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Eine neue Synagoge für Regensburg | BR24

© BR/Muggenthaler, Thomas

Die Neue Synagoge Regensburg

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    Eine neue Synagoge für Regensburg

    Am 27. Februar wird in Regensburg die Neue Synagoge eingeweiht. Ein neues Gotteshaus für eine sehr alte Gemeinde: Die jüdische Gemeinde Regensburg blickt auf eine fast tausendjährige Geschichte zurück.

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    Durch den Zuzug aus den Nachfolgestaaten der früheren Sowjetunion zählt die Regensburger Gemeinde derzeit rund 1.000 Mitglieder, was dazu führte, dass die Räume aus allen Nähten platzten. Deswegen war der Wunsch nach einem Neubau so groß, erklärt der 70-jährige Rabbiner Joseph Bloch. Denn aktuell feiere die Gemeinde ihre Feste nicht unter besten Bedingungen: "An Pessach sind wir wie Sardinen gesessen, im Saal, so voll war das alles, und jetzt wo wir einen neuen Saal haben, der doppelt so groß ist, werden wir gemütlicher sitzen. Durch das hoffe ich, dass die Leute wieder mit mehr Freude zu uns kommen und vielleicht einige dazu kommen und so langsam sukzessive das erweitern."

    Die Jüdische Gemeinde stellt sich derzeit für die Zukunft auf. Am kommenden Mittwoch ist es endlich soweit. Nach drei Jahren werden hier auf dem Areal der Jüdischen Gemeinde eine Synagoge und ein neuer Gemeindesaal eingeweiht. Geplant und betreut hat den Neubau das Architektur-Büro Staab aus Berlin. Florian Nusser, selber Regensburger und bei den "Staab Architekten" für das Projekt zuständig. "Das fügt sich ja hoffentlich gut ein in den Altstadtkontext", beschreibt der Architekt das 320-Quadratmeter-Objekt, "und man kann es auch sehen als Referenz für die alte Synagoge von 1938, die ja auch eine ganz steile Kuppel hatte. Auf elipsoidem Grundriss, das ist mehr so der kleine Bruder, von der Fläche her sind sie relativ gleich nur war die alte Synagoge ein paar Meter weiter nördlich verortet."

    Regensburg - Stadt ohne Synagoge und doch älteste jüdische Gemeinde

    Eine neue Synagoge, das ist nun wirklich nichts Alltägliches. Dabei gilt die Synagoge in Regensburg sogar als älteste jüdische Gemeinde Bayerns, 981 erstmals urkundlich erwähnt. Heute gibt es 13 jüdische Gemeinden im Freistaat, teils mit eigenen Kindergärten, Schulen oder Altenheimen. Auch in der Regensburger Gemeinde findet weitaus mehr statt als nur Gottesdienste, erklärt die Gemeindevorsitzende, Ilse Danziger, kein Wunder, dass die Räume allmählich zu eng werden. "Zum Gebet gehört ja immer ein gemeinsames Essen im Anschluss, da war halt das Problem, dass wir das nicht gemeinsam machen konnten. Und da werden wir jetzt hier im Gemeindesaal einfach essen können, nachdem wir in der Synagoge waren, gehen wir nach unten und können gemütlich sitzen bleiben."

    Neun Millionen Euro kostet der Neubau der Synagoge. Die Stadt trägt einen Teil der Kosten. Auch viele Regensburger Bürger haben das Projekt unterstützt. Ein Förderverein hat ein Bausteinprojekt gestartet und knapp eine Million Euro gesammelt. Dieter Weber, einer der Gründer des Fördervereins, ist mit der Resonanz sehr zufrieden. Als Regensburger fühlt er sich verpflichtet, jüdisches Leben in der Stadt zu unterstützen, allein schon aus geschichtlicher Verantwortung heraus. "Es geht auch darum, ein Zeichen zu setzen angesichts der Geschichte, aber auch angesichts des immer stärker werdenden Antisemitismus", sagt Dieter Weber.

    Die Regensburger Bürger unterstützen das Projekt - auch wegen ihrer Stadtgeschichte

    Vor 500 Jahren machten die christlichen Regensburger während eines Pogroms das jüdische Viertel dem Erdboden gleich. Die Archäologin Silvia Codreanu-Windauer hat 1995 eine wichtige Ausgrabung in Regensburg geleitet. Die wenigsten wüssten, so die Archäologin, dass der Regensburger Neupfarrplatz einst Standort eines ganzen jüdischen Stadtviertels war - bis zur Vertreibung der Bewohner. "Das, was sich heute als große leere Fläche dem Besucher eröffnet, ist ein dicht besiedeltes Viertel gewesen, ein Viertel, in dem seit vielen hundert Jahren die mittelalterliche Judengemeinde gewohnt hat", erläutert die Archäologin. "Am 21. Februar 1519 hat der Rat der Stadt beschlossen, dass die Juden binnen 24 Stunden die Synagoge zu räumen haben und in einer Woche die Stadt verlassen müssen."

    Der Neupfarrplatz - ein jüdisches Stadtviertel dem Erdboden gleichgemacht

    Es dauerte bis ins 18. Jahrhundert, bis wieder Jüdisches Leben nach Regensburg zurückkehrte. 1912 baute die jüdische Gemeinde dann eine prächtige Synagoge, etwas weiter östlich vom Neupfarrplatz, am Brixener Hof. Nur wenige Jahre später, am 9. November 1938 schänden die Nazis die Synagoge und setzen sie in Brand. Auf dem leeren Synagogenplatz wurden die Regensburger Juden 1942 nach Piaski bei Lublin deportiert.

    Die Einweihung der Neuen Synagoge am 27. Februar 2019, genau 500 Jahre nachdem die Regensburger Juden aus der Stadt vertrieben wurden, wirkt da wie ein Hoffnungszeichen, so empfindet es auch SPD-Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer: "Das ist ein sichtbares Zeichen, dass die jüdische Gemeinde mitten in der Gesellschaft steht und angekommen ist."

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