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Neue Porträts an der Wand: Das sind Joe Bidens Vorbilder | BR24

© Alex Brandon/dpa-Bildfunk

Neuer Stil, alte Gesichter: Umdekoriertes Oval Office

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    Neue Porträts an der Wand: Das sind Joe Bidens Vorbilder

    Im Oval Office wurde kräftig umdekoriert. Das Bild des "Indianerhassers" Andrew Jackson musste weichen, stattdessen hängt jetzt ein Porträt von Benjamin Franklin im Weißen Haus. Und auch die Büsten und Fotos geben Hinweise auf Joe Bidens Ideale.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Ausgerechnet der Mitbegründer der Demokratischen Partei bekam im Oval Office "Hausverbot": Joe Biden ließ vor seinem Einzug ins Weiße Haus ein Bild von Andrew Jackson (1767 - 1845) abhängen: Der siebte Präsidenten der USA ist mit seiner rabiaten Politik gegenüber den indigenen Völkern und den Sklaven in Erinnerung geblieben. Jackson, der sich aus sehr einfachen Verhältnissen hoch gekämpft hatte, war einer der ersten Populisten in der amerikanischen Politik und stand womöglich auch deshalb bei Donald Trump in einem gewissen Ansehen, zumal der Mann ebenfalls stark angefeindet worden war und die Gesellschaft polarisierte.

    Biden blickt auf Rosa Parks und Eleanor Roosevelt

    Joe Biden hat offenkundig andere Ideale. Er ließ ein Gemälde von Benjamin Franklin aufhängen, einem Gelehrten, Schriftsteller und Staatsmann, der mit der Erfindung des Blitzableiters unsterblich wurde und die damals gerade gegründeten Vereinigten Staaten jahrelang als Botschafter in Paris vertrat. In amerikanischen Medien wird spekuliert, Biden wolle mit dem Bild sein Interesse an der Wissenschaft unterstreichen. Ashley Williams, der stellvertretende Büroleiter von Biden, sagte bei einem Rundgang mit Journalisten: "Für Präsident Biden war es wichtig, in ein Oval Office zu kommen, das aussieht wie Amerika und die Konturen von dem zeigt, was er als Präsident werden will."

    Zu den Erinnerungsstücken, die Bidens Büroalltag künftig begleiten, gehören Büsten von Martin Luther King Jr. und Robert F. Kennedy, zwei Männern, die wegen ihres Engagements für die Bürgerrechte von Fanatikern ermordet wurden. Und während Trump sein Arbeitsumfeld gern mit Rodeo-Reiter-Figuren und Medaillen schmückte, schaut Biden auf eine Büste von Rosa Parks, die mutige Frau, die sich 1955 in Montgomery/Alabama weigerte, ihren Platz im Linienbus für einen Weißen freizugeben. Auch die frühe Feministin Eleanor Roosevelt, die Frau von Franklin D. Roosevelt, ist präsent. Sie fügte sich nicht in das bis dahin gültige Bild einer unauffälligen Gastgeberin, sondern mischte sich kräftig in die Politik ein und kämpfte in ihren späten Jahren auch gegen Rassismus. Dass ein Porträt ihres Mannes auch über dem Kamin hängt, ist fast schon selbstverständlich.

    © Evan Vucci/dpa-Bildfunk

    Arbeiten am "Resolute"-Schreibtisch

    Aber auch in Deutschland weniger bekannte historische Persönlichkeiten sind künftig im Oval Office präsent. So ließ Biden eine Büste des Landarbeiter-Gewerkschafters César Chávez (1927 - 1993) aufstellen. Dessen Familie musste wegen Steuerschulden die Farm verkaufen und sich als Wanderarbeiter verdingen, sein Geburtstag, der 31. März, ist in mehreren US-Bundesstaaten gesetzlicher Feiertag. Außerdem fällt Bidens Blick auf eine Skulptur des Künstlers Allan Houser, einem Nachfahren der Chiricahua Apachen. Das Werk stammt aus dem Besitz des früheren Kongress-Abgeordneten und Senators Daniel K. Inouye, dem ersten Politiker mit asiatischen Wurzeln, der in Washington D.C. ein Mandat erreichte.

    Trumps Pomp ist Vergangenheit

    Thomas Jefferson und Alexander Hamilton, die sich selten einig waren hängen im neune Oval Office einträchtig nebeneinander – wohl auch ein Ausdruck von Bidens Bemühen, die gesellschaftliche Spaltung der USA zu überwinden. Jefferson war Außenminister, Hamilton war Finanzminister im Kabinett des ersten Präsidenten George Washington. Während Hamilton eine Zentralbank gründen wollte und sich um die Industrie sorgte, galten Jeffersons Bemühungen eher der Landwirtschaft. Außerdem orientierte sich Jefferson an Frankreich, während Hamilton es sich nicht mit Großbritannien verderben wollte.

    Auch die neuen Vorhänge im Oval Office sprechen eine politische Sprache: Trumps goldfarbener Pomp ist Vergangenheit, jetzt haben die Textilien eine dunklere Farbe und ein blauer Teppich sorgt für optische Zurückhaltung. Die Flaggen der unterschiedlichen Truppengattungen mussten einer Nationalflagge und einer mit dem Siegel des Präsidenten weichen.

    Nichts ändern wird sich am Schreibtisch: Unter den sechs verschiedenen Exemplaren, aus denen US-Präsidenten auswählen können, entschied sich auch Biden für das lederbezogene Werkstück aus den Planken des Forschungsschiffs HMS Resolute, das einst in der Arktis unterwegs war, ein Geschenk der britischen Königin Victoria an den Präsidenten Rutherford B. Hayes im Jahr 1880. In den letzten Jahrzehnten hatte nur George H.W. Bush einen anderen Schreibtisch benutzt, ein Exemplar, das für die Eigentümer der Chesapeake & Ohio-Eisenbahn angefertigt worden war.

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