Wallace Shawn in "Rifkin's Festival"
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Wallace Shawn in "Rifkin's Festival"

    Neue Sommerkomödie von Woody Allen: "Rifkin's Festival"

    86 Jahre ist Woody Allen mittlerweile und er macht weiter Filme. Seinen neuesten, seinen 50. (!) Film, "Rifkin´s Festival", hat der New Yorker im baskischen San Sebastian angesiedelt. Ein filmisches Leichtgewicht im Allen-Kosmos, meint Markus Aicher.

    Einige Filme Woody Allens der vergangenen zehn Jahre sind in europäischen Städten wie London, Barcelona, Paris oder Rom - mit europäischem Geld entstanden. Die romantische Sommerkomödie "Rifkin´s Festival" spielt nun im baskischen San Sebastian, wo der Film - vor der Pandemie - auch beim dortigen Filmfestival 2020 seine Premiere hatte. in dieser Woche nun startet "Rifkin´s Festival" in den deutschen Kinos.

    Ein klassisches Woody Allen Thema: Der ältere New Yorker Filmdozent Mort Rifkin, gespielt von dem 78-jährigen Wallace Shawn, sitzt in der Praxis seines Psychotherapeuten und erzählt von seiner Reise in die nordspanische Stadt am Meer. Seine Frau, eine PR-Agentin - verkörpert von Gina Gershon, soll dort einen jüngeren erfolgreichen Regisseur betreuen - und der eifersüchtige Rifkin reist mit und erkundet - zusehends genervt vom Festivaltrubel - die sommerliche Stadt an der Concha-Bucht.

    Typisch satirische Woody-Allen-Dialoge

    Während seine Frau aufreizend mit dem jungen Filmemacher flirtet und zusehends klar wird, dass Rifkins Ehe am zerbröseln ist, klagt der hypochondrische Senior über zunehmende Herzschmerzen und lässt sich vor Ort von einer hübschen Ärztin beraten. Die ihrerseits auch gerade Eheprobleme mit ihrem Macho-Ehemann, einem trinkenden Maler, hat - und - welch Wunder - das europäische Autorenkino liebt. Eine Drehbuch-Konstruktion wie bei Shakespeare: das Wechselspiel (der romantischen Komödie) mit den typischen satirischen Woody-Allen-Dialogen kann beginnen.

    Referenzen, die das europäische Kino feiern

    Die romantische Komödie setzt den Badeort in Szene wie in einem Imagefilm der dortigen Tourist Info: malerische Strände, das prächtige Festival Hotel Maria Christina, südländisches Flair. Erneut arbeitet Allen mit dem oscarprämierten italienischen Kameramann Vittorio Storaro zusammen, der auch schon "Apocalypse Now" oder "Der letzte Kaiser" gedreht hatte. Klug und amüsant ist der Film bei seinen eingestreuten Schwarz-Weiß-Szenen, in denen Woody Allen das europäische Kino feiert. Rifkin tagträumt sich in Produktionen und Szenen von François Truffaut, Luis Buñuel, Orson Welles oder Jean-Luc Godard. Oscar-Preisträger Christoph Waltz taucht etwa in einer Hommage an Ingmar Bergmans Drama "Das siebente Siegel" als der Tod im schwarzen Kapuzenmantel auf.

    Trotzdem: ein sommerliches Leichtgewicht ohne echten Tiefgang

    Doch das rettet "Rifkins Festival" leider nicht wirklich vor seiner eigenen Vergänglichkeit. Man schaut diesem Flirt- und Herzschmerzdrama ohne echten Tiefgang ganz gerne zu, auch wenn es von Woody Allens Meisterwerken Lichtjahre entfernt ist. Der Film ist schlichtweg ein sommerliches Leichtgewicht im Allenschen Filmkosmos.

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