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"Stateless" erzählt Geschichten aus der Abschiebehaft | BR24

© Ben King/Netflix 2020

Yvonne Strahovski als Sofie Werner in der Netflix Miniserie "Stateless" von Cate Blanchett.

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    "Stateless" erzählt Geschichten aus der Abschiebehaft

    Rund 80 Millionen Menschen gelten derzeit weltweit als Vertriebene. Viele von ihnen setzen mit ihrer Flucht alles aufs Spiel, für die Chance auf ein sicheres Leben im Ausland. Das zeigt auch Cate Blanchetts neue Netflix-Serie.

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    Elf Monate lang saß Cornelia Rau 2004 in der australischen Einwanderungshaft fest. Rau war psychisch krank, hatte sich unter falschen Namen als Backpackerin aus München ausgegeben und wurde inhaftiert, obwohl sie eine Aufenthaltsgenehmigung für Australien hatte. Das Versagen des Migrationssystems sorgte im Fall der weißen Europäerin für einen Riesenskandal in Australien. Jetzt hat diese ziemlich unglaubliche Geschichte die australische Schauspielerin, Serienschöpferin und Produzentin Cate Blanchett zu ihrer neuen Serie "Stateless" inspiriert. Und die zeigt, wie auch der Fall von Cornelia Rau, ziemlich deutlich, wie rassistisch die weltweite Asylpolitik wirklich ist.

    Die Serie spielt in einem trostlosen australischen Flüchtlingslager, einem sogenannten Immigration Detention Center, mitten in der Wüste im Süden Australiens. Hier werden Menschen inhaftiert, die ohne Papiere und Visum ins Land gekommen sind und somit gegen australisches Recht verstoßen haben. Manche der Inhaftierten warten schon seit Jahren darauf, dass ihr Fall bearbeitet wird, sie Asyl beantragen können oder abgeschoben werden. Auch die Australierin Sofie Werner (magnetisch: Yvonne Strahovski aus "Handmaid's Tale") landet dort – unter falschem Namen und mit einer gestohlenen Identität.

    Sofie ist auf der Flucht und hofft darauf einfach nach Deutschland abgeschoben zu werden. Wie sie überhaupt in die Einwanderungshaft gekommen ist, und warum sie die Identität einer deutschen Touristin angenommen hat – damit rückt die Serie etwas widerwillig in sechs Folgen heraus. Nur so viel: Sofie war in eine dubiose Sekte involviert (herrlich charismatisch-gruselig: Dominic West und Cate Blanchett als Sektenführer).

    In wahnhaften Flashbacks, die immer wieder mit der Gegenwart verschwimmen, erfahren wir zusammenhanglos, was Sofie widerfahren ist. Ihre wirklich abgefahrene Geschichte ködert uns, dran zu bleiben und weiter zu schauen. Denn in Wirklichkeit geht's in "Stateless" um viel mehr als eine blonde Frau, die versehentlich inhaftiert wurde.

    "Stateless" ködert das Publikum mit einer unglaublichen Story

    Die Serie gibt nach und nach Einblick in das unmenschliche Asylsystem von Australien und führt dazu die Geschichten von vier Figuren im Flüchtlingslager zusammen: Neben Sofie sind das Ameer, der eine schreckliche Reise aus Afghanistan hinter sich hat und seine Frau und Töchter sucht. Der Wachmann Cam, der gerade erst im Lager angefangen hat und nur schwer mit den Zuständen dort zurechtkommt. Und die neue Lagerleiterin, die trotz Mitgefühl für die Inhaftierten dem politischen Druck folgt.

    © Netflix 2020

    Mina (Soraya Heidari), ihr Vater Ameer (Fayssal Bazzi), die kleine Schwester Sadi und ihre Mutter Majeeba auf dem Weg nach Pakistan.

    "Stateless" basiert auf wahren Begebenheiten. Die Serie strickt aus vielen realen Schlagzeilen eine dichte, erschütternde Geschichte und erweckt so die oft abstrakten Meldungen zum Leben. Obwohl aus diesen Nachrichten längst bekannt war, was in den Lagern passiert, gab es 2005 erst dann einen Aufschrei, als die Menschenrechte einer weißen Deutschen in der Einwanderungshaft verletzt worden waren. Es folgte eine staatliche Überprüfung der Einwanderungshaft.

    Beim Anschauen sollten auch wir uns fragen, wieso uns ihre Geschichte so viel mehr reizt, als die der afghanischen Familie, die durch die Flucht auseinandergerissen wird, ihre Prinzipien verrät und alles verliert. Die Serie erzählt auch diese Story und nutzt unsere Sehgewohnheiten gnadenlos aus, um uns mit dem durch und durch menschenverachtenden Asylsystem zu konfrontieren, das auf der ganzen Welt tausende Menschen das Leben kostet.

    "Stateless" ist im Streamingangebot von Netflix.

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