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Musikgewordenes Alterswerk: Das neue Album von "The Who" | BR24

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Und, können sie es noch? Offiziell hat sie sich 1983 aufgelöst, die wohl exzessivste Rockband der Geschichte: The Who. Trotzdem haben sie danach immer mal wieder zusammengespielt. Jetzt gibt es doch ein neues Album.

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Musikgewordenes Alterswerk: Das neue Album von "The Who"

Und, können sie es noch? Offiziell hat sie sich 1983 aufgelöst, die wohl exzessivste Rockband der Geschichte: The Who. Trotzdem haben sie danach immer mal wieder zusammengespielt. Jetzt gibt es doch ein neues Album.

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"Mir doch egal, ich weiß ja, dass du diesen Song hassen wirst“, so fängt es also an: Mit der gepflegten altbekannten Stinkefinger Haltung einer der größten Rockbands der Vergangenheit. Freundlicher sind sie nicht geworden, die Herrschaften. Robert Daltrey singt: "Ich bin zwar nicht gegangen, aber ich werde auch nicht zurückkommen. Habe weder Frust noch Lust. Die Musik wird sowieso verschwinden, so wie wir auch."

Aber, diese erste Nummer auf dem Album WHO ist gut: "Mein Song, dein Song, fuck, egal" - ein aufgeblasenes Wutschnauben von übel gelaunten alten Männern: einem grantelnden Pete Townshend, der die Songs auf WHO natürlich geschrieben hat und einem miesepetrigen Roger Daltrey, der seine Gitarre auf "All The Music Must Fade" niederrockt, als würde das Ganze damit besser. Was auf diesem Opener unbedingt gelingt. Wut war schon immer der beste Antrieb für Rockmusik, die rockt und nicht nur schaukelt. Zahllose Gitarren wurden in Gedanken an The Who zerstört. Mit ikonographischen Eigenheiten wie Townshends Windmühlengestus und dem inbrünstigen Hineintreten in Schlagzeuge wurden The Who so bekannt, wie ihre Songs. Mensch und Musik, beides rücksichts- und schonungslos.

Der Opener hält nicht, was er verspricht

Nettigkeiten haben die beiden Legenden Townshend und Daltrey zwar nicht nötig, können sie sich aber leisten. Roger Daltrey ist erfolgreich auf der Bühne als Theaterschauspieler, Pete Townshend hat sich in Soloaktivitäten gestürzt, um seinen alten Affen im Nacken, das hässliche Gefühl von Leere und Verlorenheit, darin zu begraben. Nach wie vor reizt ihn die Idee, Rockmusik mit klassischer Musik zu vereinen. Auf diesem Album spielt aber höchstens Folk und noch mehr Classic-Rock mit. Leider. Der überzeugende Opener des Albums hält nämlich nicht, was er verspricht.

Ein verspäteter musikalischer Kommentar zu Guanatanmo erscheint trotz breit aufgefahrener, aber typischer WHO- Intonation matt. "I Don't Wanna Get Wise" ist ein peinlich anmutender Titel für eine gefällige Rocknummer und "Detour" könnte man als Anspielung auf das Jugendwerk der Band verstehen. Denn "Detour" hieß die erste Bandversion, bevor The Who The Who hießen. Ein autobiographischer Querverweis und es ist nicht das einzige Selbstreferentielle auf diesem Album.

Musikalische Moden sind an The Who spurlos vorübergezogen, obwohl das neue Album erschreckenderweise damit angekündigt worden war, es gäbe Sampling. Mag sein, ist aber egal, weil unhörbar. Daltrey und Townshend lassen sich schon länger von Ringo Starrs Sohn Zak Starkey am Schlagzeug unterstützen, an der Gitarre außerdem: Pete Townsends jüngerer Bruder Simon und Pino Palladino am Bass.

Schnulzig und beliebig

11 Songs haben uns The Who auf WHO bereitgestellt, ab Song Nummer fünf wird es teils schnulzig und überwiegend beliebig. Eine Rockballade namens "Beads On One String" braucht man von The Who nicht, aber es freut uns zu hören, dass Daltrey auch mit 75 Jahren noch immer eine kräftige, tragende Stimme hat. Zumindest auf Platte. In Texas musste er vor zwei Monaten allerdings einen Auftritt wegen Stimmverlust abbrechen.

Für die Aufnahmen zu diesem Album haben sich Daltrey und Townshend lieber voneinander ferngehalten. Der eine schickte dem anderen Demos und Texte, der andere hat seinen Senf von weitem entfernt dazu beigetragen. Nicht unüblich heutzutage. Doch noch ein quasi moderner Ansatz. Gemischt wurde die ganze Sache dann an einem dritten, vermeintlich neutralem Ort.

Wenn unantastbare, historisch wichtige und bleibend bedeutende Ikonen im Alter von Mitte bis Ende 70 wie Bob Dylan, die Stones , Neil Young und eben The Who noch mal Platten aufnehmen, sind die mal mehr, mal weniger gut, aber ok. Und so schmiegt sich WHO ein in die lange Reihe Musik gewordener Alterswerke.

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