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Neues "Kultur-Kraftwerk" auf dem Augsburger Gaswerk-Gelände | BR24

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Auf dem Augsburger Gaswerk-Gelände entsteht ein einzigartiges Kreativquartier für Künstler, Musiker und Start-Ups. Im Zentrum des neuen Quartiers: das Staatstheater und seine Übergangsspielstätte.

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Neues "Kultur-Kraftwerk" auf dem Augsburger Gaswerk-Gelände

Tausende von Quadratmetern für Künstler, Musiker und andere Kreative: Auf dem Augsburger Gaswerk-Gelände entsteht ein einzigartiger Ort für Kulturschaffende. Nach der Corona-Pause kehrt auch hier das Leben zurück. Höchste Zeit – finden die Kreativen.

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Das frühere Gaswerk im Augsburger Stadtteil Oberhausen ist ein Juwel der Industriegeschichte. 1915 ist es in Betrieb gegangen. Über Jahrzehnte wurde Schwabens größte Stadt von hier aus mit Gas versorgt. Doch das ist lange vorbei: Wo früher aus Kohle Gas gewonnen wurde, entwickelt sich nach und nach eine Art "Kultur-Kraftwerk". Stadt und Stadtwerke entwickeln das Gaswerkgelände zu einem Ort, an dem Theater-, Kunst- und Musikszene ein Zuhause haben.

Auch Augsburger Staatstheater auf Gaswerk-Gelände vertreten

Viele Kreative sind schon da, und auch das Staatstheater Augsburg nutzt das Gelände zurzeit als Spielstätte – so lange bis das Große Haus in der Innenstadt saniert und der geplante Neubau dort fertig ist. Wegen Corona war in letzter Zeit auf dem Gaswerk-Gelände vergleichsweise wenig los, aber das ändert sich gerade.

Im historischen Ofenhaus, der Übergangsspielstätte des Staatstheaters, absolvieren beispielsweise die Mitglieder des Ballett-Ensembles dieser Tage ihre ersten Trainingseinheiten nach der Corona-Pause. Wegen der Ansteckungsgefahr müssen auch sie Abstand halten. Und doch konnten es die Tänzer kaum erwarten, nach wochenlanger Pause wieder zu trainieren.

Ballettdirektor: einer der besten Säle Deutschlands

"Wir waren fast alle im Ballettsaal wie Papageien", sagt Ballettdirektor Ricardo Fernando. "Wir haben so viel gesprochen und geredet und gelacht – es war wirklich ganz toll!" Vom Saal im Ofenhaus schwärmt er in den höchsten Tönen. Der weitläufige Raum befindet sich in einem Tonnengewölbe unterm Dach, von den Seiten und durch Dachfenster dringt Licht ins Innere. Einer der besten Ballettsäle Deutschlands, findet Fernando.

Überhaupt macht das Ofenhaus was her: ein Industriedenkmal aus dem frühen 20. Jahrhundert, das Foyer hoch wie ein Kirchenschiff. Ein Ort wie geschaffen für großes Theater. Das findet auch André Bücker, der Intendant des Augsburger Staatstheaters. Er nennt die Eingangshalle einen "einzigartigen Ort". Das ganze Gebäude habe "diese Patina eines alten Industriebaus". Man fühle sich hier einfach auf Anhieb wohl.

Theaterintendant schwärmt von der Stimmung auf Gaswerk-Gelände

Wie die Zusammenarbeit mit den Nachbarn auf dem Gaswerk-Gelände läuft? Bücker gibt eine ehrliche Antwort: Man dürfe sich das nicht so vorstellen, dass man im Alltag permanent miteinander zu tun habe. Das sei eher ein Entwicklungsprozess. Aber er fügt hinzu: "Schön ist einfach die Atmosphäre: dass verschiedene kreative Richtungen auf dem Gelände vertreten sind, das macht sich einfach in der Stimmung bemerkbar. Und das ist schon super!"

Die Idee ist, dass das Theater aufs ganze Gaswerk-Gelände ausstrahlt. Stadt und Stadtwerke bieten Künstlern, Musikern und anderen Kreativen Werkstätten, Probenräume und Ateliers – und das auf Tausenden von Quadratmetern. Die Miete ist relativ niedrig – auch das ein Argument für Künstler, sich in Augsburg-Oberhausen niederzulassen.

Gaswerk-Gelände bietet Räume für Bands aus der Region

Lisa Seifert ist vor rund einem Jahr beruflich aufs Gaswerk-Gelände gezogen, zusammen mit den anderen Mitgliedern der Augsburger Band "John Garner". In ihrem Probenraum: zwei Sofas, ein Retro-Lampenschirm, Tour-Plakate an der Wand. Für Seifert ist der Raum nicht nur "Arbeitsmittelpunkt, sondern auch Lebensmittelpunkt". Man arbeite hier, man probe hier. Und: "Wir versacken hier auch mal nach der Probe noch auf zwei Bier." Einer von ihnen sei immer da.

Gerade jetzt natürlich, weil die Indie-Folk-Band zurzeit wegen Corona nicht auf Tour gehen kann. Aber die Musiker streamen fleißig – und das nächste Album ist schon in Arbeit. Die kreative Nachbarschaft sei in diesem Zusammenhang hilfreich, sagt Seifert. Zum Beispiel, wenn sie einen neuen Song probeweise vor Publikum performen wollen. Dann hole man sich die Leute eben in den Probenraum, um Feedback zu bekommen. "Ich finde das schöner, als wenn man immer alleine vor sich hinwurschteln müsste."

80 Künstler haben Ateliers auf Gaswerk-Gelände bezogen

Die Einsamkeit muss die Sängerin hier tatsächlich nicht fürchten. Die Stadtwerke arbeiten nach eigenen Angaben daran, Platz für 60 Bands zu schaffen. Auch bildende Künstler sind auf dem Gaswerk-Gelände vertreten: Rund 80 von ihnen haben dort schon ein Atelier bezogen. Und wenn kommendes Jahr wieder Großveranstaltungen möglich sind, dürfte auch das Modular-Festival nach Oberhausen zurückkehren. Das Jugendmusikfestival zieht jedes Mal zehntausende Besucher an.

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