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Piers Morgan: Goldene Karriere-Aussichten

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    Neuer "Goldfinger"? Medienmogule reißen sich um Piers Morgan

    Es geht um ein Gehalt von zehn Millionen Pfund und eine neue Sendung: Der wegen unflätiger Bemerkungen gegen Meghan beim Sender ITV geschasste Star-Moderator sieht offenbar beruflich einer "goldenen" Zukunft entgegen. Geht er zu Fox News?

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    Von
    • Peter Jungblut

    Hat er wirklich den "Goldfinger"? Ist er der König Midas der internationalen Medienbranche? Jedenfalls sagte ein TV-Manager im britischen "Daily Mirror" über Piers Morgan: "Er hat Angebote, die Millionen von Pfund schwer sind. Er machte seine Show 'Good Morning Britain' zu einem Quotenwunder, sieht so aus, als ob er alles, was er anfasst, zu Gold macht. Die Leute sind verrückt nach seiner Aufrichtigkeit, auch die, die ihn nicht mögen, können nicht anders, als an ihm interessiert zu sein. Einige Angebote liegen bei zehn Millionen Pfund und es sieht ganz danach aus, dass er genau da landet, wo er hin möchte."

    Damit würde sich die Prophezeiung von Medien-Experten erfüllen, wonach Morgan der eigentliche Gewinner seines spektakulären Rausschmisses bei ITV ist. Dort hatte er für Aufruhr gesorgt, weil er bekannte, kein Wort von dem zu glauben, was Meghan, die Herzog von Sussex, in ihrem gemeinsamen Interview mit Harry gesagt hatte, vor allem nicht ihre "Selbstmordgedanken".

    Kinderfoto zum britischen Muttertag

    Morgan feierte seine Kündigung angeblich mit Champagner, auf jeden Fall aber mit jeder Menge Tweets. Da der vierte Fastensonntag in Großbritannien traditionell als Muttertag gefeiert wird, ehrte er aktuell seine Mutter, die ihn immer auffange, wenn das Leben etwas verzwickt ("tricky") werde und garnierte die Botschaft mit einem Kinderfoto von sich.

    Dass sein neuestes Buch "Wake Up" inzwischen Topseller in Großbritannien ist, bewegte den kämpferischen Konservativen nach eigenen Worten sehr. Gleichzeitig rauft er ständig weiter mit Leuten, die anderer Meinung sind. So kanzelte er den Kommentator der ehrwürdigen "Times", Giles Coren, mit den Worten ab: "Meine Erfahrung mit Meinungsbeiträgen, vor allem im vergangenen Jahr, ist, dass die Leute, die mit mir einverstanden sind, meine Ansichten sehr intelligent und aufrichtig finden, diejenigen, die abweichende Positionen haben, meine Meinung jedoch dämlich finden und nicht glauben, dass ich sie ernst nehme." Coren hatte in einer Kolumne abgestritten, ein "Freund" von Morgan zu sein und ihn heftig kritisiert.

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    Umlagert in London

    Andrew Neil, der Vorstandschef des Nachrichtensenders "GB News", der dieses Jahr auf Sendung gehen und der BBC Konkurrenz von rechts machen soll, ist erklärtermaßen bereits an Piers Morgan dran und glaubt, dass der Moderator ein Quotenbringer wäre. Aber auch Musik-Manager Simon Cowell will nach Informationen des "Mirror" kurzfristig im Fernsehgeschäft aktiv werden und sei ein guter alter Bekannter von Morgan. Unter Bezugnahme auf Exklusiv-Quellen wird jedoch eher angenommen, dass Morgan erneut in die USA gehen wird, wo er bei CNN bereits drei Jahre lang eine erfolgreiche Sendung hatte.

    Deshalb ist von Verhandlungen mit Rupert Murdoch die Rede, der nicht nur der Eigentümer von Fox News ist, sondern demnächst ebenfalls einen neuen Nachrichtenkanal in England starten will, und zwar einen "meinungsstarken". Bei seinem früheren Sender ITV soll Morgan rund drei Millionen Pfund verdient haben, so dass die neuen Angebote offenbar deutlich darüber liegen.

    Will er sich ins "Schwert stürzen"?

    Seinen immer wieder pathetisch beschworenen Glauben an die "Meinungsfreiheit" lässt sich Morgan somit reichlich entgelten. Allein sein Anwesen im Westen von London wird auf sechs Millionen Pfund geschätzt. Gemessen an seinen äußerst auskömmlichen Lebensumständen wirkt manches seiner Twitter-Zitate bizarr: "Wenn ich mich ins Schwert stürzen muss, um eine ehrliche Meinung über Meghan Markle zu haben und ihre Hetzrede aus Gequatsche, mit der sie ihr Interview bestritten hat, dann mag es so sein." Der Fall Morgan wird damit immer mehr zu einem Lehrbeispiel für die erbitterte Auseinandersetzung um politische Korrektheit, "Cancel Culture" und dafür, wo die Grenzen des Sagbaren liegen und liegen sollten.

    Unterdessen hat ITV ganz andere Sorgen: Der Aktienkurs fiel, die Quoten ebenfalls. Die Buchmacher setzen bei der Frage, wer Piers Morgan in der Morgensendung nachfolgen soll, mehrheitlich auf Adil Ray, der Urlaubsvertretung von Morgan. Ray ist derzeit mit der Sprach-Spielshow "Lingo" auf ITV beschäftigt. Aber auch Ben Shephard und Ranvir Singh zählen zu den Favoriten.

    Stress auch für Morgans Freundin Sharon Osbourne

    Piers Morgan rechtskonservative "Schwester im Geiste", Sharon Osbourne, die sich mit dem umstrittenen Moderator allzeit solidarisch erklärt hat, muss sich derzeit ebenfalls in den USA heftige Vorwürfe gefallen lassen. Ihre ehemalige schwarze Kollegin Holly Robinson Peete, die mit ihr einst gemeinsam die CBS-Sendung "The Talk" bestritt, warf ihr Rassismus vor. So sei sie von Osbourne mit dem Satz beschimpft worden, sie habe zu viel "Ghetto"-Ausstrahlung, twitterte Peete. Sie bringe die Angelegenheit jetzt aufs Tapet, weil Osbourne in der Auseinandersetzung um Meghan und Morgan so respektlos daher geredet habe.

    Gemeint war damit eine in den US-Medien viel diskutierte CBS-Sendung vom Mittwoch, in der sich Osbourne bitter beklagt hatte: "Ich fühle mich, als ob ich in einen elektrischen Stuhl gepresst werde, nur weil ich einen Freund habe, den viele für einen Rassisten halten. Das macht mich offenbar auch zu einer." Die schwarze Interviewerin Sheryl Underwood wurde von Osbourne während der Sendung angefaucht, sie solle nicht "rumheulen" und nicht versuchen, sie zu "erziehen". Kritiker hatten teilweise den Eindruck, Osbourne habe versucht, ihre Interviewerin regelrecht "zu verhören". Nach der Sendung jammerte Osbourne, sie sei "reingelegt" und in eine defensive Haltung hinein manövriert worden.

    Morgan selbst eilte seiner Freundin zur Seite und geißelte Underwood, sie solle sich was schämen und habe Osbourne unschicklich behandelt.

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