschnur-Pop

Sieben lange Jahre ist es her, dass Woodkid mit seinem Debut-Album "The Golden Age" einen weltweiten Erfolg feierte. Sein neues Album "S16" klingt so dramatisch und unheilvoll wie man es von Yoann Lemoine kennt – Hoffnung macht Woodkid nur eines.

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Bis auf "Bauer sucht Frau" haben vermutlich alle TV-Formate der letzten Jahre, die ihr ganzes Gedöns noch mit Bombast und Drama aufbauschen wollten, Musik von Woodkid verwendet. Insofern ist der Plan von Woodkid schon mal nicht aufgegangen: Er habe sich deshalb so viel Zeit gelassen fürs neue Album, nämlich ganze sieben Jahre, um den Erfolg zu verarbeiten – und idealerweise auch ein wenig vergessen zu werden. Um möglichst unabhängig von seinem Erstling etwas wirklich Neues und Eigenes angehen zu können. Schöne Idee, Monsieur, aber je suis très desolée: So wirklich neu ist dieser neue Woodkid nicht.

Gleich knallt's!

Denn wieder ist das Album gespickt mit Songs, die sich so dramatisch und unheilvoll zuspitzen, dass man am liebsten aufspringen und fluchtartig aus dem Zimmer stürmen möchte, gejagt von dem Gefühl, gleich wird was explodieren und dieser unheimliche japanische Mädchenchor zählt den Countdown runter bis zur Apokalypse, gleich knallts... Augen zu und... dann passiert doch mal wieder... nichts!

Und statt Weltende hören wir Yoann Lemoine, wie Woodkid mit bürgerlichem Namen heißt, im Balladenmodus. Puh, doch alles gut. Und süß, wie da im dazugehörigen Video ein schwarzer Köter ergeben um sein Herrchen Woodkid rumschleicht. Aber Moment, es ist eben kein normales Wauwau. Der Hund hat etwas roboterhaftes. Ein schwarz glänzendes Etwas, das sich mit jedem Einatmen aufbläht und im Kopf des Betrachters bläht sich ein dunkler Gedanke auf: Diese schwarze Masse wird gleich über ihr Herrchen herfallen. Wird die Maschine das Menschliche zerfetzen und auslöschen.

Die Szene wird nicht aufgelöst und schon schleppt uns Woodkid zum nächsten Drama-Schauplatz: Im kunstvollen Video zur Single „Goliath“ folgt ein Kohlekumpel zwischen den riesigen Schaufelrädern dem Weg der Kohle, die in einem Abgrund, in einem tiefen Feuerloch landet, wo gerade das nächste schwarze Riesenmonster geboren wird.

Schwefel als Sinnbild

Junge, wo läufst du hin? Wie konntest Du Dich nur so verlieren? Wie kann man nur so blind sein!? singt der chronisch unheilvoll intonierende Woodkid. Das zerbrechliche Individuum umgeben von mächtigen Energiekörpern in einem Kosmos aus Maschinen. Und der Albumtitel als ultimatives Sinnbild dafür: S16. Das chemische Element von Schwefel. Der Inbegriff jenes Kontrasts, an dem sich Woodkid in den neuen Songs abarbeitet: Schwefel – einerseits Symbol für Teufel und eine düstere Welt. Schwefel, die Grundzutat zur Herstellung von Waffen. Schwefel wird aber auch als Dünger eingesetzt. Als Lebenserzeuger.

Wie geht also nun die ganze Sache aus? Mensch vs. Maschine? Woodkid setzt auf die jungen, neuen Generationen. Und holt noch einmal den japanischen Mädchenchor – quasi als mehrköpfiges Orakel auf die Bühne. Der Chor klingt gleichzeitig utopisch und dystopisch. Gleichzeitig Katastrophenunkenruf und Hoffnungsecho. Diese Gleichzeitigkeit macht Woodkids Zündschnur-Pop so anstrengend schön. Achtung, gleich knallts!

© Universal

Albumcover von Woodkids neuem Album "S16"

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