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"Little Fires Everywhere" gibt Nachhilfe zu Alltagsrassismus | BR24

© Amazon Prime/Hulu

Zwei Mütter, zwei Perspektiven auf den amerikanischen Traum: Kerry Washington als Mia Warren und Reese Witherspoon als Elena Richardson.

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    "Little Fires Everywhere" gibt Nachhilfe zu Alltagsrassismus

    Reese Witherspoon hat den Bestsellerroman "Little Fires Everywhere" von Celeste Ng zur Serie gemacht und liefert die beste Performance ihrer Karriere als selbstgerechte Vorstadtmutter, die blind für ihre eigenen Privilegien ist.

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    Regeln gibt es für alles in Shaker Heights, Ohio. Viele sind in den Nachbarschaftsvorschriften niedergeschrieben – wie der Rasen geschnitten wird oder wo der Müll zu stehen hat. Andere sind unausgesprochen. Männer arbeiten, Frauen haben Kinder, selbstverständlich ist man für Chancengleichheit und gegen Rassismus und überhaupt: in diesem Mustervorort wird der amerikanische Traum gelebt. Und der steht schon in der ersten Folge in Flammen.

    Das riesige Haus von Familie Richardson liegt in Schutt und Asche - Elena, ihr Mann Bill und die Kinder Moody, Lexie und Trip schauen auf die qualmenden Überreste. Izzy, die jüngste Tochter, ist verschwunden. Die Feuerwehr vermutet, dass sie die Brandstifterin ist, wer sollte das Feuer schließlich sonst gelegt haben?

    Der amerikanische Traum geht in Flammen auf

    Das ist die große Frage, zumindest in der ersten Folge. Und darum spult die Serie erstmal vier Monate zurück, in den Sommer 1997. Elena Richardson (Reese Witherspoon) patroulliert mit Adleraugen die Straßen von Shaker Heights wie der Ortssherriff, dabei ist sie eine Teilzeitreporterin bei der Lokalzeitung. Und als sie ein vollbepacktes Auto am Straßenrand sieht, ruft sie sofort die Polizei.

    Das Auto gehört Mia Warren (Kerry Washington) und durch einen Zufall zieht sie mit ihrer Tochter in das Mietshaus von Familie Richardson ein. Elena hat Mia sofort auf dem Kieker. Einfach nur, weil Mia komplett anders ist, als sie selbst. Mia ist alleinerziehend, Künstlerin und zieht mit ihrer Teenager-Tochter Pearl seit Jahren quer durchs ganze Land. Außerdem ist sie Schwarz. Elena hält sich für aufgeklärt, progressiv und glaubt, dass sie für alle um sie herum nur das Beste will. In Wirklichkeit terrorisiert sie mit ihren überzogenen Ansprüchen und Idealen nicht nur ihre Familie, sondern die gesamte Stadt. Anfangs will Elena Mia noch helfen, aber schon bald geraten die beiden aneinander. Auch, weil Mias Tochter Pearl sich von Elenas Familie und ihrem Bilderbuchleben angezogen fühlt. Gleichzeitig freundet sich Elenas rebellische Tochter Izzy mit der freiheitsliebenden Künstlerin Mia an.

    Wer den Brand gelegt hat, ist schon in der zweiten Folge nicht mehr wichtig. Die Dynamik zwischen den Töchtern und Müttern treibt die Serie an und wird zur Bühne für Klassenkonflikte und den schwelenden, strukturellen Rassismus, der einfach jede Beziehung und jede Entscheidung durchdringt.

    "Little Fires Everywhere" rutscht immer mal wieder in Soap-Gewässer ab und anfangs scheinen die einzelnen Charaktere auch sehr stereotyp. Die Serie lohnt sich dennoch. Der Look, der 90er-Jahre Soundtrack und die Besetzung sind ausgezeichnet: Joshua Jackson aus "The Affair" und Kerry Washington aus "Scandal" spielen mit und Reese Witherspoon ("Big Little Lies") war noch nie so großartig, wie als selbstgerechte Vorstadtmutti.

    Aber vor allem bietet die Serie ihrem weißen Publikum notwendige Nachhilfe in Sachen Alltagsrassismus. "Little Fires Everywhere" ist dabei zwar nicht besonders subtil, aber zeigt eindrücklich, welche Privilegien weiße Menschen für selbstverständlich nehmen. Wie zerstörerisch sich dieses "White Privilege" äußert, wird anhand von zwei Familien und ihren vielen Geheimnissen deutlich, die sich durch die Reibung zwischen diesen Familien entzünden und überall kleine Feuer entfachen.

    Und darum ist es bis zum explosiven Ende auch egal, wer das Haus der Richardsons abgefackelt hat.

    "Little Fires Everywhere" finden Sie bei Amazon Prime Video.

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