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Neue Lockdown-Regeln: Macht Bayerns Kultur am 22. März auf? | BR24

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Buchhandlungen sollen schon ab Montag öffnen, zwei Wochen später könnten Theater, Kinos und Konzertsäle den Spielbetrieb wieder aufnehmen, soweit die Inzidenz in der jeweiligen Region unter 100 liegt. Wird das Publikum die Testpflicht annehmen?

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Neue Lockdown-Regeln: Macht Bayerns Kultur am 22. März auf?

Buchhandlungen sollen schon ab Montag öffnen, zwei Wochen später könnten Theater, Kinos und Konzertsäle den Spielbetrieb wieder aufnehmen, soweit die Inzidenz in der jeweiligen Region unter 100 liegt. Wird das Publikum die Testpflicht annehmen?

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Von
  • Peter Jungblut

Ist das die heiß ersehnte Lockerung für die Kultur? Schon am kommenden Montag könnten Galerien, Museen, Zoos und Botanische Gärten wieder öffnen, allerdings unter konkreten Bedingungen. In Gebieten, wo die Inzidenz unter fünfzig liegt, sich also weniger als fünfzig von 100.000 Personen pro Woche neu infizieren, sollen nach den Beschlüssen der Bund-Länder-Konferenz keine Schnelltests oder vorherigen Anmeldungen nötig sein. Das würde zum Beispiel auf die Landeshauptstadt München zutreffen (aktuelle Inzidenz 43,2), aber auch auf Städte wie Ingolstadt und Würzburg. Oberhalb einer Inzidenz von fünfzig, aber unterhalb von 100 sind Öffnungen ebenfalls möglich, dann allerdings mit verschärften Sicherheitsvorkehrungen wie namentlicher Erfassung der Gäste und der Reservierung von Zeitfenstern.

Schnelltest vor dem Theaterbesuch

Ab dem 22. März stellte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Wiederöffnung von Theatern, Kinos und Konzertsälen in Aussicht, wobei sie offen ließ, wie hoch die Sitzauslastung dann sein darf. Grundsätzlich soll auch bei Veranstaltungen gelten, dass in Gebieten mit einer Inzidenz zwischen fünfzig und 100 jeder Besucher einen tagesaktuellen Schnelltest machen muss. Das jeweilige Ergebnis muss in einem Testzentrum bestätigt werden, wahlweise auch direkt vom Veranstalter. In Regionen mit einer Inzidenz unter fünfzig sind diese tagesaktuellen Tests nicht zwingend vorgeschrieben.

Allerdings ist auch vorgesehen, Veranstaltungen wieder ganz abzusagen, wenn die Infektionslage sich verschlechtert. Für die Branche wird das eine zwiespältige Botschaft sein, zumal in Bayern die staatlichen Theater ohnehin schon bis Ende März geschlossen bleiben, so jedenfalls eine Anordnung von Kunstminister Bernd Sibler. Ob und was sich daran ändert, werden die kommenden Tage zeigen.

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Musik ohne Publikum

Buchhandlungen, die in manchen Bundesländern ohnehin auch im Lockdown geöffnet blieben, sollen ab Montag bundesweit wieder Kunden empfangen dürfen, vorausgesetzt, die Inzidenz liegt in den jeweiligen Regionen unter 100.

Die Beschlüsse von Berlin werden in der Kulturwirtschaft sicherlich begrüßt werden, soweit es um Lockerungen geht - spätestens dann, wenn diese Maßnahmen allerdings wieder rückgängig gemacht würden, was ja für den Fall einer "dritten Welle" mit entsprechend hohen Infektionswerten zwingend vereinbart wurde, dürfte der Unmut jedoch wieder groß werden. Außerdem stellt sich die Frage, wie schnell zum Beispiel Museen ihr Aufsichtspersonal wieder mobilisieren können und ob sich das für eine ungewisse Zeit von möglicherweise nur wenigen Tagen oder Wochen überhaupt lohnt.

Intendant: "Das geht so nicht weiter"

Die Theater sind es längst leid, "auf Halde" zu produzieren, rein virtuelle Premieren herauszubringen, die vergleichsweise wenige, besonders treue Fans online mitverfolgen. Andreas Beck, der Intendant des Münchner Residenztheaters, fragte sich letzte Woche: "Warum verbietet sich eine Gesellschaft, was sie sich tatsächlich gestatten könnte? Wir möchten aus dem Verordnungssalat heraus, das man sagt, wieder einen Monat zu, wieder einen Monat zu. Das geht so nicht weiter."

Immerhin, die meisten dieser Stücke werden wohl irgendwann live zu sehen sein, und Filmstarts lassen sich ja auch fast beliebig verschieben, auch, wenn der neue "James Bond" allmählich Patina ansetzt und wegen des Sponsorings mit aktuellen Produkten der Geldgeber nachgedreht werden muss. Aber was ist mit Ausstellungen? Die sind irgendwann aufgebaut worden und können nicht in jedem Fall stehen bleiben, bis wieder Besucher rein dürfen. Im Kulturspeicher Würzburg zum Beispiel endet eine Bilderschau über die Italiensehnsucht deutscher Künstler so oder so am kommenden Sonntag - ein Jahr Arbeit war damit fast umsonst.

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Bildrechte: David Ebener/dpa-Bildfunk

Henrike Holsing

Kein einziger Besucher konnte die Ansichten von Capri, Florenz und Rom an den Wänden sehen, alle waren auf den Katalog und die Online-Möglichkeiten angewiesen. Kuratorin Henrike Holsing gegenüber dem BR: "Wir haben in dieser Ausstellung jetzt Leihgaben von ungefähr dreißig Leihgebern, die möchten irgendwann ihre Werke auch ganz gerne zurück bekommen. Vor allem die Werke aus Papier können wir aus konservatorischen Gründen nicht ewig hängen lassen. Zudem haben wir für diese Ausstellung zwei Nachfolge-Stationen, die geht in die Kunstsammlungen nach Zwickau und ins August-Macke-Haus in Bonn, und auch die dortigen Kollegen müssen natürlich planen und können nicht ewig schieben."

Wächst der "Hunger nach Kultur"?

Was in diesem und anderen Fällen bleibt, sind Frust und hohe Kosten, denn der Transport von Kunstwerken ist bekanntlich nicht gerade günstig: "Als abzusehen war, dass der Lockdown kommt, habe ich mir immer gesagt, okay, irgendwann öffnen wir ja noch. Das ging dann immer so weiter, dass man dachte, naja, im März öffnen wir vielleicht wenigstens eine Woche. Man resigniert dann irgendwann und stellt fest, wir öffnen nicht mehr."

Henrike Holsing telefoniert natürlich viel mit Kollegen in anderen Museen, auch sie bangen um ihre Ausstellungen. Und selbst, wenn tatsächlich ab kommendem Montag gelockert wird und Besucher kommen könnten, stellt sich die Frage, wie viele den Mut dazu aufbringen werden: "Da bin ich sehr gespannt. Das war nach dem ersten Lockdown auch so, dass bei uns die Besucher sehr zögerlich kamen, wobei ich das tatsächlich auf Ängste zurückgeführt habe, dass sich die Leute nicht richtig trauten. Bei dem Lockdown jetzt bin ich mir nicht sicher. Ich habe das Gefühl, dass der Hunger nach Kultur wächst. Wir haben unwahrscheinlich viele Anfragen, wann eröffnen sie denn, kann man die Ausstellung noch sehen. Wir haben ganz tolle Reaktionen auf unsere Online-Angebote, insofern kann ich mir vorstellen, dass es, wenn es zu Lockerungen kommt, auch gleich wieder Besucher gibt."

Wie viele Besucher werden kommen?

Ähnlich optimistisch sieht es auch der Intendant der Bayerischen Staatsoper, Nikolaus Bachler, obwohl er anmerkt, dass die Leute sicher nicht "auf Knopfdruck" wieder ins Theater strömen werden: "Menschen wollen ja nicht, und Künstler am aller wenigsten, zu Versorgungsempfängern werden, sondern sie wollen ihren Beruf ausüben und ihr Leben gestalten."

Wann das der Fall sein wird, ist weiterhin offen. Besucher werden dann sicher kommen, aber ganz gewiss nicht so viele wie vor der Pandemie. Ministerpräsident Markus Söder verwies nicht von ungefähr darauf, dass die Testbereitschaft im Freistaat bisher nicht überschäumend ist. Wird es genug Kulturfans geben, die bereit sind, kurz vor einem Theater- oder Museumsbesuch ins Testzentrum zu pilgern oder sich gar an der Theaterkasse testen zu lassen? Für kommunale und staatliche Häuser mag der Aufwand bei begrenzten Sitzkapazitäten noch hinnehmbar sein, für private wohl kaum. Die Kultur in Schockstarre, und wann sich das Publikum berappelt, das können die Politiker garantiert nicht mit Verordnungen beeinflussen.

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Der Corona-Maßnahmen-Fahrplan für die nächsten Wochen steht - und der Buchhandel darf ab Montag, 8. März wieder öffnen. Vor gut einer Woche erst hatten rund 400 Buchhändler, Verleger und Autoren einen Brandbrief verfasst.

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